Von Andreas Steinhardt 16.10.2025 um 13:10 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Rainer Maria Rilke, vorher eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit:
Vor wenigen Tagen sah ich zum ersten Mal in diesem Herbst am frühen Morgen mein Lieblingssternbild Orion am Himmel. Ich warte immer sehnsüchtig darauf, es ist in der nördlichen Hemisphäre den ganzen Winter sichtbar, etwa bis Ostern, bald auch die komplette Nacht.
Unser schönstes Wintersternbild - wenn ich es erblicke, muss ich immer an meinen Vater denken, wie er mich als Kind nach Einbruch
der Dämmerung auf dem Arm in unseren Garten trug und mir häufig Orion zeigte, mir die einzelnen Sterne erklärte. Bellatrix und Betelgeuse, Rigel, Meissa - und Mintaka im Gürtel des Orion.
Sicherlich hat dies meine Liebe zur Sternenkunde begründet - vielen Dank dafür, Vater! Unvergessen schöne Momente der Kindheit.
Nachthimmel und Sternenfall
von Rainer Maria Rilke
Der Himmel, groß, voll herrlicher Verhaltung,
ein Vorrat Raum, ein Übermaß von Welt.
Und wir, zu ferne für die Angestaltung,
zu nahe für die Abkehr hingestellt.
Da fällt ein Stern! Und unser Wunsch an ihn,
bestürzten Aufblicks, dringend angeschlossen:
Was ist begonnen, und was ist verflossen?
Was ist verschuldet? Und was ist verziehen?
Rainer Maria Rilke, eigentlich René Karl Wilhelm Johannes
Maria Rilke, *1875 in Prag, +1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux.
Rilke war ein österr. Lyriker deutscher und französischer Sprache.





