Von Andreas Steinhardt 05.10.2020 um 20:28 Uhr | melden
Franz liebte den Herbst, wie auch ich. Er konnte aber mit jeder Jahreszeit etwas anfangen. Im Herbst ging er auch gern im Sturm spazieren und schaute sich das wilde Wolkenspiel an...
Das folgende Gedicht von Rilke habe ich schon zu frühen Schulzeiten lesen müssen, ich erinnere mich, das ich es mit meinem Vater gemeinsam las.
Herbsttag
von Rainer Maria Rilke
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926, deutsch-österr. Dichter)





