Von Andreas Steinhardt 15.11.2022 um 12:56 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Rilke*, die meisten alten Gedichte stellen den Herbst, insbesondere den November meist als tosend und brausend dar. Da wir immer noch wundervolles, sonniges November-Wetter - zumindest in meiner Region - haben, fällt es schwer, solch ein Novembergedicht zur Kerze einzufügen. Nun, vielleicht passt derzeit dieses Gedicht schon eher, es hat natürlich auch eine gewisse Schwermut, aber nimmt nicht direkt Bezug zum Wetterverhältniss.
Für Gerda und Axel
Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
*Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, + 29.12.1926 in Valmont/Waadt, CH





