Von Andreas Steinhardt 23.10.2025 um 15:16 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke.
Dis Sonne schien bis eben noch durch schon bedrohlich anmutende Wolken - das Sturmtief ist in Anmarsch, der Wind nimmt an Fahrt auf.
Franz hätte vielleicht noch einen kleinen Spaziergang unternommen, das wilde Wolkenspiel und die umherwirbelnden Blätter beobachtet.
Für Franz. Für Axel.
Blätter
von Rainer Maria Rilke
Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion, Kanton Waadt, Schweiz, seit 1953 "Glion sur Montreux."





