Von Andreas Steinhardt 08.07.2023 um 22:31 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein Gedicht passend zum Urlaub, zu Reisen von Joseph von Scheffel.
Ich erinnere mich gerne zurück an die Urlaube meiner Kindheit mit meinem Vater, meinen Eltern. Meistens ging es zum Chiemsee, auch nach Berchtesgaden und einmal zur Nordsee. Franz liebte den Urlaub in Gstadt am Chiemsee, für mich als Kind auch ein Paradies. Schwimmen im See, Schifffahrten und mit dem Motorboot den See erkunden, die liebliche Fraueninsel mit dem uralten Kloster besichtigen, mit der Pferdekutsche vom Hafen der Insel Herrenchiemsee zum Schloß fahren. Auch Berchtesgaden war wunderschön, später, als mein Vater bereits krank war, fuhr ich noch mehrfach mit meiner Mutter dorthin, der Königsee, der bekannte Malerwinkel und kleinere Bergtouren faszninierten mich. Besonders in Erinnerung bleibt der kalte Sommer 1978, wir fuhren hoch zum Roßfeld, es lag Schnee dort - mit meinem Bruder im Hochsommer Schneebälle werfen und einen Schneemann bauen - ein unvergessliches, surreales Erlebnis!
Ja, ich liebe auch das Bayernland bis heute wie mein Vater - aber ein Urlaub hat mich besonders geprägt: Ausnahmsweise fuhren wir 1977 zur Nordsee, nach Bensersiel und zur Insel Langeoog. Mein ältester Bruder Axel+ und meine spätere Schwägerin Christa überredeten meine Eltern, doch in ihren Semesterferien mit uns gemeinsam zur See zu fahren. Gesagt, getan. Eine andere Welt - DER Kontrast zu Bayern.
Seitdem ist meine Liebe zur Nord- wie Ostsee entstanden. Franz kam zwar soweit mit diesem so ganz anderem Urlaub im Gegensatz zum lieblichen Bayernland ganz gut zurecht - aber ihn zog es dann doch zurück zum Chiemsee. Mich prägte dieser eine Urlaub an der Küste so sehr, das damit eine echte Faszination für die rauhe See mit ihrer Inselwelt in mir erwachte.
Bis heute zieht es mich mehr zur Nord- und Ostseeküste als ins schöne Bayern. Norderney, Langeoog und Amrum, Sylt und Fehmarn, Rügen und Usedom sind meine große Liebe geworden.
Franz blieb dann doch Bayern treu - sicherlich auch nicht verkehrt.
Für Franz. Für Axel.
Ausfahrt
Berggipfel erglühen,
Waldwipfel erblühen
Vom Lenzhauch geschwellt;
Zugvogel mit Singen
Erhebt seine Schwingen,
Ich fahr’ in die Welt.
Mir ist zum Geleite
In lichtgold’nem Kleide
Frau Sonne bestellt;
Sie wirft meinen Schatten
Auf blumige Matten,
Ich fahr’ in die Welt.
Mein Hutschmuck die Rose,
Mein Lager im Moose,
Der Himmel mein Zelt:
Mag lauern und trauern
Wer will, hinter Mauern,
Ich fahr’ in die Welt.
Joseph Viktor von Scheffel, * 16. Feb. 1826 in Karlsruhe,
+09. April 1886 ebenda





