Von Andreas Steinhardt 06.01.2025 um 14:16 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze am Dreikönigstag ein Wintergedicht von Georg Trakl.
In einigen christlichen Ländern Europas wie Italien findet heute erst die "weihnachtliche Bescherung" statt, mehrere christlich-orthodox geprägte Staaten feiern heute (erst) Christi Geburt.
Um diesen Zeitpunkt herum bin auch ich geboren, meine Erinnerung an die Geburtstage meiner Kindheit sind natürlich noch sehr präsent.
Meine Eltern gaben sich immer äußerste Mühe ein wunderschönes Fest für mich auszurichten. Viele Kinder fragten mich einst, ob ich nicht lieber später, gar im Sommer Geburtstag haben möchte - ich verneinte, da ich es immer als sehr schön empfand noch unter dem Christbaum meine Geschenke zu bekommen - ein Mischung aus Weihnachten und Geburtstag - und ich fand es immer "praktisch", sich vielleicht etwas zu wünschen, was man am Christfest vermisste
bzw. um etwas zu ergänzen oder zu erweitern...
Ein Winterabend
von Georg Trakl
Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
Lang die Abendglocke läutet,
Vielen ist der Tisch bereitet
Und das Haus ist wohlbestellt.
Mancher auf der Wanderschaft
Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
Aus der Erde kühlem Saft.
Wanderer tritt still herein;
Schmerz versteinert die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
Auf dem Tische Brot und Wein.
Georg Trakl, *3. Februar 1887 in Salzburg, +3. November 1914 in Krakau, damaliges Galizien, KR Österreich-Ungarn, heute zur poln. Woiwodschaft Kleinpolen.
Trakl war ein österreichischer Dichter des Expressionismus mit starken Einflüssen des Symbolismus.





