Von Andreas Steinhardt 19.06.2023 um 16:02 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Detlev von Liliencron. Finden Sie diese sehr warmen und trockenen Junitage wirklich schön?.Viele denken gar nicht an die Natur, die endlich Regen braucht, stecken ihr Haupt in die Sonne und sagen "bloß keinen Regen" - aber begeben wir uns heute dchterisch doch noch einmal auf das Terrain des "schönen Junis"
Franz mied die wame Sonne, versteckte sich gerne unter den Schatten seines alten Kirschbaums. Mein Vater murrte aber grundsätzlich nie über das Wetter. Bei Wind und wildem Wolkenspiel beobachtete er, durch den Garten spazierend, lange und ausführlich das Treiben am Himmel. Ein Regenspaziergang mit Schirm oder stapfen durch den hohen Schnee machte ihm gar nichts aus. Dies alles habe ich "geerbt" - lieber ein aufregendes Wetterspiel als heiße Junitage...
Für Franz. Für Axel.
Schöne Junitage
Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Detlev von Liliencron, *1844 in Kiel, +1909 in Alt-Rahlstedt (ab1937
zu Hamburg, Stadtbezirk Wandsbek)
Liliencron war dt. Lyriker, Prosa- und Bühnenautor.





