Von Andreas Steinhardt 12.06.2026 um 20:59 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey.
Ich erinnere mich gerne daran zurück, wie mein Vater mir früher kurz nach Einbruch der Dunkelheit im Garten "die Glühwürmchen" zeigte - und von denen waren damals nicht wenige zu sehen, welche sich zum abendlichen "Balztanz" versammelten.
Die oft flugunfähigen Weibchen sitzen auf Pflanzen oder im Gras und leuchten, um Männchen anzulocken, während diese fliegen und auf das Licht reagieren, leuchten aber meist schwächer als ihr weibliches Gegenstück...
... jedenfalls ist es eine wunderschöne Erinnerung an diese Junitage, wo dieses abendliche Spektakel seinen Anfang nahm und bis weit in den Sommer hineingeht...
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht
von Max Dauthendey
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht
Wie Blicke, die ins Dunkel fliehen,
Ist dort im Abendlaub ein sacht Gefunkel -
Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht.
Ich möchte mich ins Gras hinknien
Still wie ein Schäfer, der die Welt vergisst
Und nur ein Traum bei hellen Blicken ist,
Von denen keiner Dir am Tage lacht;
Die nur in vager Heimlichkeit entstehen
Und über schwüle Abendwiesen gehen,
Von einer heißen Nacht zur Welt gebracht.
Ich hab zu jenen Blicken ein Gesicht erdacht
Von zager Schönheit, dass der Tag nicht wagt
Mehr aufzusehen, und allein die Nacht
Tastend mit sachten Lichtern sucht und fragt.
Maximilian Albert Dauthendey, *25. Juli 1867 in Würzburg,
+29. August 1918 in Malang auf Java, heute zum Staat Indonesien.
Dauthendey war ein deutscher Dichter und Maler.





