Von Andreas Steinhardt 03.08.2024 um 14:40 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Ludwig Thoma.
Nun, der August ist erst wenige Tage alt, und ob dieser so verregnet wird wie in den folgenden Versen wissen wir noch nicht, der erste Tag des Monats war in hiesigen Gefilden in der Tat sehr nass, gestern setzte ein wenig Regen ein, heute ist es durchweg bewölkt, leicht schwül, am Abend soll weiterer Regen einsetzen.
Franz wäre durchweg nicht unzufrieden mit einem sehr wechselhaften, gar nassen August, litt er und auch ich mehr unter Hitze und Binnenlands-Schwüle als viele andere.
Viele schüttelten früher den Kopf über seinen wenig vorhandenem "Sonnen- und Sommersinn", wie auch ich häufig Unverständnis und auch Spott erfahre, wenn ich äußere, dass ich ein Herbst- und Winterkind bin und ich diese Zeit zelebriere und genieße wie andere die Sommersaison...
...nun, es war noch nie einfach einer Minderheit anzugehören, ohne Hohn und Spott zu erfahren. "Anders sein" ist offensichtlich nach wie vor verboten, es ist kein Platz dafür in den Hirnen vieler engstirniger Mitmenschen, wenn etwas, jemand von der Norm abweicht.
Für Franz. Für Axel.
August
von Ludwig Thoma
gekürzt
(...für all die, welche Sommerregen verabscheuen...)
So hat man nichts als immer Regen,
Es plätschert laut, es rieselt still,
Es sammelt Dreck auf allen Wegen,
Wie Gott es will.
Man fühlt sich gänzlich auf dem Hunde
Und kommt so weit, wenns immer gießt,
Dass man in einer solchen Stunde
Die Zeitung liest.
Man hört den Regen, liest die Seiche
Und hat so das Gefühl dabei,
Man trete in das Windelweiche,
In lauter Brei.
Ludwig Thoma, * 21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in Tegernsee.
Thoma war ein deutscher Schriftsteller und Rechtsanwalt, welcher in der jetzigen Zeit sehr umstritten ist.





