Von Andreas Steinhardt 02.10.2023 um 22:23 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Georg Heym.
Der 2. Oktober - in unseren Breitengraden heute Sonne, 25° - konnten Sie diesen heutigen Tag genießen? Ein letztes? Aufbäumen des Sommers, vor einem stürmischen, dunklen Herbst? Nun, am morgigen Feiertag soll es etwas durchwachsener sein, zumindest hier an der Grenze Westfalen/Rheinland. Die Wetterprognose für die darauf- folgenden Tage sieht wiederum sonnig, mild und trocken aus.
Franz würde heute, bei so strahlendem Wetter, langsam damit beginnen, seinen Garten "winterfest" zu machen, die Hecken zu
kürzen, die Sträucher zu beschneiden - das größte Hobby, die
liebste Freizeitbeschäftigung meines Vaters war sein, unserer
großer Garten. Ganzjährig konnte er sich mit ihm beschäftigen.
Ich vollziehe dies durchaus nach, ich bin auch eine Art akorater
Garten-Schnibbelkönig...
Der Herbst
Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig und mit Stirnen bleich.
In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut;
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.
Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.
Georg Friedrich Franz Artur Heym, *30. Oktober 1887 in
Hirschberg, Schlesien (heute Jelenia Góra, poln. Niederschlesien)
+16. Januar 1912 in Gatow, Osthavelland, seit 1920 eingemeindet
zum Berliner Stadtbezirk Spandau.
Heym gilt als einer der wichtigsten Lyriker des früheren literarischen
Expressionismus.





