Von Andreas Steinhardt 11.02.2021 um 23:07 Uhr | melden
Dieses Gedicht, passend zum hohen Schnee und der großen Kälte derzeit im Ruhrgebiet, die wir so in Kombination seit 10 Jahren nicht mehr hatten. Mich erfreuts als Winterkind, Franz hätte es sicherlich auch toll gefunden. Er konnte mit jedem Wetter etwas anfangen, zelebrierte im Prinzip jede Jahreszeit...aber den Herbst und Winter doch ein bisschen mehr!
Winternacht
von
Nikolaus Lenau, eigentl. Nikolaus Franz Niembsch,
Edler von Strehlenau
* 13. August 1802 in Csatád, Königreich Ungarn, + 22. August 1850 in Oberdöbling, heute Stadt Wien)
Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
Es kracht der Schnee von meinen Tritten,
Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;
Nur fort, nur immer fortgeschritten!
Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten.
Frost! friere mir ins Herz hinein,
Tief in das Heißbewegte, wilde!
Dass einmal Ruh mag drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde!
Dort heult im tiefen Waldesraum
Ein Wolf; – wie’s Kind aufweckt die Mutter,
Schreit er die Nacht aus ihrem Traum
Und heischt von ihr sein blutig Futter.
Nun brausen über Schnee und Eis
Die Winde fort mit tollem Jagen,
Als wollten sie sich rennen heiß:
Wach auf, o Herz, zu wildem Klagen!
Lass deine Toten auferstehn,
Und deiner Qualen dunkle Horden!
Und lass sie mit den Stürmen gehn,
Dem rauhen Spielgesind aus Norden!





