Von Andreas Steinhardt 15.06.2025 um 23:47 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey.
Nach einer kurzen Hitzewelle regnete und gewitterte es in der Nacht, heute früh gab es die letzten Tropfen.
Franz vertrug Hitze gar nicht gut, wie auch ich.
So wäre mein Vater froh gewesen über den heutigen Temperatursturz, hätte vielleicht an diesem Sonntag einen ausgedehnten Spaziergang unternommen und tief durchgeatmet...
Die folgenden Verse von Dauthendey erinnern vielleicht eher an triste Novembertage, aber mir
ist danach, dieses Gedicht trotzdem einmal - sicher ungewöhnlich - im Juni - zu präsentieren.
Regen
von Max Dauthendey
Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.
Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.
Maximilian Albert Dauthendey, *25. Juli 1867 in Würzburg, +29. August 1918 in Malang auf Java, Indonesien.




