Franz Steinhardt

Franz
Steinhardt

26.03.1926
Gladbeck
-
15.03.1986
Gladbeck

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ZurückEine brennende Kerze: Kerze gelb lang
Februar von Kästner

Von Andreas Steinhardt 02.02.2025 um 14:57 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze an Maria Lichtmess
ein Februargedicht von Erich Kästner.

Nun, es schneit heute nicht, wie in den folgenden Versen beschrieben wird, wir haben dagegen einen sonnendurchfluteten, aber kalten Sonntag mit morgendlichen Temperaturen bei -4° C.

Franz hätte sich heute dick verpackt und nach
der Festmesse und Lichterprozession einen schönen Spaziergang durch Wald und Feld unternommen, sich an dem herrlich blauen Himmel und der klaren Luft erfreut...


Februar

von Erich Kästner


Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.

Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.

In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.

Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.

Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?

Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.

Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.

Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.


Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden,
+29. Juli 1974 in München.

Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung.