Von Andreas Steinhardt 22.08.2023 um 19:20 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein schönes, heiteres Sommergedicht von Joachim Ringelnatz.
Mein Vater war schon humorvoll, ich erinnere mich gerne daran zurück, das er mir öfter das kleine Gedicht "Die Ameisen" von Ringelnatz vortrug.
Einige Verse von ihm sind schon von sehr deftigem Humor, welche man nur schwer für die Gedenkseiten verwenden kann.
Ich glaube dieses, auch passend zum August, läd zumindest zum Schmunzeln ein...
Für meiner Vater. Für Axel.
Schwebende Zukunft
Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt an,
Was wir als Kinder übersahn.
Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.
Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.
Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehnen dort,
die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.
Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.
Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.
Joachim Ringelnatz (eigentl. Hans-Gustav Bötticher),
*06. August 1883 in Wurzen, heute Große Kreisstadt im
Landkreis Leipzig), +17. Nov. 1934 in Berlin.
Ringelnatz war dt. Dichter und Lyriker, Schriftsteller, Erzähler, Kabarettist und auch Maler.





