Von Andreas Steinhardt 26.02.2023 um 22:22 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Cäsar Fleischlen.
Bei den heutigen Gedenkkerzen für meine Mutter und Großeltern gedachte ich im Besonderen deren Geschwister, so tue ich es hier auf der Gedenkseite meines Vaters gleich.
Nun, eine große Laudatio fällt mir leider nicht für Rudolf ein, da ich den Bruder meines Vaters kaum kannte, er war mir sehr fremd. Doch versuche ich mich besten Gewissens an ihn zu erinnern.
Onkel Rudi ist meines Wissens etwa 4 Jahre jünger als mein Vater gewesen. Leider fehlen mir exakte Daten. Den späteren Erzählungen zu Folge verstanden beide sich einst sehr gut, bis ein größerer Familienzwist sie bis auf wenige Geburtstage, vornehmlich ihrer Mutter Anna, entzweite. Dieser ereignete sich schon vor meiner Geburt, daher sah ich Rudolf auch nur sporadisch. Ich hatte als Kind ein wenig Angst vor ihm, er wirkte in seinem edelsten Zwirn gar sehr streng auf mich, stets im engen Nadelstreifenanzug und mit extrem artikulierter Aussprache. Er war ein hohes Tier, besaß mehrere Häuser, war kirchlich, ähnlich seinem Bruder Franz, sehr engagiert. Auf einer großen Feier, ich war im Kindesalter, lernte ich Rudolf doch einmal anders und heiter kennen. Trotz scheinbar familiär unüberbrückbaren Differenzen wurden wir zu seiner Silberhochzeit eingeladen. Sie fand in einem großen Festsaal statt, schier der ganze (kleine) Ort einschließlich Kirchengemeinde schien anwesend zu sein, ich erinnere mich wie Onkel Rudi zu dem seinerzeit aktuellen "Ententanz" in Perfektion das Tanzbein schwung...schade, das ich Rudolf nie besser kennen lernen konnte. Auch zu Oma Anna, eine stille und verschlosse Frau, welche mir sehr fremd war, fand ich als Kind nie richtig Zugang, im Gegensatz zu den sehr volkstümlichen Großeltern mütterlicherseits. Rudolfs Frau Elisabeth war mir noch fremder als er, sie wirkte auf mich äußerst streng und zugeknöpft. Da ich von einem meiner Bruder hörte, wie nett die Beiden doch eigentlich wären, der sie auch schon vor dem Familienzwist kennen lernen durfte, glaube ich, das ihre Kühle und Reserviertheit vielleicht nur eine Folge des schwelenden Streits war. Allerdings habe ich auch eine völlig andere Wahrnehmung als einer meiner Brüder, der mir im Prinzip bis heute fremd ist...so schätze ich Verwandte und Anverwandte, die er mehr oder minder ablehnt und umgekehrt. Ich denke er hat ein defuses Problem mit Lockerheit, Volkstümlichkeit...
Rudolf ereilte 5 Jahre nach dem Tod meines Vaters dasselbe Schicksal, verstarb wie Franz an seinem 2. Infarkt, mit 61 Jahren. Auf der Trauerfeier meines Onkels begrüßte mich seine Frau Elisabeth nach meiner Beileidsbekundung am Grab sehr herzlich. ich war 20 Jahre alt - ich sah sie nie wieder. Nur wenige Jahre später verstarb auch sie viel zu früh.
Ich widme diese Gedenkerze Franz wie Rudolf und Elisabeth, auch wenn ich sie nie richtig kennen lernen konnte.
Zur "Aufheiterung" noch ein schönes Gedicht von Cäsar Fleischlen.
Februarschnee
Februarschnee
tut nicht mehr weh,
denn der März ist in der Näh!
aber im März
hüte das Herz,
dass es zu früh nicht knospen will!
warte, warte und sei still!
Und wär der sonnigste Sonnenschein,
und wär es noch so grün auf Erden,
warte, warte und sei still:
es muss erst April gewesen sein,
bevor es Mai kann werden!
Cäsar Fleischlen, *12.05.1864 in Stuttgart, +16.10.1920 in Gundelsheim bei Heilbronn.





