Gedenkkerzen
Kerze anzündenHier sehen Sie alle 396 Gedenkkerzen, welche für Gerda Sophia Steinhardt angezündet wurden. Entzünden auch Sie eine Gedenkkerze.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Clara Müller-Jahnke.
Die Sommersonnenwende ist vollzogen - der "Mittsommer" ist da -
nun werden die Tage wieder kürzer...wollen Sie das wirklich hören?
Gerdas geliebter Sommer - ewige Wärme, lange Tage, das wäre
meiner Mutter nur recht gewesen. Falsche Region...an der Costa del Sol überwintern - bestenfalls in der Karibik - das wäre Gerdas Traum gewesen, welchen sie sich nie erfüllte.
Es herrscht eine Hitzewelle vor, meine Mutter käme damit gut zurecht - kam ich als Kind auch noch...
Für Gerda. Für Axel. Für Gaby.
Sonnenwende
Es fiel ein Blütenregen
herab auf Wald und Feld,
ein Netz von Sonnenstrahlen
umspinnt die grüne Welt;
das flammt und blüht und duftet
und höhnt den Glockenschlag,
als ging er nie zu Ende,
der süße, goldene Tag ...
O Tag der Sonnenwende,
vollblühende Rosenzeit,
du hast mir ins Herz geduftet
berauschende Seligkeit!
Das pocht und glüht und zittert
und bebt im Vollgenuss,
als ging er nie zu Ende,
der süße, erste Kuss -
O Tag der Sonnenwende!
Clara Müller-Jahnke, dt. Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin, *1860 in Lenzen, damaliges Hinterpommern, heute zur polnischen
Woiwodschaft Westpommern gehörend - +1905 in Wilhelmshagen,
seit 1920 zu Berlin gehörend, Bezirk Treptow-Köpenick.
Heute vor 119 Jahren wurde Gerdas Mutter, meine Oma Theresia als dreizehntes (!) und letztes Kind ihrer Eltern im ostpreußischen Neu-Wuttrienen (heutiges Chaberkowo, Kreis Allenstein) geboren, dem letzten Zipfel des Ermlands, heutige polnische Woiwodschaft Ermland-Masuren. Als dreizehntes Kind? Man kann dies eigentlich kaum glauben...
Was hatte Gerda mit ihrer Mutter gemein? Bei erster Betrachtung sicherlich nicht so viel - beide waren aber sehr herzlich, lebhaft, direkt und lachten gerne und laut - Gerda war schillernd, Theresia eher unauffällig.
Meine Mutter ging mit der Zeit - ihre Mutter konnte sich im Prinzip nie an eine modernere Zeit gewöhnen.
Man musste Oma Theresia tatsächlich eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und ein Telefon aufzwingen - sie lehnte dies immer strikt ab, bis teilweise weit in die 80er Jahre. Sie kühlte Lebensmittel im Keller, wusch mit einem Waschbrett im Stall, rief uns immer von einer Telefonzelle an. Ein Fernsehgerät hatte Theresia aber schon in den 70er Jahren - immerhin!
Wie gerne schaue ich zurück auf die Geburtstage meiner Oma Theresia, das Haus und/oder der Garten war gefüllt mit der großen Schar an Verwandtschaft. Theresia buk die besten Kuchen und kreierte die tollsten Torten, ihr schmackhafter Kartoffelsalat mit dicken
Knackern waren ebenfalls ein Schmaus.
Wir konnten bis zur Wende auch immer in Omas Geburtstag hinein feiern, da ja zu der Zeit der 17. Juni der Tag der Deutschen Einheit war.
Ich werde heute viel an Theresias Geburtstage zurückdenken - und uns heute den leckeren Kartoffelsalat nach Theresias Rezept zubereiten, welchen Gerda auch in gleicher Perfektion adaptierte...
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich Rückert über das Lachen.
Gerda hatte ein sehr ansteckendes Lachen. Es konnte ihr einfach so herausplatzen, gleich in welcher Gesellschaft oder Situation - und damit steckte sie andere an, brachte selbst den hölzernsten Menschen zum Schmunzeln, selbst den Herrn Pfarrer, der aus beruflichen Gründen (mein Vater war kirchlicher Rendant) fast täglich bei uns war und offenbar sonst nur zum Lachen in den Keller ging...
...das Lachen meiner Mutter glich dem lauten, schallenden Lachen von Montserrat Caballé, vielleicht erinnern Sie sich an einige ihrer früheren Auftritte in großen Shows im deutschen Fernsehen.
Auch konnte Gerda über sich selbst lachen (eine Gabe, die viele nicht besitzen) wenn ihr beispielshalber ein Missgeschick unterlief oder ihr klar wurde, was ihr da in Gesellschaft "rausgerutscht" ist..
Das Lachen meiner Mutter werde ich nie vergessen - ich höre es noch oft...
Das Lachen
von Friedrich Rückert
O nehmt es mir nicht übel,
Wenn über euch ich lache,
Weil ich einmal muß lachen!
Selbst über mich nicht minder
Als über euch ich lache;
Und nehm’ es euch nicht übel,
Daß über mich ihr lachet,
Wenn ihr nicht seid im Stande
Selbst über euch zu lachen
Friedrich Rückert, *16. Mai 1788 in Schweinfurt, +31.01.1866 in Neuses, heute zu Coburg, BY - Rückert war dt. Dichter, Lyriker, Übersetzer und Orientalist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Junigedicht von Thassilo von Scheffer.
Der Juni zeigte sich in den letzten Tagen von einer sehr wechselhaften Seite, heute herrschten Höchsttemperaturen von 17° C vor, ab und an schien die Sonne, zwischenzeitlich gab es auch einen sehr kräftigen, langen Regenguss.
Gerda liebte sehr warme Tage, die große Hitze gar, manchmal meine ich, es konnte ihr nicht heiß genug sein...so bin ich aber recht froh, dass das zuletzt schon sehr sommerliche Wetter eine Atempause einlegt...
Juninacht
von Thassilo von Scheffer
Still wie der Mond, der dort entsteigt,
Und mir die dunklen Wege zeigt,
So geh ich, von Gedanken trunken,
Die ganze Welt liegt schlafversunken.
In stillen Adern fließt das Leben,
Das spürsam alles rings erfüllt:
In tiefe Ruhe eingehüllt,
Wird jedem neuen Kraft gegeben.
Nur wen’ge, die der stillen Nacht
Die tiefsten Quellen aufgemacht:
Sie fühlen der Gestirne Bahnen,
Die warme Seele jeden Baums.
Zum Wissen wird ihr dunkles Ahnen,
Zum Leben der Gesang des Traums.
Ich greife in die grünen Ranken,
Ich geh, weiß kaum wohin, woher:
So schwer voll Liebe und Gedanken,
Und ringsumher ein blühend Meer.
Dr. phil. Thassilo von Scheffer, * 01.07.1873 in Preußisch Stargard, Pommern, heutiges Starogard Gdański, + 27.11.1951 in Berlin.
Scheffer war ein deutscher Philosoph, der durch Übersetzungen antiker griechischer Dichtung (z. B. Homers) große Bekanntheit erlangte.
Zur Gedenkkerze am ersten Junitag ein Gedicht von Detlev von Liliencron.
Lieben Sie den Juni? Denken Sie "endlich der erste Sommermonat?" Gerda konnte es fast nicht warm genug sein, sie zelebrierte den Sonnenschein und die Wärme förmlich.
Meine Mutter ist im Juli geboren - und sah grundsätzlich einen Zusammenhang des Geburtsmonats mit der Vorliebe für eine Jahreszeit. Nun, ich bin im Januar geboren und ein Winterkind...
...ich kenne nicht wenige, auf die jene Neigung zum Geburtsmonat
als Vorliebe für die Jahreszeit zutrifft - und für immer bestehen
bleibt...
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Juni.
Schöne Junitage
von Detlev von Liliencron
Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Detlev von Liliencron, *1844 in Kiel, +1909 in Alt-Rahlstedt (ab1937
zu Hamburg, Stadtbezirk Wandsbek)
Liliencron war dt. Lyriker, Prosa- und Bühnenautor.
Heute vor 122 Jahren wurde Gerdas Vater, mein Großvater Wilhelm geboren.
Siehe auch heute bei Interesse seine eigene Gedenkseite "Wilhelm Remiorz" mit Tageskerze zum Geburtstag.
Gerda verstand sich mit ihrem Vater sehr gut, hatte auch nur Lobeshymnen für ihn übrig, was für ein lieber, verständnisvoller
Vater er doch war.
Absolut - Wilhelm war eine Frohnatur vom Schlage eines "Heinz Erhardt", an dem ich auch als Enkel große Freude hatte!
Es jährt sich der 122 . Geburtstag Wilhelms -
ich denke heute zurück an die vielen schönen Geburtstagsfeiern mit meinem Großvater, meiner Großmutter, an Gerda, an meinen Vater, meinem ältesten Bruder, an alle die, die uns bereits verlassen haben, welche ich jetzt präsent vor Augen habe, am Kaffeetisch sitzend...an einem 27. Mai...
Vertraut
von Wilhelm Busch
Wie liegt die Welt so frisch und tauig
Vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
Ins frühlingsgrüne Tal hinein.
Mit allen Kreaturen bin ich
In schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
Und eben darum lieb ich sie.
Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
Den freut es, wenn ein Regenschauer
Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.
Heinrich Christian Wilhelm Busch, *14. April 1832 in Wiedensahl, Schaumburger Land, Niedersachsen, +9. Januar 1908 in Mechtshausen, seit 1974 zur Stadt Seesen, Niedersachsen.
Busch war einer der einflussreichsten, humoristischen Dichter und auch Zeichner Deutschlands.
Zur heutigen Gedenkkerze am hochsommerlichen Pfingstsonntag ein Gedicht von Gustav Falke.
Das letzte Pfingstfest war hierzulande verregnet, in diesem Jahr herrschen hochsommerliche Temperaturen vor.
Ich erinnere mich an viele Pfingstfeste meiner Kindheit und frühen Jugend, zunächst ging es zum Festgottesdienst in die hiesige Kirche, noch nicht einmal 200 m von meinem Elternhaus entfernt - auch musste ich schon mal an einem Pfingstsonntag Messe dienen, was mir immer sehr viel Freude bereitete.
Einen Feiertagsausflug gab es meiner Erinnerung nach nicht, Mittags kamen allermeist Gerdas Eltern zum Festessen und zum Kaffeetrinken zu uns. Spielte das Pfingstwetter mit, verbrachten wir noch schöne Stunden im Garten, bis zum Abendessen.
Pfingstlied
von Gustav Falke
Pfingsten ist heut, und die Sonne scheint,
Und die Kirschen blühn, und die Seele meint,
Sie könne durch allen Rausch und Duft
Aufsteigen in die goldene Luft.
Jedes Herz in Freude steht,
Von neuem Geist frisch angeweht,
Und hoffnungsvoll aus Thür und Thor
Steckt´s einen grünen Zweig hervor.
Es ist im Fernen und im Nah´n
So ein himmlisches Weltbejah´n
In all dem Lieder- und Glockenklang,
Und die Kinder singen den Weg entlang.
Wissen die Kindlein auch zumeist
Noch nicht viel vom heiligen Geist,
Die Hauptsach spüren sie fein und rein:
Heut müssen wir fröhlichen Herzens sein.
Gustav Falke, dt. Schriftsteller und Dichter, *11. Januar 1853 in Lübeck, +8. Februar 1916 in Hamburg-Groß Borstel (seit 1913 zu HH)
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Heinrich Leuthold.
Die Eisheiligen werden mit Macht vertrieben - die kommenden Pfingsttage werden hochsommerlich, das teilweise sehr warme
Wetter soll länger anhalten.
Was für Gerda ein große Freude wäre - der Sommer hält Einzug noch vor seinem Beginn - ist für andere vielleicht nicht so optimal. Meine Lichtdermatose, sprich Sonnenallergie lässt grüßen - einige, die mit
mir bereits über das angekündigte Wetter teils über 30°C sprachen, äußerten: "...das ist ein bisschen zu viel. 25° Maximum würde für Mai wirklich reichen."
Diese Kerze ist für Gerda und für Maria Johanna, gen. "Mariehanne", die Mutter meiner Partnerin, die heute vor vier Jahren in Bonn verstarb.
"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind.“
Victor Hugo
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In der Maienfrühe
von Heinrich Leuthold
Lang seufzt ich vergebens,
es war mir im Drang
und Unmut des Lebens
verstummt der Gesang.
Nun bauen die Sänger
des Waldes ihr Nest,
nun halten mich länger
die Sorgen nicht fest.
Die Sorge, die eisig,
das Herz mir umschnürt,
hat alle der Zeisig
und Buchfink entführt.
Welch üppiges Blühen
in Wald und Geheg!
Die Qualen und Mühen,
nun jauchz ich sie weg.
Früh auf aus dem Bette,
durch Wald und Gesträuch…
Ich pfeif um die Wette,
ihr Vögel, mit eich!
Ich singe und pfeife,
so wie mirs gefällt,
durchschwärme, durchstreife
die lachende Welt.
Und sättige wieder
des Herzens Begier…
Auch hab ich ja Lieder
und Flügel wie ihr!
Heinrich Leuthold, * 09. August 1827 in Wetzikon, Kanton Zürich,
+ 01. Juli 1879 in Zürich.
Leuthold war ein Schweizer Dichter, Epiker und Journalist, Mitglied
des Münchner Dichterkreises und Übersetzer französischer Lyrik.
Zur heutigen Gedenkkerze am letzten Tag der Eisheiligen - an Sophia, der "kalten Sophie", einige Bauernregeln zu ihrem Gedenktag.
Die hl. Sophia von Rom wird gegen späte Maifröste und für das gute Gedeihen der Feldfrüchte angerufen. Sophia ist die letzte in der Reihe der Eisheiligen, laut Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der „kalten Sophie“ stabil...
Meine Mutter, mit zweitem Vornamen Sophia, liebte ihren Namen und verehrte somit ihre Namenspatronin, feierte ihren Namenstag auch immer heute am 15. Mai.
Ein paar dieser Bauernregeln gab sie auch immer - besonders am heutigen Tag - sehr gerne Preis: Und die kalte Sophie schlug in diesem Jahr, am heutigen Tag, so richtig zu...
"Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt` Wetter bringt."
"Vor Nachtfrost du nicht sicher bist – bis Sophie vorrüber ist"
"Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt"
"Pflanze nie vor der Kalten Sophie"
"Kalte Sophie sät Lein, zu gutem Gedeihn"
"Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht"
"Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluß, ganz gern noch einen Regenguß"
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht über "die Eisheiligen" von Max Hermann Neiße wie einige Bauernregeln für diese Tage.
Die Reihe der Gedenktage der fünf Eisheiligen hat heute mit dem Festtag des hl. Mamertus begonnen.
In Norddeutschland gelten traditionell nur die ersten drei Heiligen (Mamertus, Pankratius, Servatius) als Eisheilige, während etwa ab der Südhälfte Deutschlands auch Bonifatius und Sophia, auch genannt
"die kalte Sophie" mitgezählt werden.
Im letzten Jahr waren "die Eisheiligen“ sehr gnädig, es herrschte sommerliches Wetter bei Temperaturen bis zu 24° C in unserer Region.
Ausgerechnet zu Mamertus schlug das milde und trockene Wetter heute Nacht um - es regnete stark, gerade ist es trocken bei 8°! C.
Die nächsten Tage soll es auch ähnlich kühl und durchwachsen weitergehen.
Gerda fürchtete sich förmlich vor diesen Tagen: „Warten wir erst einmal die Eisheiligen ab‘‘, sagte meine Mutter gerne, wenn jemand aufgrund des beispielshalber milden Aprils schon den kommenden
Mai mit Vorschusslorbeeren bedachte...
Hier noch ein paar alte Bauernregeln:
Mamertus und Pankratius und hinterher Servatius sind gar gestrenge Herrn.
Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.
Pankratius und Servatius bringen Kält oft und auch Verdruß.
Pankraz und Urbanus (25.Mai) ohne Regen, bringen großen Erntesegen.
Servaz muss vorüber sein, willst vor Nachtfrost sicher sein.
Servatius Mund der Ostwind ist, hat manch Blümlein totgeküßt.
Servaz und Sophie muß vorüber sein, will der Bauer vor Nachtfrost sicher sein.
War vor Servatius kein warmes Wetter, wird es nun von Tag zu Tag netter.
Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt` Wetter bringt.
Vor Nachtfrost du nicht sicher bist – bis Sophie vorrüber ist.
Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt.
Pflanze nie vor der Kalten Sophie!
Die Eisheiligen
von Max Hermann Neiße
Die Eisheiligen stehen mit steif gefrorenen Bärten,
aus denen der kalte Wind Schneekörner kämmt,
früh plötzlich in den blühenden Frühlingsgärten,
Nachzügler, Troß vom Winter, einsam, fremd.
Eine kurze Weile nur sind sie hilflos, betroffen,
dann stürzt die Meute auf den Blumenpfad.
Sie können nicht, sich lang zu halten, hoffen;
so wüsten sie in sinnlos böser Tat.
Von den Kastanien reißen sie die Kerzen
und trampeln tot der Beete bunten Kranz,
dem zarten, unschuldsvollen Knospenglück
bereiten sie hohnlachend Schmerzen,
zerstampfen junges Grün
in geisterhaft verbissenem Kriegestanz.
Plötzlich mitten in all dem Toben und Rasen
ist ihre Kraft vertan,
und die ersten warmen Winde blasen
aus der Welt den kurzen Wahn.
Max Herrmann-Neiße, eigentlich Max Herman, *23. Mai 1886 in
Neiße, Schlesien, 08.April 1941 in London. Neiße war ein deutscher Schriftsteller.
Wie viele Schriftsteller der Zeit geriet Max Herrmann-Neiße schnell in Vergessenheit. Seine Werke wurden erst ab den späten 1970er Jahren allmählich wiederentdeckt.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Max Dauthendey.
"Maimond" - was würde besser zu Gerda passen? Sie liebte den
Mai über alles - und unseren Mond. Eine liebevoll-romantische Verschmelzung des Wundervollen einer sehr gefühlvollen Frau -
unseren wundervollen Erdtrabanten liebe ich ebenfalls, weniger
den Mai - so zerstöre ich jetzt beinahe diese glückselige, kosmische Verbindung des Schönen - ein überzeugtes Sommerkind wie meine Mutter würde man nur schwerlich ändern können, genauso wenig
mich als passioniertes Winterkind...heute regnete es sehr viel und anhaltend, bei Temperaturen bis zu 10° C - ein schöner Maitag!
Die Natur freut sich ebenfalls - war es doch im bisherigen Jahr (wieder) viel zu trocken. Die meisten Menschen, denen ich begegnete äußerten in der letzten Zeit: "Bloß keinen Regen! Das wunderbare Wetter soll so bleiben! Gerne das ganze Jahr" - ??? - ich lasse dies einfach einmal so stehen...
Maimond
von Max Dauthendey
Maimond schwebt über dem Fluß
Und liegt mir glatt vor dem Fuß.
Das Wasser rückt nicht von der Stelle
Und lugt nur hinauf in die Helle.
Ich schau übers Flußbett hinüber -
Ein Lied schlägt die Brücke herüber,
Es lacht eine Nachtigall
Eine Brücke aus Freude und Schall.
Es regt sich der Nachtwind im Laub -
Es fiel ein Gedanke zum Staub -
Maimond aus vergangen Jahren
Liegt streichelnd auf alternden Haaren.
Maimond zog mich hin mit Verzücken
Sacht über die singende Brücken,
Und jünger wurde mein Gang
Solange die Nachtigall sang.
Max Dauthendey, dt. Dichter und Maler, * 25. Juli 1867 in Würzburg, +20. August 1918 in Malang auf Java, Niederländisch-Indien, seit 1949 Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Mai ein Gedicht von Julius Rodenberg.
Hierzulande ist es aktuell 24° C, bei strahlend blauem Himmel.
Gerda hätte sich unglaublich über diesen warmen Maifeiertag
gefreut - war er in meiner Kindheit auch so schön, blieben wir
meist im heimischen Garten - am Nachmittag kamen meine
Großeltern zu Besuch und es gab leckere Buttercreme- oder Mokkatorte...
Im wunderschönen Monat Maien
von Julius Rodenberg
Dieses Gedicht wurde von Beethoven vertont.
Nun bricht aus allen Zweigen
das maienfrische Grün,
die ersten Lerchen steigen
die ersten Veilchen blüh´n.
und golden liegen Tal und Höh´n:
O Welt, du bist so wunderschön
im Maien!
Und wie die Knospen springen
da regt sich’s allzumal;
die muntern Vögel singen
die Quelle rauscht ins Tal;
und freudig hallt das Lustgetön:
O Welt, du bist so wunderschön
im Maien!
Wie sich die Bäume wiegen
im lieben Sonnenschein!
Wie hoch die Vögel fliegen
ich möchte hinterdrein;
möcht‘ jubeln über Tal und Höh’n:
O Welt, du bist so wunderschön
im Maien!
Julius Rodenberg, eigentlich Julius Levy, *26. Juni 1831 in Rodenberg, heute Landkreis Schaumburg, Niedersachsen, +11. Juli 1914 in Berlin. Rodenberg war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Rainer Maria Rilke.
Der April macht was er will - es traf auch dieses Jahr manchmal zu -
es gab einige kühle und windige Tage, aber viele sehr sonnige wie die letzten Tage - davon ein paar knapp über 20° C - allerdings wenig Regen in unseren Breitengraden, was wiederum nicht so gut für die Natur ist.
Gerda wäre sicherlich mit diesem (bisherigen) April durchweg zufrieden gewesen - haben wir doch schon ganz andere erlebt - und würde dem Mai entgegen fiebern - für meine Mutter der Auftakt "ihrer Jahreszeit" - aber: Gerda wurde auch so manches Mal enttäuscht, wenn der Mai doch noch wider Erwarten kühl und nass daher kam... wartet wir es ab...
Aus einem April
von Rainer Maria Rilke
Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Joseph von Eichendorff über die Nachtigall.
Wie komme ich auf diese Verse?
Am sehr späten Abend hörte ich wieder mit meiner Partnerin den Gesang der Nachtigall, welche sich im Frühjahr durch ihre "Melodien" auf nächtlicher Partnersuche befindet.
Schauen Sie einmal bei "Wikipedia - Nachtigall" hinein, dort bekommen Sie unter dem Unterpunkt "Gesang" eine Audio-Auswahl der offensichtlich 120-260 unterschiedlichen Strophentypen, die der Vogel beherrscht, geboten.
Die Überleitung zu Gerda ist diese, dass meine Mutter mich früher an späten Abenden auf den Gesang der Nachtigall aufmerksam machte - sie beschrieb mir diesen als ihren Lieblingsvogel - wie kläglich, wie hoffnungsvoll er (nur die männliche Nachtigall singt) seine sehnsüchtigen Melodien - teilweise die ganze Nacht - anstimmt ...
Nachtigall
von Joseph von Eichendorff
Nach den schönen Frühlingstagen,
Wenn die blauen Lüfte wehen,
Wünsche mit dem Flügel schlagen
Und im Grünen Amor zielt,
Bleibt ein Jauchzen auf den Höhen;
Und ein Wetterleuchten spielt
Aus der Ferne durch die Bäume
Wunderbar die ganze Nacht,
Daß die Nachtigall erwacht
Von den irren Widerscheinen,
Und durch alle sel’ge Gründe
In der Einsamkeit verkünde,
Was sie alle, alle meinen;
Dieses Rauschen in den Bäumen
Und der Mensch in dunkeln Träumen.
Interpretation von planetlyrik.de:
"Wenn hier der Lieblingsvogel Eichendorffs, die Nachtigall, „erwacht“, dann schlägt er seine Augen auf in einer vexierhaft verspiegelten Welt, die nicht durchweg das Licht der Schöpfungsherrlichkeit offenbart. Es ist im Gegenteil die Nachtseite der Vernunft, „der Mensch in dunkeln Träumen“, die von der Nachtigall „verkündet“ werden. Schönheit und Schrecken liegen dicht beieinander."
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff, *10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, +26. November 1857
in Neisse, Oberschlesien, heutiges Nysa, poln. Woiwodschaft Oppeln, Opole.
Eichendorff war ein sehr bedeutender Lyriker und Schriftsteller
der deutschen Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern, und ist zudem auch als Prosadichter
("Aus dem Leben eines Taugenichts") bis heute gegenwärtig.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Johann Georg Jacobi.
Der April macht was er will - es trifft wieder einmal zu, nach einem sehr sonnigen Tag bei 22° C folgte gestern in hiesigen Breitengraden ein Gewitter und der Temperatursturz auf 11° C bei einem Sonne-Wolken-Mix. Heute soll es wieder bis zu 19° C warm werden - allerdings kann mit zeitweiligem Regen gerechnet werden.
Gerda, das Sommerkind, wäre zumindest froh, dass es wahrscheinlich nicht mehr zu Werten um den Gefrierpunkt kommen kann...oder doch? Sie mahnte immer "Die Eisheiligen kommen noch, es kann auch noch ziemlich ungemütlich werden im Mai..." Haben wir alles schon erlebt... warten wir es ab...
April
von Johann Georg Jacobi
Was kümmert’s dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr tut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gib uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bei Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirtschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.
Johann Georg Jacobi, * 02. September 1740 auf Gut Pempelfort (P. im 13. Jhd. einer der ersten Ortsteile von Düsseldorf), † 04. Januar 1814 in Freiburg/Breisgau.
Jacobi war zunächst Theologiestudent, dann absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft, war Dichter und Publizist. Er ist der jüngere Bruder des Philosophen und Schriftstellers Friedrich Heinrich Jacobi, Vater Johann Conrad war ein wohlhabendender Zuckerkaufmann.
Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden
Lk 24,5
Zur heutigen Gedenkkerze am Ostersonntag später noch ein Gedicht von Julius Sturm.
Ich erinnere mich besonders gerne an frühere Ostern, die Feste meiner Kindheit. Wie schön meine Mutter das Haus österlich geschmückt hatte! Blühende Zweige mit bunten Dekoreiern festlich verziert, kleine und große Porzellanhasen standen hier und dort, und...
...die Suche nach vielen bunten Ostereiern im Garten! Natürlich gab es auch ein paar schöne Geschenke, einen Stoffhasen, ein Spielzeugauto und viele, viele Leckereien auf dem Osterteller.
Am Nachmittag kamen dann die Großeltern zum großen Festessen. Und...das Kind freute sich wieder über einige Osterpräsente...
Den Besuchern von Gerdas Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!
Ostern
von Julius Sturm
O Herr, wie hast du wieder
Die Deinen reich bedacht!
Du schenkst uns frohe Lieder
Und duft’ge Blütenpracht.
Und unsern Schmerz zu mildern,
Wenn wir an Gräbern stehn,
Weissagst du uns in Bildern
Ein selig Auferstehn.
Horch! rings in allen Landen
Tönt Gruß und Felsgeläut:
Christ ist vom Tod erstanden
Und Ostern ist es heut.
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, *21. Juli 1816 in Köstritz, Thüringen, heutiges Bad Köstritz, Landkreis Greiz, Vogtland, +02. Mai 1896 in Leipzig.
Sturm war ein dt. Dichter der Spätromantik, zudem von 1856 bis 1885 Pfarrer von Köstritz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Julius Sturm.
Ich wünsche allen Lesern von Gerdas Gedenkseite einen besinnlichen Feiertag.
Karfreitag
von Julius Sturm
O Liebe ohnegleichen,
Die ohne Worte spricht
Aus diesem todesgleichen,
Hochheil’gen Angesicht!
Um mich hast du geworben
In heißer Leidensglut,
Für mich bist du gestorben
Und opfertest dein Blut.
Dein Bild ist mir gegeben
Zum Trost in banger Zeit,
Dein Tod verleiht mir Leben,
Dein Blut Gerechtigkeit.
O seliges Genügen
Erlöst von Schuld und Fluch,
Les‘ ich auf heil’gen Zügen
Der Gnade Segenspruch.
Julius Carl Reinhold Sturm, Pseudonym Julius Stern, *21. Juli 1816 in Köstritz, Thüringen, heutiges Bad Köstritz, Landkreis Greiz, Vogtland, +02. Mai 1896 in Leipzig.
Sturm war ein dt. Dichter der Spätromantik, zudem von 1856 bis 1885 Pfarrer von Köstritz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Palmsonntag ein Gedicht von Heinrich Seidel.
Die schon warmen Märztage bis zu 20° C sind nun endgültig vorbei, es ist sehr wechselhaft, gestern zogen Graupel- und Hagelschauer durch, heute ist es locker bewölkt bei einer Temperatur aktuell von 4° C.
Ich hatte mit meiner Mutter ja sehr viel gemein - aber an der Liebe zu einer bestimmten Jahreszeit schieden wir doch schon...so zelebriere ich zum Beispiel den ersten Oktobertag wie Gerda, wie wohl die Mehrheit, den ersten Maitag...aber ich kenne gar nicht so wenige, die ähnlich empfinden. Ich wecke häufig Heiterkeit wenn ich sage: "Nun...halt Sternzeichen Eisbär, Aszendent Pinguin..."
Die Amsel
von Heinrich Seidel
Wie tönt an Frühlingstagen
So schwermuthsreich und hold
Der Amsel lautes Schlagen
In’s stille Abendgold.
Es schimmert an den Zweigen
Ein zartverhülltes Grün,
Die jungen Säfte steigen,
Und es beginnt zu blühn.
Doch nicht mit Jubeltönen
Begrüsst die Amsel nun
Die Tage, jene schönen,
Die in der Zukunft ruhn.
Es klingt wie Leides Ahnung,
Sie singt im schwarzen Kleid
Schon jetzt die trübe Mahnung,
Wie kurz die schöne Zeit.
Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel,
*25. Juni 1842 in Perlin, Mecklenburg-Schwerin, heute Landkreis Nordwestmecklenburg, + 07. November 1906 in Groß-Lichterfelde, einst eigenständige Gemeinde im Regierungsbezirk Potsdam, seit 1912 Berlin-Lichterfelde.
Seidel war ein deutscher Dichter, Schriftsteller
und Ingenieur.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Julius Rodenberg.
Am gestrigen Freitag, dem Aequinoktium (Frühlingsbeginn am Vormittag), war es hierzulande mild und leicht bewölkt. Heute ist
es nahezu wolkenlos, vieles blüht, wir sind der Natur wie auch im letzten Jahr um mehrere Wochen voraus.
Gerda hätte an solch einem Märztag mit der Sonne um die Wette gestrahlt, das Gesicht gen Himmel gerichtet, mit einem Lächeln
und sicherlich einem Satz auf den Lippen wie...
"Ach wie wunderbar! Der Frühling ist da! Ich bin so froh und glücklich, dass die kalten, düsteren Tage vorüber sind!" - in 15 Tagen ist Ostersonntag, schauen wir erst einmal, wie sich das Wetter im
April entwickelt...
Frühlingssonne
von Julius Rodenberg
Frühlingssonne tritt mit Funkeln
Aus den Wolken; Merzluft weht,
Tief am Berg, im Wald, dem dunkeln
Und am Strom der Schnee zergeht.
Veilchendüfte, Lerchenschall,
Glanz und Jubel überall.
O wie wonnig,
O wie sonnig,
Wenn der Frühling aufersteht!
Möchte nun ein Vogel werden,
In den Himmel fliegen ein,
Und doch von dem Glanz der Erden
Kann ich gar nicht mich befrein.
O, mein Schatz, so anmuthreich,
Erd und Himmel mir zugleich,
Stern und Sonne,
Qual und Wonne,
Könnt ich nunmehr bei Dir sein!
Julius Rodenberg, eigentlich Julius Levy, *26. Juni 1831 in
Rodenberg, heute LK Schaumburg, Niedersachsen, +11. Juli
1914 in Berlin.
Rodenberg war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.
Die heutige Gedenkkerze widme ich nicht nur Gerda, sondern auch meinem Vater, der heute vor 40 Jahren im Alter von 59 Jahren plötzlich verstarb. (Gedenkseite Franz Steinhardt)
Gerda war zu diesem Zeitpunkt 55 Jahre alt - im Prinzip änderte sich alles nach dem Tod ihres Mannes.
Meine Mutter fing sich relativ schnell nach dem unerwarteten Tod meines Vaters und entwickelte große Kraft. Sie nahm ihr Leben, unser Leben (ich war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 16 Jahre alt und noch Schüler) in die Hand. Durch ihre Stärke und Souveränität konnten wir ein völlig neues Kapitel beginnen - und es gemeinsam meistern.
Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer
Aurelius Augustinus (Hl. Augustinus, Aug. von Hippo)
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Charlotte von Ahlefeld zum Thema "Geduld".
Gerda war die Geduld in Person - meine Mutter lies sich nie aus der Ruhe bringen. Sie konnte Dinge aussitzen, bis diese ihren (erwarteten) Lauf nahmen. Ich habe viele Eigenschaften von meiner Mutter geerbt, muss aber gestehen, dass ich die Geduld nicht gerade von ihr übernommen habe. Ich wirke zwar ruhig und geduldig, aber innerlich bin ich häufig rastlos...
...da gleiche ich völlig meiner Oma Theresia...Gerda konnte sich einfach "eine Stunde ausstellen", einfach nur den Moment genießen,
im Wohnzimmer, im Garten und den lieben Gott einen guten Mann
sein lassen. Ich hingegen muss "immer etwas machen", Pausen am helllichten Tage sind nicht mein Ding, in diesen kann man ja noch genug Sachen erledigen...
...ab 20/21 Uhr vielleicht "fahre ich so langsam herunter" - oder auch nicht...
...ich sollte mich diesbezüglich häufiger an meine Mutter zurück erinnern - und ihrem guten Beispiel folgen...
Geduld
von Charlotte von Ahlefeld
Umstarrt vom Eis des Norden
In trüber Einsamkeit,
Ist mir ein Blümchen worden
Das duftend mich erfreut.
Im Taue bittrer Tränen
Entfaltete es sich,
Und heilte von dem Sehnen
Nach bessrer Zukunft mich.
Tief trag ich es verborgen
In der verschwiegnen Brust.
Da wandelts meine Sorgen
In stiller Wehmuth Lust.
Um mein Geschick zu tragen
Gab mirs des Himmels Huld.
Wie heißt es? wirst Du fragen.
Das Blümchen heißt - Geduld.
Charlotte Elisabeth Sophie Louise Wilhelmine von Ahlefeld, geb. von Seebach, *6. Dezember 1777 in Stedten, heute Stedten am Ettersberg, Ortsteil der Landgemeinde Am Ettersberg im Landkreis Weimarer Land, Thüringen.
+ 27. Juli 1849 in Teplitz, Böhmen, heute Teplice-Šanov, Bezirksstadt in der nordböhmischen Region Usti in Tschechien.
Von Ahlefeld war eine deutsche Schriftstellerin. Ihre Pseudonyme waren: "Elisabeth Selbig", "C.", "Natalie", "Verfasserin der Marie Müller", "der Erna", "der Felicitas“ usw.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, passend zum derzeit warmen, schon sehr frühlingshaftem Wetter.
Der März, der Frühlingsanfang war für Gerda einer Wiedergeburt gleich, ihre so verschmähte, kalte Jahreszeit war "im Prinzip" vorbei. Warten wir es ab - auch in meiner Region gab es öfter schon "Osterschnee" ...
Frau Venus
von Joseph von Eichendorff
Was weckst du, Frühling, mich von neuem wieder?
Dass all die alten Wünsche auferstehen,
Geht übers Land ein wunderbares Wehen;
Dass schauert mir so lieblich durch die Glieder.
Die schöne Mutter grüßen tausend Lieder,
Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen.
Der Wald will sprechen, rauschend Ströme
gehen, Najaden tauchen singend auf und nieder.
Die Rose seh ich gehn aus grüner Klause
Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln,
Errötend in die laue Flut sich dehnen.
So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause -
Und schmerzlich nun muss ich im Frühling lächeln,
Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
*10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor,
damaliges Oberschlesien, +26. November 1857
in Neisse, Oberschlesien.
Von Eichendorff war ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller
der deutschen Romantik.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht, passend zum Märzanfang,
von Johann Wolfgang von Goethe.
Gerda zelebrierte den 1. März wie einen Geburtstag - wie die Geburtsstunde des Frühlings. Im April lebte meine Mutter, das Sommerkind, weiter auf. Der Maifeiertag war für sie "fast schon Sommer" - jetzt konnte nach ihrem Ermessen nicht mehr viel schiefgehen - der Sommer klopfte schon an...aber: es kam oft
wie es kommen musste: Märzschnee und ein kalter April - folgend
ein kühler, durchwachsener Mai...
Was mir ganz lieb ist, waren für Gerda nur üble Störfaktoren auf
dem Wege zu ihrem so geliebten Sommer...
März
von Johann Wolfgang von Goethe
Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.
Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.
Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe,
* 28. August 1749 in Frankfurt am Main,
+22. März 1832 in Weimar, Großherzogtum
Sachsen-Weimar-Eisenach.
Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher.
Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Stephan Milow, welches zum Ende prospektiv ein wenig Hoffnung auf das kommende Frühjahr gibt.
Die letzten Tage waren in unseren Breitengraden sehr wechselhaft, bei Temperaturen um die 8° C.
Nun deutet sich ein Wetterwechsel an - zumindest für ein paar Tage - bei Werten um die 16° C, und zunächst viel Sonnenschein.
Gerdas Hoffnung auf einen baldigen, "frühen Frühling" würde in diesen kommenden Tagen sicherlich steigen - der Winter war ihr ein unliebsames Zwischenspiel...
...ich habe viele Eigenschaften von meiner Mutter geerbt - aber ich liebe den Winter. Aus einem Sommerkind wie Gerda würde man nie einen Winterfan machen können - und aus einem Winterkind niemals einen Sommerjeck...
Dämmergrau die weite Runde...
von Stephan Milow
Dämmergrau die weite Runde,
Stille rings, kein Leben wach,
Nur im öden Waldesgrunde
Rieselt halb erstarrt ein Bach.
Zuckend liegt danieder alles,
Blattlos zittern Baum und Strauch,
Doch inmitten des Zerfalls
Welch ein wundersamer Hauch!
War es nicht dasselbe Schauern,
Als der Herbst umflort das Land?
War es nicht dasselbe Trauern,
Als ich damals brütend stand?
Was nur webt da, nicht zu sagen,
Über all dem Todesgraun,
Dass mein Herz aus seinen Klagen
Plötzlich aufpocht voll Vertrauen?
Ja, das ist in all dem Beben
Schon die Ahnung, die da spricht:
Diesen Schauern folgt das Leben,
Dieser Dämmerung das Licht.
Stephan Milow, eigentl. Stephan von Millenkovich, *09. März 1836 in Orsowa, damal. Kaisertum Österreich, heute zu Rumänien, +12. März 1915 in Mödling, Niederösterreich.
Milow war Lyriker, Erzähler, Kartograph sowie Vater von Max von Millenkovich, Musikschrift- steller (Pseud. Max Morold) und Benno von Millenkovich.
Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Die Masken sind gefallen, die Fastenzeit hat begonnen. Sind Sie
froh, das der ganze Spuk des Faschings nun ein Ende hat? Oder
trauern Sie der närrischen Zeit hinterher?
Gerda, die Frohnatur, mochte den Karneval sehr gern, wie auch ich.
Nun ist er da, der Aschermittwoch, da hilft kein Weh und kein Ach...
...eine kargere Zeit beginnt, je nach dem wie Sie diese Fastenzeit annehmen, mit christlichem Hintergrund oder purem Ignorieren...
...die gute Nachricht:
Am 05. April ist Ostersonntag. Ein überschaubarer Zeitraum, wie auch immer Sie diese kommenden Wochen gestalten, möge es Ihnen gut gelingen!
Aschermittwoch
von Hoffmann von Fallersleben
Wir feiern im Norden jetzt überall
Mit hoher Erlaubnis den Carneval.
Wir treiben Spott, wir treiben Scherz
Mit allerlei in unserm Land und allerwärts.
So kommt denn manche Wahrheit wohl an
den Tag,
Die man nicht offenbaren darf und mag.
Und mancher singt und mancher sagt,
Was er doch sonst wohl schwerlich hätte gewagt.
Das wäre nun Alles zu unserm Gedeihn,
Ja, müsst es bei uns ewig Fasching sein.
Wer kann Jahr aus, wer kann Jahr ein
Und immerfort und immerfort ein Narr doch sein.
Der Carneval vergehet ohne Spur,
Und immerfort behalten wir die Censur.
Gäbt ihr dafür die Presse frei,
Bei Gott, das wär die allerschönste Narretei!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war ein dt. Hochschullehrer, Dichter und Übersetzer wie Herausgeber
von alten Schriften.
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg., +19. Januar 1874 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, OWL.
Zur heutigen Gedenkkerze am Nelkensamstag ein paar Gedanken
zum Karneval, zum Fasching - und ein passendes Gedicht von
Wilhelm Busch.
Sind Sie (auch) jeck? Lieben Sie die "tollen Tage?" Oder ist es Ihnen zuwider? Darf man bei der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Situation überhaupt fröhlich sein? Feiern?
Lassen wir nun auch unsere Geburtstage, Weihnachten, Ostern ausfallen oder gönnen wir uns ein paar Tage, ein paar Stunden
Freude, Erholung vom trüben Alltag?
Meine Mutter sagte immer: "Viele sagen: Ach, Karneval! Dieses auf Kommando lustig sein! Das können ja nur Karnevalsmuffel sagen... aber es ist nicht so - wir freuen uns ja schon lange vorher auf die jecken Tage, und endlich sind sie dann da!"
Der Aschermittwoch kommt bald. Dann können wir früh genug das ganze Jahr Trübsal blasen und an allem, was da auf uns einströmen mag, verzweifeln...gönnen Sie den Menschen den Karneval, den Fasching...
Karneval
von Wilhelm Busch
Auch uns, in Ehren sei’s gesagt,
Hat einst der Karneval behagt,
Besonders und zu allermeist
In einer Stadt, die München heißt.
Wie reizend fand man dazumal
Ein menschenwarmes Festlokal,
Wie fleißig wurde über Nacht
Das Glas gefüllt und leergemacht,
Und gingen wir im Schnee nach Haus,
War grad die frühe Messe aus,
Dann konnten gleich die frömmsten Fraun
Sich negativ an uns erbaun.
Die Zeit verging, das Alter kam,
Wir wurden sittsam, wurden zahm.
Nun sehn wir zwar noch ziemlich gern
Die Sach’ uns an, doch nur von fern
Ein Auge zu, Mundwinkel schief
Durchs umgekehrte Perspektiv.
Wilhelm Busch, * 14.02.1832 in Wiedensahl, Schaumburger Land, Niedersachsen, +09.01.1908 Mechtshausen, heute Stadt Seesen, Niedersachsen.
Sind Sie in der Nähe, besuchen Sie doch einmal das alte Pfarrhaus
im Seesener Ortsteil Mechtshausen, dort wurde ihm zu Ehren ein Museum eingerichtet, in dem neben seinen Werken Buschs Wohn-
und Arbeitsräume zu besichtigen sind. Vor der Kirche steht eine Max-und-Moritz-Statue, sein Grabmal ist auf dem dortigen Friedhof zu finden.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Februargedicht von Erich Kästner.
Nun, es schneit heute nicht in hiesigen Breitengraden wie in den folgenden Versen der Februar mit seiner (besonders in diesem Jahr) Wechselhaftigkeit beschrieben wird, es herrschen Plusgrade vor, der Himmel ist etwas bedeckt.
Gerda, das Sommerkind und Sonnenanbeterin, würde den März herbeisehnen -.obwohl dieser auch in unserer Region in manchem
Jahr durchaus schon mit Schneetagen daher kam - mir wärs genehm.
Nun, gegen eine schöne Schneelandschaft bei Sonnenschein hatte meine Mutter durchaus nichts einzuwenden, konnte sich auch daran erfreuen...
Februar
von Erich Kästner
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor
und Kabarettdichter. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung
Zur Gedenkkerze am ersten Februartag ein Gedicht, welches die Hoffnung auf den baldigen Frühling ausdrückt.
Gerda konnte es - wie wohl die meisten von Ihnen - kaum erwarten, bis das Frühjahr, die Natur wieder neu erwacht - aber über solch einen durchweg sonnigen und nicht so kalten Februarsonntag wie heute hätte sich meine Mutter zumindest auch gefreut. In einigen Gebieten Deutschlands sieht das Wetter momentan ganz anders aus, Schneemassen und klirrende Kälte.
Februar
von Ernst Lissauer
O seliger Anfang Februar!
Es steigt das Jahr.
Die Sonne kehrt zurück, und länger bleibt das Licht.
Ich fühle mich von stiller Kraft durchfeuert,
Die rinnend weit mir das Geblüt durchflicht,
Ich treibe wachsend Ring und Schicht,
Ich werd’ erneuert.
Ernst Lissauer, *10. Dezember 1882 in Berlin, +ebenfalls (!) 10. Dezember 1937 in Wien. Lissauer war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Publizist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Kästner.
Gerda würde am Ende des Januars schon voller Hoffnung auf das Frühjahr blicken, war ihr doch die dunkle Jahreszeit sehr zuwider.
Wie säh ein 13. Monat aus, wenn er sich wünschen ließe, fragt Kästner im ersten Vers - das Beste aus allen Monaten vereint?
Meine Mutter hätte sich sicherlich einen Sommermonat gewünscht, zwischen Dezember und Januar - aber dann wieder zurückfallen in
die Februar-Winterstarre? Nein, es ist gut wie es ist...
Es gibt Berichte von Auswanderern, die nach einigen Jahren - zum Beispiel aus der Karibik - zurückkehrten, weil Ihnen auf Dauer die Jahreszeiten fehlten...
Der dreizehnte Monat
von Erich Kästner
aus der Sammlung "Die dreizehn Monate", gekürzt
Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?
Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden
im Herbstgeäst.
Das Korn wär gelb und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, lass uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum.
Verzeih, dass wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht, dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen’s, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.
Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen,
aus Farben, die kein Regenbogen zeigt.
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen.
Du schweigst? Er schweigt.
Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.
Interpretation aus dem Netz (mein-lernen.at):
Erich Kästners Gedicht "Der dreizehnte Monat" ist eine poetische Utopie jenseits der gewohnten Zeitordnung. In fantasievollen Bildern entwirft er einen idealen Monat, der das Beste aller Jahreszeiten in sich vereint. Dabei reflektiert das Gedicht zugleich die Begrenztheit menschlicher Sehnsucht und die Grenzen der Wirklichkeit.
Diese Gedenkkerze ist nicht nur für Gerda, sondern auch für meine verstorbene Cousine Gaby, Gerdas Nichte, welche wir vor einer Woche zu Grabe getragen haben.
"Quod sumus, hoc eritis. Fuimos quandoque, quod estis."
Kurzinterpretation des folgenden Gedichtes von Emil Besser (mein-lernen.at) - dort finden Sie auch eine längere Interpretation.
"Der Januar erscheint in der Lyrik häufig als Monat der Starre und des Schweigens, zugleich aber auch als Zeit verborgener Erwartung.
Emil Bessers Gedicht „Januar“ nutzt diese Spannung zwischen Kälte und Hoffnung. Es zeigt den Winter nicht als Ende, sondern als stillen Übergang."
Januar
von Emil Besser
Das weite todesmüde Schweigen;
Die kalte Klarheit in der Luft;
Die Bäume mit den kahlen Zweigen;
Auf frischem Schnee ein blauer Duft;
– Und drunter all das junge Leben,
Um dessen still verborgnes Sein
Schon ahnungsvolle Träume schweben
Von einer Welt im Sonnenschein.
Karl Rudolf Emil Besser, Pseudonyme Emil von der Höhenwarte und Karl Rudolph, *1863 in Trier, +1908? - Daten nicht komplett zu finden.
Besser war ein dt. Schriftsteller, Dichter, Beamter und Steuersekretär.
"Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne."
Aurelius Augustinus
Vor zwei Tagen trugen wir meine Cousine Gaby, Gerdas Nichte, zu Grabe - am heutigen 18. Januar vor 32 Jahren fand die Trauerfeier für Gerda statt, die mit 63 Jahren, nach schwerer Herzkrankheit, auch viel zu früh von uns ging.
Es war damals ein klarer, kalter Wintermorgen mit Rauhreif, und später während der Zeremonie am Grab schönstem Sonnenschein. Zunächst fand am noch dunklen Morgen, bereits um 8 Uhr in der Früh das Requiem im Rahmen einer Eucharistiefeier in der hiesigen Josefskirche statt.
Den Trauergottesdienst zelebrierte Pastor Norbert Hoffmann (+2018) - ein Original, ein Priester zum anfassen, ein Menschenfischer, mit schönem Humor. Einige seiner Predigten erweckten einst durchaus Heiterkeit.
Nach dem Trauergottesdienst, bei dem Pastor Hoffmann (auch Buchautor, meine Empfehlung, Wikipedia "Norbert Hoffmann, Geistlicher, 1942") wohltuende, tröstende Worte fand, ging die aufgrund Gerdas großen Bekanntheitsgrades immense Anzahl
von Trauergästen geschlossen zum fast neben der Kirche gelegenen Friedhof.
Mit meinem kleinen Neffen ging ich kurz hinter dem Pastor dem Trauerzug voran. Beim Tod seiner Oma Gerda war er gerade 8 Jahre alt. Der jüngste Enkel und ich als jüngster Sohn schritten Hand in Hand voran, die kalte, aber doch tröstende Wintersonne schaute zwischen den hohen Baumwipfeln noch etwas blass heraus. Einige Rabenkrähen begleiteten uns mit ihren klagenden Lauten. Ein surreales Bild.
Während der Zeremonie am Grab schaute ich grundsätzlich nur in Richtung Sonne, welche nun wolkenfrei am Himmel stand und stellte mir vor, dass Gerda uns jetzt vielleicht von oben zusieht...
Während des Trauerkaffees hatte ich Gelegenheit, mit lang nicht mehr gesehenen Verwandten wie WeggefährtInnen von Gerda zu sprechen. Wir sprachen über ihr Leben, was sie doch für ein besonderer Mensch war, wie sehr wir Gerda, ihr ansteckendes Lachen, vermissen werden.
Am sehr späten Nachmittag, die Sonne setzte sich gerade, ging ich noch einmal - alleine - zum Grab meiner Mutter. Zuvor, am frühen Nachmittag, war ich mit meinen Verwandten zum Friedhof gegangen, um die ersten Kerzen dort anzuzünden. Zur beginnenden Dämmerung, wollte ich zum ersten Mal allein am Grab meiner Mutter stehen. Die Sonne, die uns am Morgen so tröstend begleitete ging langsam unter, müde vom anstrengenden Tag, wie auch ich. Eine Weile schaute ich mir die sich setzende Sonne an, wie ich am Morgen auch aufschaute bei ihrer beginnenden Runde. Es war ein so lichterfüller Januartag - ganz, wie Gerda ihn sich bestimmt für ihre Trauerfeier auch so gewünscht hätte. Ich dachte so bei mir..."nun bist Du dort, Mutter, dort oben, da irgendwo, wo die Sonne auch ihre Bahnen zieht...deine geliebte Sonne geht für Dich niemals mehr unter..."
Die Trauerfeier für meine Cousine am 16. Januar wies einige Parallelen zur der meiner Mutter auf. Die Herzen flogen auch ihr nur so zu, das ehrenvolle Geleit durch eine Vielzahl Verwandter und noch mehr Weggefährten.
An beiden Trauerfeiern nahm noch die eigene Mutter teil, am Begräbnis von Gerda meine Oma Theresia und an dem meiner Cousine ihre Mutter, meine Tante Thea (94). Sehr traurig, den Tod der eigenen Töchter miterleben zu müssen.
Und auch das Wetter glich dem vor 32 Jahren:
Die zunächst milchig schimmernde Sonne kam während der Zeremonie am Grab wunderschön heraus...
"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind.“
Victor Hugo
Diese Kerze ist nicht nur für Gerda, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Gerdas Nichte, welche wir heute zu Grabe getragen haben. Zur Gedenkkerze vom 06. Januar berichtete ich von ihrem Tod.
Die Trauerfeier wurde vom katholischen Pfarrer des Ortes sehr schön gestaltet, er fand tröstende Worte und konnte ohne abzulesen etwa 10 Minuten aus ihrem Leben erzählen.
Während der Zeremonie am Grab stand auf einmal die Sonne direkt über diesem, die zuvor nur zögerlich durch die Wolken lukte. Welch Symbolik - darüber sprach beim anschließenden Beisammensein fast jeder.
Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Trauer.
Aurelius Augustinus
Heute vor 32 Jahren verstarb Gerda im Alter von 63 Jahren an einer schweren Herzkrankheit, welche drei Jahrzehnte später aufgrund der kardiologischen Fortschritte vielleicht nicht mehr mit ihrem Tod enden würde.
Trotz des etwa neunmonatigen Krankheitsverlaufs hatten wir bis zuletzt Hoffnung, auch meine Mutter selbst - ihr Tod kam daher
am Abend des 11. Januar 1994 im hiesigen Hospital doch für alle plötzlich und recht unerwartet.
Der Schock saß bei uns Angehörigen tief und nachhaltig. Ihre Schwester Dorothea (heute 94 Jahre alt) und auch ich sind im
Prinzip nie wirklich über den Verlust von Gerda hinweg gekommen.
Zeit heilt (vielleicht) die Wunden und lindert den Schmerz - die Narben bleiben aber für immer spürbar. Dieser außergewöhnliche Mensch hat in uns eine nicht mehr füllbare Lücke hinterlassen.
"Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten. Und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn."
Thornton Wilder
Diese Kerze ist nicht nur für Gerda, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Gerdas Nichte, welche heute nach 7-monatigem Kampf gegen den Krebs verstorben ist.
Gaby hinterlässt ihren Ehemann und ihre 94-jährige Mutter Thea, Gerdas Schwester. Meine Cousine blieb kinderlos.
Wir sind alle sehr traurig.
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus.
Joseph von Eichendorff
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Lissauer.
In hiesigen Breitengraden ist in den letzten drei Tagen sehr vielSchnee gefallen, es bietet sich uns ein wundervolles Winterbild.
Auch Gerda, im Gegensatz zu mir ein passioniertes Sommerkind, konnte sich an einer schönen Schneelandschaft mit Wintersonne durchaus erfreuen. Aber...meine Mutter ersehnte auch schon zu diesem Zeitpunkt des Jahres das kommende Frühjahr wie sonst
kaum etwas anderes...
Januar
von Erich Lissauer
Ich bin erwacht aus toter Winterruh’,
Es taut mein Blut, lang war es zugefroren.
Die Adern rinnen, offen stehn die Poren,
Ich spüre tief: es geht dem Frühling zu.
Klar fließt in mir Lichtjanuar.
Es wächst der Tag, es schwillt das Jahr.
Ernst Lissauer, *10. Dezember 1882 in Berlin,
+10. Dezember 1937 in Wien.
Lissauer war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Publizist.
Zur Gedenkkerze am Neujahrstag ein schönes Gedicht von Karl Friedrich Henckell.
Was ist Ihr Neujahrswunsch? Für andere, für sich selbst?
Ich denke ganz oben sollte das Wort Gesundheit stehen, gesund
zu bleiben, es zu werden.
Manche Menschen wünschten mir wie häufig "nur Glück, Erfolg,
dass alle meine Wünsche in Erfüllung gehen..." ...
...alle meine Wünsche? Nur pures Glück? Nun, eine nette Vorstellung - aber mit Verlaub - das möchte ich gar nicht.
Und so erinnere ich mich an Gerdas Worte, die bei solch "dicken Wünschen" nur müde lächelte und sprach: "Wer mir DAS wünscht,
der wünscht sich dieses wahrscheinlich selbst. Ich finde es arm,
bei wem erfüllen sich schon ALLE Wünsche...?"
Gesundheit, eine gute Portion Glück, überwiegend positive Erlebnisse - dann, wenn Sie vielleicht nicht damit rechnen, und etwas Zuversicht in nicht einfachen Zeiten, dies wünsche ich Ihnen für das Jahr 2026!
Mein Neujahrswunsch
von Karl Friedrich Henckell
Was ich erwünsche vom neuen Jahre?
Dass ich die Wurzel der Kraft mir wahre,
Festzustehen im Grund der Erden,
Nicht zu lockern und morsch zu werden,
Mit den frisch ergrünenden Blättern
Wieder zu trotzen Wind und Wettern,
Mag es ächzen und mag es krachen,
Stark zu rauschen, ruhig zu lachen,
So in Regen wie Sonnenschein
Freunden ein Baum des Lebens zu sein.
Karl Friedrich Henckell, *17. April 1864 in Hannover, †30. Juli 1929 in Lindau, Bodensee, Bayern. Henckell war ein deutscher Lyriker und Schriftsteller, Philosoph und Philologe.
Zur heutigen Gedenkkerze am letzten Tage des Jahres ein Gedicht von Max Hartung.
Weitere Silvestergedichte werde ich noch im Laufe des Tages auf den Gedenkseiten meines Vaters wie Großeltern veröffentlichen, ggf. auch Neujahrsverse am morgigen Tag.
Gerne erinnere mich zurück an die Silvesterabende meiner Kindheit - das Haus war gut gefüllt - die Großeltern, der älteste Bruder mit Partnerin, manchmal auch Anverwandte - es wurde Kartoffelsalat
mit Würstchen kredenzt, Stangenbrote und Lachs gereicht - Knabbergebäck, Bier und Sekt waren natürlich auch ausreichend vorhanden...im Hintergrund lief im Fernsehen eine Silvestershow,
die uns damals noch als Konserve, welche vor Wochen aufgezeichnet präsentiert wurde...
Gerda gab sich größte Mühe, alle Gäste zu befrieden, die Stimmung war ausgelassen, "das Kind" konnte es gar nicht abwarten bis zur Mitternachtsstunde und bat den großen Bruder doch stündlich um das anzünden einer Rakete...was dann auch über Jahre zu einem festen Ritual wurde...
Können Sie es heute auch "kaum abwarten", feiern sie im großen Kreis oder eher mit wenigen Gästen, mit dem Partner, Ehegatten oder gar allein? Sind sie froh, dass das alte Jahr in wenigen Stunden hinter uns liegt? Gedanken kreisen retrospektiv und prospektiv, was war,
was mag kommen?
Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr, ein friedvolles und gesundes 2026!
Bleiben wir zuversichtlich - auch wenn es in dieser Zeit manchmal schwer fällt.
Silvesternacht
von Max Hartung
Die Glocken tönen durch die Nacht,
Du lauschest ihrem Klingen;
Das Jahr, das du herangewacht,
Was wird das neue bringen?
Kein Glockenlaut, kein Menschenmund,
Noch der Gestirne Kreisen
Vermag auf Gottes Erdenrund
Die Zukunft dir zu weisen!
Drum frag dich selbst! Das Jahr wird gut,
Gehst du auf rechten Wegen,
In deinem Tun und Lassen ruht
Des neuen Jahres Segen.
Max Hartung, *1857 in Leipzig, +1932 ebenda.
Hartung war ein deutscher Schriftsteller und Dichter, über den ich bisher wenige Daten fand. Häufige Verwechselung und stets im Vordergrund: Der namensgleiche dt. Säbelfechter Max Hartung.
Wie schon öfter zur Gedenkkerze am Heiligen Abend die schöne Weihnachtsgeschichte, welche sich am 24.12.1976 zutrug - dazu finden Sie unter der Rubrik Bilder ein Foto von Gerdas Katze namens Mieze - sowie das damals festlich geschmückte Wohnzimmer an Heiligabend 1976....
24.12.1976: Ich war 6 Jahre alt, ich erinnere mich an einen kalten Tag, aber schneefrei. Niemand durfte vor der Bescherung ins Wohnzimmer gehen, und doch lukte ich als Kind oft heimlich durch das Schlüsselloch, konnte die Lichter am Baume sehen und einen Teil der verpackten Geschenke, die unter dem festlich geschmückten Christbaum lagen. Irgendwann klang ein Glöckchen. Ich weiß bis heute nicht, wer dies aus meiner Familie immer läutete, denn ich verlor in meiner Aufregung auch ein wenig den Überblick. Meine Mutter Gerda hatte am Nachmittag das Wohnzimmer schon festlich geschmückt und vor Einbruch der Dämmerung warme und kalte Speisen für den Abend zubereitet - das ganze Haus war schnell erfüllt von dem leckerem Duft. Zudem gab es ausnahmsweise schon am Heiligabend den Truthahn, welcher sonst erst am 1. Feiertag zubereitet wurde, da mein Bruder Axel mit seiner Freundin schon am frühen Morgen des 1. Weihnachtstages verreisen wollte.
Ich war schon unglaublich aufgeregt, schaute zur „Entspannung‘‘ die Sendung „Wir warten aufs Christkind“ und freute mich auf mein erstes Kettcar, welches ich mir sehnsüchtig gewünscht habe.
Kurz vor der Bescherung maunzte ein kleines, schwarzes Ding vom Fenstersims, schaute mit ihren großen grünen Augen in das Küchenfenster herein als ob sie sagen würde:
"Es riecht sooo lecker! Gebt mir doch auch ein Stück ab von diesen köstlichen Speisen" -
"EINE KATZE! EINE KATZE!" Ich war außer mir vor Freude. "Da sitzt eine kleine Katze an unserem Fenster! Ach, lasst sie uns doch hinein holen!" - Unsere Eltern waren zunächst dagegen, was man als 6-jähriger Junge natürlich nicht nachvollziehen kann.
Mutter fügte noch hinzu: "Wer weiß, wo sie herkommt! Wem sie gehört! Vielleicht ist sie ja krank!‘‘ - natürlich lief ich rasch nach draußen, nahm die kleine schwarze Katze auf den Arm und streichelte sie. Heimlich trug ich sie in den Hausflur, gab ihr etwas Milch. Sofort taufte ich sie auf den Namen Mieze. Vom zweitältesten Bruder Peter kam keinerlei Einspruch...also ab sofort hieß sie „Mieze!“
Mieze, welche sich von nun an immer in der Nähe unseres Hauses aufhielt, kam an den folgenden Weihnachtstagen immer wieder zu uns, maunzte schon morgens früh auf dem Fenstersims und schaute in die Küche. Ich rannte sofort hinaus um Mieze zu streicheln, mit ihr im Garten zu spielen, sie folgte mir auf Schritt und Tritt.
Manchmal ließen wir Kinder Mieze heimlich ins Haus und zeigten ihr jeden Raum.
Von diesem Tag an, dem 24.12.1976, blieb Mieze bei uns. Warum sie uns an Heiligabend zulief, ob sie jemand ausgesetzt hatte - blieb etwas nebulös. Es gab die Mutmaßung, das ein uns gut bekannter Verkäufer des hiesigen Supermarktes die kleine Katze ganz bewusst an Heiligabend bei uns aussetzte. Er sprach er uns im Herbst im Markt an, ob wir nicht eine kleine Katze haben möchten - seine Katze hatte einen Wurf. Meine Eltern wollten dies aber nicht…
Clever, die Katze am Heiligen Abend in einen Haushalt mit Kindern quasi als Geschenk auf unseren Küchenfenstersims zu setzen…vielleicht auf die „Barmherzigkeit“ der Eltern zu hoffen…klappte ja auch…zumindest wenig später…
Nach ein paar Wochen stimmten unsere Eltern zu, das Mieze bei uns bleiben durfte. Was für eine Freude für mich, für uns! Mieze lebte viele Jahre bei uns, sie war eine "drinnen & draußen-Katze." Sie wurde meine beste Freundin, die gesamte Kindheit über. Was hat sie mir Freude bereitet, uns allen! Natürlich hatte auch Gerda sehr viel Spaß mit unserer Mieze. So ein liebes Wesen und von so hoher Intelligenz.
Mieze gebar einige Junge, wir gaben sie später an andere Familien ab, einmal durfte ich 2 Kater behalten - einer blieb bei uns, das andere Tier wurde zum Wohnungskater meines ältesten Bruders Axel.
Wunderschön als Kind, kleine Katzen aufwachsen zu sehen, wie sie die Mutterkatze lehrt, sie im Garten im Sonnenschein herumtollen...
Manchmal begleitete Mieze mich morgens zur nahen Grundschule, schlich unauffällig in einem gewissen Abstand hinter mir her - oft wartete sie schon auf mich an unserer Haustür nach dem Schulunterricht, kam mir maunzend entgegen...
Wie schon oben erwähnt: Unter der Rubrik Bilder findet ihr, finden Sie ein Bild von unserer Mieze...und das damals festlich geschmückte Wohnzimmer an Heiligabend 1976. Die Katze die zur Weihnacht kam - hat meine große Liebe besonders zu Katzen, aber auch zu allen Tieren sicherlich geprägt.
Ich hoffe, wir sehen auch alle unsere lieben Haustiere eines Tages einmal wieder - ich freue mich so auf Mieze!
Heute haben wir (wieder) zwei schwarze Katzen, die uns viel Freude bereiten. Fina und Lou sind eine große Lebensbereicherung und zaubern uns immer ein Lächeln ins Gesicht.
Allen, die in diesen Tagen auf Gerdas Gedenkseite zu Gast waren und diese Geschichte gelesen haben, wünsche ich schöne, hoffnungsvolle Weihnachtstage.
Falls sie in diesem Jahr oder früher einen lieben Menschen verloren haben, an den Sie heute und den kommenden Weihnachtstagen besonders viel denken, sie/ihn gerade an den Weihnachtstagen sehr vermissen, wünsche ich viel Kraft. Ich wünsche mir auch, dass Sie in den kommenden Tagen viel Liebe und Stärke verspüren, dass sie ihren Verlust - ich hoffe im Kreise Ihrer anderen Lieben - mit einem Lächeln trotz Tränen im Gesicht, so nenne ich es immer, ertragen können. Ich weiß nicht, ob sie ein gläubiger Christ sind oder nicht, das spielt auch keine Rolle, zumindest ich glaube fest daran, dass der Mensch, um den sie trauern, heute auch bei Ihnen ist. Irgendwie. Er/sie ist nicht weg, sondern nur nicht sichtbar. Und möchte nicht, dass Sie trauern, sondern lächeln - trotz Tränen im Gesicht.
Gesegnete Weihnachten!
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 4. Advents ein Gedicht von Ringelnatz, welches sich mit dem "Schenken" beschäftigt.
Liegen bei Ihnen zur Christnacht so viele Geschenke unter dem Baum, dass ein heilloses Durcheinander entsteht, wessen Paket nun wirklich wem gehört? Oder gehören Sie gar zu den Geschenke-Verweigerern, wobei ich allerdings nur eine Familie kenne, die dies so handhabt?
Bei uns wird es zumindest ein wenig dieses "Durcheinander" geben, ich bin zwar ziemlich strukturiert - die Beschriftung der Geschenke, gleiche Geschenkeecke für die jeweilige Person, für jeden anderes Papier, aber ehrlich gesagt gehört ein kleineres Durcheinander für uns auch zum Fest...genau wie die Katzen sich mit Vorliebe über den entstandenen Papiermüll her machen...nun, sie sollen ja auch ein wenig Vergnügen haben...
Gerda schenkte gerne und viel, machte sich wirklich Gedanken, wie man seine Lieben tatsächlich noch überraschen kann, verpackte
die Geschenke akkurat und mit viel Liebe, mit Schleifchen und Sternchen...
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen vierten Adventssonntag, sollten Sie sich heute oder morgen lieber auf einem Christkindlesmarkt vergnügen, wünsche ich Ihnen dabei möglichst wenig Stress...
Schenken
von Joachim Ringelnatz
Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.
Joachim Ringelnatz, *07. August 1883 in Wurzen, Sachsen, heute Große Kreisstadt im Nordosten des Landkreises Leipzig, +17. November 1934 in Berlin.
Ringelnatz (eigentlich Hans Gustav Bötticher)
war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur "Kuttel Daddeldu" bekannt wurde.
Zur heutigen Gedenkkerze am 3. Advent ein kurzes, vorweihnachtliches Gedicht von Theodor Fontane.
Nun, in Strophe 2 ist der Weihnachtstag "noch fern", am heutigen 14. Dezember sind wir aber hingegen gar nicht mehr sooo weit entfernt...
Gerda hätte bis zum heutigen Tage schon vieles in puncto Weihnachtsvorbereitungen erledigt, dass bei ihr selbst in den letzten Tagen vor der Christnacht verhältnismäßig wenig Stress aufkam. Die Geschenke waren besorgt, bestenfalls sogar schon verpackt - der Einkaufszettel für die Feiertage lag parat...alles sehr rechtzeitig...
In der Regel wurde am 21. oder 22. Dezember der Christbaum aufgestellt - als Kind drängte ich natürlich darauf, dass dieser auch
so früh wie möglich im Wohnzimmer stand, schließlich wartete er meistens schon Tage zuvor im Garten auf seinen "große Auftritt..."
Im Bilderalbum finden Sie ein Bild des geschmückten Baumes am Heiligen Abend in unserem Wohnzimmer - vermutlich zwischen 1976 und 1978.
Sehen Sie schon den Stern...halten wir doch schon einmal Ausschau...in uns selbst...
Wir sehen schon den Stern
von Theodor Fontane
Wir sehen schon den Stern
Tag der Geburt, heute bist du uns noch fern,
aber Tannen, Engel, Fahnen,
lassen und den Tag schon ahnen,
und wir sehen schon den Stern.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819 in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin. Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Diese Gedenkkerze möchte ich nicht nur Gerda, sondern auch ihrem erstgeborenen Sohn, meinem ältesten Bruder Axel widmen.
Am heutigen 12. Dezember vor vier Jahren verstarb Axel plötzlich und unerwartet einen Tag nach seinem 70. Geburtstag. Aus familiären Gründen habe ich noch keine Gedenkseite für ihn anlegen können.
Leider bestand aufgrund eines Familienstreits kein Kontakt mehr zu Axel und seiner Familie. Jeder mag es anders sehen, ich sehe mich aber nicht "berechtigt" eine Seite für meinen Bruder zu erstellen.
Daher möchte ich auf den Gedenkseiten meiner Mutter einige Worte aus Axels Leben schreiben:
Gerdas erster Sohn erblicke am 11. Dezember 1951 in Gladbeck die Welt. Erst fast 19 Jahre später wurde ich geboren, Gerda war zu diesem Zeitpunkt schon 39 Jahre alt, mein Vater 44.
Axel besuchte das hiesige Gymnasium, nach dem Abitur studierte mein Bruder überwiegend in Marburg Germanistik und Sport. So konnte ich als Kind bei häufigen Besuchen dort die unglaublich schöne, mittelalterlich geprägte Stadt Marburg an der Lahn kennen- und lieben lernen. Für mich war es bis dahin "meine Traumstadt" der Kindheit, und meinen Bruder wie seine Freundin und spätere Gattin zu besuchen ein unglaubliches Highlight.
Mein Bruder Axel war für mich immer das große Vorbild, ich wollte auch Lehrer werden und sonst nichts anderes - wir verstanden uns
1:1, es gab in meiner Kindheit und Jugend niemals Streit zwischen
uns, und Axel erfüllte mir im Prinzip fast jeden Wunsch.
Ausflugsfahrten, Abenteuerspielplätze, Schwimmbadbesuch, ins Fußballstadion...er kümmerte sich rührend um sein kleines "Brüderchen", wie Axel mich auch immer nannte.
Nach dem Rückzug von Marburg ins Ruhrgebiet nahm Axel zwei Referendarstellen in Gladbeck und Oberhausen an. Bis zur Rente arbeitete mein Bruder als Studienrat für Deutsch und Sport wie Vertrauenslehrer am Essener Don Bosco Gymnasium.
Zwischenzeitlich war er auch Sprintertrainer bei der SGO Oberhausen, ich kam oftmals mit zum Training ins Stadion und konnte auch sehr bekannte Leichtathleten (Olympia) kennenlernen.
Natürlich nahm mich Axel mit zu deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in verschiedene Stadien der Republik.
Axel war gläubiger Katholik, ein Vorbild im Glauben, den er nicht mit Strenge, sondern mit Fröhlichkeit lebte. Mein Bruder lächelte ständig, hatte einen großen Humor, konnte Tränen lachen wenn wir uns beispielshalber zusammen einen Louis des Fúnes-Film ansahen.
Ein unglaublich positiver Mensch - ähnlich unserer Mutter. Gerda verstand sich ebenfalls prächtig mit ihrem Sohn, wer ihn nicht leiden mochte - war nicht zu verstehen.
Axel wurde zweimal Vater, 1983 und 1986, seine Söhne waren für mich das Allergrößte - wie kleine Brüder, die ich mir immer wünschte. Schon mit 13 Jahren wurde ich Onkel - ich war unglaublich stolz auf meinen ersten kleinen Neffen.
Nachdem wir uns viele Jahre nicht gesehen hatten entschloss ich mich, meinem Bruder Axel zum 70. Geburtstag eine Karte zu schicken. Mit der Aussicht, sehr bald Bilder von meiner Familie und mir zu schicken, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Das ich Axel in aller Kürze zu Grabe tragen würde, war unvorstellbar.
Einen Tag nach seinem 70. Geburtstag verstarb Axel plötzlich und unerwartet. Mein Bruder war, wie ich durch andere familiäre Kontakte schon zuvor erfuhr, herzkrank. Einen weiteren Tag später erfuhr ich von meiner Cousine, welche informiert wurde, das Axel nicht mehr lebt. Er fühlte sich nicht gut und lag leblos auf seiner Couch.
Ich war geschockt, jetzt gerade, wo endlich einer von uns nach viel zu langer Zeit versuchte das Eis zu brechen, verstarb mein Bruder. Ich merkte, das es einerlei war, ob man sich einige Jahre nicht mehr gesehen hat, oder ob es noch gestern gewesen war. Meine Trauer war groß, ich war fassungslos. Die vielen guten Erinnerungen an Axel wurden sehr präsent.
Mehr zu der Trauerfeier, welche eine Farce war, heute zur Gedenkkerze meines Vaters, Franz Steinhardt, genau im Anschluss an das letzte Kapitel.
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In besonderer Meinung der folgende Liedtext.
Für eine schwerkranke Verwandte.
Dum spiro spero!
Und wenn ein Lied...
Söhne Mannheims (mit Xavier Naidoo)
Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt
Dann nur, damit du Liebe empfängst
Durch die Nacht und das dichteste Geäst
Damit du keine Ängste mehr kennst
Sag ein kleines Stückchen Wahrheit
Sieh, wie die Wüste lebt
Schaff ein kleines bisschen Klarheit
Und schau wie sich der Schleier hebt
Eine Wüste aus Beton und Asphalt
Doch, sie lebt und öffnet einen Spalt
Der dir Neues zeigt, zeigt das Altes weicht
Auch wenn dein Schmerz bis an
Den Himmel reicht
Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt
Dann nur, damit du Liebe empfängst
Durch die Nacht und das dichteste Geäst
Damit du keine Ängste mehr kennst
Dieses Lied ist nur für dich
Schön, wenn es dir gefällt
Denn es kam so über mich
Wie die Nacht über die Welt
Schnellt Gefahr aus der Dunkelheit
Bin ich zum ersten Schlag bereit
Ich bin der erste, der dich befreit
Und einer der letzten, der um dich weint
Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt
Dann nur, damit du Liebe empfängst
Durch die Nacht und das dichteste Geäst
Damit du keine Ängste mehr kennst.
Zur heutigen Gedenkkerze eine Geschichte aus meiner Kindheit, passend zum heutigen Nikolausabend.
Ich habe diese auch eben auf der Gedenkseite meines Vaters,
Franz Steinhardt, zur Kerze niedergeschrieben:
Ich erinnere mich gerne zurück an den Nikolausabend in meiner Kindheit. Oder doch lieber nicht...?
Er war fast so aufregend wie der Heilige Abend, schließlich gab
es ja neben den Naschereinen ein oder zwei kleine Geschenke, beispielshalber ein Spielzeugauto, eine Playmobilfigur, ein Quartett...meine Mutter rief gen Dämmerung (gespielt) aufgeregt:
"Der Nikolaus! Ich glaube ich habe draußen den Nikolaus gesehen!" Nun, das einzig erschreckende daran war, dass die Nikolausmaske,
die mein Vater trug, sehr spukig aussah. Eine Plastikmaske mit dicken, roten, hervorstehenden Wangen, Knollennase, die Augen meines Vaters verloren sich gruselig verrutschend hinter dieser...heute würde man diese Nikolausmaske vielleicht am ehesten zu Halloween tragen...
mein Vater trat nah an das Wohnzimmerfenster heran und blickte hinein.
Aufgeregtheit, Freude und auch Grusel - bis zum 5. Lebensjahr hielt ich diese Gestalt mit der furchteinflößenden Maske wirklich für den Nikolaus...die Geschenke entschädigten dann doch für den kleinen Schrecken...
Ja, heute "spiele" ich den Nikolaus für meine Lieben, vor einigen Jahren noch wirklich verkleidet, da die Tochter meiner Partnerin noch im Kindesalter war. Auch am heutigen Abend stelle ich beiden aber immer noch einige Geschenkchen und Leckereien vor die Tür. Irgendwann rufe ich aufgeregt: "Ich sehe draußen den Nikolaus!"
Und wir alle haben Freude an dieser schönen Tradition - auch jetzt noch. Und: Der Nikolaus hat bisher auch immer noch meinen Schuh gefüllt...
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Advent ein Gedicht von Hedwig von Redern.
Haben Sie heute schon die erste Kerze am Kranze angezündet? Gerne erinnere ich mich an die Adventssonntage meiner Kindheit zurück, wie meine Mutter liebevoll das Haus schmückte und mir beim Entzünden der Kerze(n) "Advent, Advent (...)" vortrug.
Am Nachmittag fuhren wir meistens zu den Großeltern oder luden sie wahlweise zu uns ein, mein Opa Wilhelm trug uns im Kerzenscheine schöne Adventsgedichte und Geschichten vor...
Adventswarten
von Hedwig von Redern
Es ist das ganze Leben
für den, der Jesus kennt,
ein stetes, stilles Warten
auf seligen Advent.
Er kommt, heißt unser Glaube,
er kommt, heißt unser Trost,
wir hoffen in der Stille
und wenn das Wetter tost.
Wir schauen auf im Kampfe,
wir seufzen oft im Dienst:
Ach, dass du kämst, Herr Jesu,
ach, dass du bald erschienst!
Hedwig von Redern, *23. April 1866 in Berlin,
+22. Februar 1935 ebenda. Von Redern war eine dt. Erzählerin und Kirchenlieder-Dichterin.
Zur morgigen Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ein paar Gedanken und Sprüche von großen Meistern.
Auch mit katholischem Hintergrund (Christkönigsfest, 100-jähriges Jubiläum) war für meine Mutter - und für mich bis heute - dieser Tag eindeutig dem Totengedenken mit Friedhofsgang gewidmet, nicht nur zu Allerheiligen und Allerseelen.
Für Gerda. Für Axel.
"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind.“ (Victor Hugo)
„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.“ (Immanuel Kant)
"Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.“ (Romano Guardini)°
"Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart."
(Stefan Zweig)°°
°Romano Guardini, kath. Priester und Religionsphilosoph, *17. Feb. 1895 in Verona, +01.Okt.1968 in München.
°°Stefan Zweig, österr.-britischer Schriftsteller und Übersetzer, *28. Nov. 1881 in Wien, +23. Nov. 1942 in Petrópolis, Brasilien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein bekanntes Herbstgedicht von Friedrich Hebbel.
Ungewöhnliche Wärme Mitte November - gestern war es in hiesigen Breitengraden 18° C warm, südlicher erreichten wir nahezu Rekordtemperaturen von bis zu 22° C.
Gerda, welche nur schwer durch die dunkle Jahreszeit kam, wäre
sehr glücklich gewesen über einen unerwarteten "November-Frühling", fehlte ihr doch im Herbst und Winter die Sonne und Wärme sehr.
Im Gegensatz zu meinem Vater, Gerdas Mutter (und mir) - die hervorragend mit den kalten und dunklen Monaten zurecht kamen,
und ich selbst liebe diese Zeit - am liebsten einen Sonne-Wolken-Mix, ruhig Minustemperaturen mit schöner Schneedecke.
Verrückt? Depressiv? Nein, ein Aufblühen. Eine Liebe. Für immer Winterkind. Wie Gerdas übergröße Liebe zum Sommer. Selbst
15/16° C waren ihr schon zu kühl...
Dies ist ein Herbsttag ...
von Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Christian Friedrich Hebbel, früheres Pseudonym Dr. J. F. Franz, *18. März 1813 in Wesselburen/Dithmarschen, heutiges Schleswig-Holstein, +13. Dezember 1863 in Wien.
Hebbel war deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler "Maria Magdalena", sehenswert das Hebbel-Museum in Wesselburen mit
550 Exponaten.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Emanuel Geibel.
Im Gegensatz zum letzten November, welcher einer der nassesten
seit vielen Jahren war, verwöhnt uns dieser nun mit traumhaftem Herbstwetter - die vergangene Woche war in unseren Breitengraden sonnendurchflutet mit strahlend blauem Himmel, bei Tagestemperaturen teilweise bis 18° C.
Gerda, das Sommerkind, hätte mit der milden Herbstsonne um die Wette gestrahlt und vermutlich ausgedehnte Spaziergänge durch Wald und Feld unternommen...
Das folgende Gedicht von Emanuel Geibel ist eine lyrische Reflexion über die Schönheit und Vergänglichkeit des Herbstes und die daraus gewonnene innere Ruhe und Erkenntnis.
Herbstlich sonnige Tage
von Emanuel Geibel
Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.
O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.
Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.
Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.
Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist es dem Schauenden nur.
Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.
Franz Emanuel August Geibel, *17. Oktober 1815 in Lübeck, +6. April 1884 ebenda.
Geibel war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er der erfolgreichste Dichter seiner Zeit, dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte.
Am heutigen Hochfest Allerheiligen zur Gedenkkerze ein Gedicht von Max Dauthendey, passend zum Novemberanfang. Wir gehören zu den 5 Bundesländern, die heute einen Feiertag begehen können.
Am gestrigen Tag schmückten wir die Gräber der Verstorbenen meiner Wahlfamilie bis in die Dämmerung hinein.
Es war ein trockener letzter Oktobertag, ab und zu zeigte sich aber doch noch die Sonne. Am heutigen Festtag ist es dagegen sehr trübe, Nieselregen setzte am Morgen ein.
Gerdas Grab ist seit dem letzten Jahr eingeebnet. Die Konturen ihrer Ruhestätte sind noch erkennbar, so dass man dort noch eine Kerze aufstellen kann. Im Bilderalbum finden Sie zwei Aufnahmen des ursprünglichen Grabes.
Erster November
von Max Dauthendey
Da draußen ist frühe Nebelnacht,
Die hat den Tag um Stunden bestohlen,
Hat aus den Fenstern Laternen gemacht.
Ich möchte mir den Mond herholen,
Dass ich einen hätt’, der ewig lacht,
Denn die Nacht ist wie ein schwarzes Bett.
Dort hat der Tod, wie auf Lagern aus Kohlen,
Gedankenlos als Dieb seine Ruhestätt’.
Weiß nicht, ist die Stadt draußen klein oder groß,
Ob Menschen drin hausen, oder bin ich allein,
Denn ein jeder Tag schwarz wie der Fluss fortfloss,
Und beklagt gingen viele zur Nacht hinein.
Auch Vater und Mutter haben gefragt,
Und niemandem wurde der Weg gesagt.
Auch Vater und Mutter wurden zu Stein,
Ein Stein, der sich über dem Grabe schloss.
Drauf lese ich heut’ ihre Namen bloß,
Nur noch die Namen sind beide mein.
Woher sie kamen, wohin sie gingen, -
Ich kann die Nacht nicht zum Reden zwingen.
Max Dauthendey, dt. Dichter und Maler, * 25. Juli 1867 in Würzburg, +20. August 1918 in Malang auf Java, Niederländisch-Indien, seit 1949 Indonesien.
Zur heutigen Gedenkkerze ein wie ich meine schönes Herbstgedicht von Gottfried Keller, mit Anmerkungen zu den Versen.
Das Sturmtief "Joshua" nimmt langsam an Stärke ab, nach morgendlichem Regen ist es nun trübe aber trocken, die Sonne blinzelte auch ein paar Mal kurz durch die wilden Wolken.
Heute vor genau einem Jahr war es in hiesigen Breitengraden ein wundervoller, sonnendurchfluteter Herbsttag mit Temperaturen bis
zu 20° - ein unvergessen schöner Oktober.
Solch einen Tag hätte Gerda in vollen Zügen genossen, ihr Tatendrang wäre gar nicht zu bremsen gewesen. An einem Tag wie heute wäre
sie beim Anblick des morgendlichen Regens vermutlich in eine Art "Melancholiestarre" verfallen - am Nachmittag hätte meine Mutter
aber sicherlich noch einen kurzen Spaziergang unternommen - oder hätte sich ein wenig im Garten aufgehalten und die heute wenigen Sonnenstrahlen dankbar aufgenommen...
Stiller Augenblick
von Gottfried Keller
Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern
Streifend an abendrötlichen Weihern,
Wallest du deine Bahn;
Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,
Wo an herbstlichen Uferhöhen
Zieht entlang ein stummer Schwan.
Still und einsam schwingt er die Flügel,
Tauchet in den Wasserspiegel,
Hebt den Hals empor und lauscht;
Taucht zum andern Male nieder,
Richtet sich auf und lauschet wieder,
Wie’s im flüsternden Schilfe rauscht.
Und in seinem Tun und Lassen
Will’s mich wie ein Traum erfassen,
Als ob’s meine Seele wär’,
Die verwundert über das Leben,
Über das Hin- und Widerschweben,
Lugt’ und lauschte hin und her.
Atme nur in vollen Zügen
Dieses friedliche Genügen
Einsam auf der stillen Flur!
Und hast du dich klar empfunden,
Mögen enden deine Stunden,
Wie zerfließt die Schwanenspur!
Anmerkung zum Gedicht:
Wie ich finde ein sehr interessantes, etwas anderes Herbstgedicht,
die Ruhe am Waldsee wird prinzipiell als genießerischer Augenblick dargestellt: "Atme nur in vollen Zügen", "Dieses friedliche Vergnügen", kein Wort von Sturm oder Regen.
Besonders zum Reimschema:
Die Strophen sind im Schweifreimschema (aabac) aufgebaut und enden mit Hebungen, Paarreime mit Senkungen. Zu Versbeginn findet ein Wechsel Dieser statt. (Versfuß Trochäus, Daktylus in immer wieder vorkommenden Senkungen).
Gottfried Keller, *19. Juli 1819 in Zürich, +15. Juli 1890 ebenda.
Keller war Schriftsteller (z.B. "Der grüne Heinrich") Dichter, nebenbei Maler und im politischen Amt (Erster Staatsschreiber Kanton Zürich)
Zur heutigen Gedenkkerze ein nettes Gedicht zum Thema Musik
von Adelbert von Chamisso.
Musik war ihr Leben - so könnte ich kurz Gerdas Liebe zur Musik umschreiben. Sie beflügelte meine Mutter, ließ sie strahlen und
selbst bei der Hausarbeit zu tanzenden Bewegungen motivieren.
"Alles geht viel leichter von der Hand mit musikalischer Begleitung" - ihren Ausspruch habe ich noch gut in Erinnerung...
Gerdas musikalisches Repertoire ging dabei in die unterschiedlichsten Richtungen, mal hörte sie eine MC von Chopin wie Franz Schubert - oder lauschte den Klavierklängen von Richard Clayderman. Sie besaß auch einige Cassetten von James Last und Engelbert - sollte aber ihre Stimmung richtig gut werden, durfte es auch eine schöne "Platte" von Abba, Elton John oder Simon & Garfunkel sein. Ich schenke ihr einmal eine LP der Band "Mixed Emotions", welche sie dann ebenfalls gerne hörte. Als Kind und Jugendlicher der 80er konnte ich meine Mutter auch für Musik von Bands wie a-ha und Alphaville oder für verschiedene Songs von Madonna begeistern.
Gern schaute sie mit mir zusammen die damals populäre Musikclip-Sendung "Formel Eins". Die immer mit der Zeit gehende Gerda konnte sich zumindest über die "Neue Deutsche Welle" auch köstlich amüsieren...
Frisch gesungen
von Adelbert von Chamisso
Hab’ oft im Kreise der Lieben
Im duftigen Grase geruht
Und mir ein Liedlein gesungen,
Und alles war hübsch und gut.
Hab’ einsam auch mich gehärmet
In bangem, düsterem Mut
Und habe wieder gesungen,
Und alles war wieder gut.
Und manches, was ich erfahren,
Verkocht’ ich in stiller Wut.
Und kam ich wieder zu singen,
War alles auch wieder gut.
Sollst nicht uns lange klagen,
Was alles dir wehe tut,
Nur frisch, nur frisch gesungen!
Und alles wird wieder gut.
Adelbert von Chamisso, eigentl. Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt, *30. Januar 1781 bei Ante, heute Sivry-Ante, Region Gran Est, FR., *21. August 1883 in Berlin.
Chamisso war ein Dichter und Naturforscher frz. Herkunft, welcher mit seiner Familie 1796 während der frz. Revolution nach Berlin flüchtete.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Christian Morgenstern, welches ganz gut zu Gerda passt.
Der Oktober zeigt sich seit 12 Tagen von seiner trüben Seite, selten blinzelt die Sonne kurz durch die wilden Wolken, an einigen Tagen geringer Niesel - aber zu 90 Prozent ist es trocken.
Der letzte Oktober zeigte sich in hiesigen Breitengraden von seiner prächtigen Seite, dieser ist schon sehr düster im Gegensatz.
Das Gedicht von Morgenstern bringt durchaus einen Ausdruck der Trauer und der Wehmut zu Tage über den vergangenen Sommer - Gerda hätte ähnlich empfunden - mit einer Portion Hoffnung, gut
durch den Herbst und Winter zu kommen - die lichten Momente der Jahreszeiten auszukosten und das Möglichste aus den dunklen Monaten zu machen...
Sieh, des Herbstes Geisteshelle ...
(auch unter dem Titel „Früh-Herbst“)
von Christian Morgenstern
Sieh, des Herbstes Geisteshelle
klärt und adelt die Gelände;
Erdenbreiten, Himmelswände
kost dieselbe lautre Welle.
O du glückversunken Säumen,
eh die Sommerfarben sterben!
O du letztes Liebeswerben
aus den unbegriffnen Räumen!
»Dass mir so die Seele leuchte,
wann ich einst des Winters werde!«
Und in meines Auges Feuchte
spiegelt sich der Schmelz der Erde.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern, *06. Mai 1871
in München, +31. März 1914 in Untermais, Tirol, damaliges
Königreich Österreich-Ungarn.
Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und
Übersetzer. Größere Bekanntheit erlangte Morgenstern
durch seine "komische Lyrik", die aber nur ein Teil seines Gesamtwerkes ist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, gar heiteres Gedicht von Hoffmann von Fallersleben - passend zu diesen gerade doch
windigen Oktobertagen.
Wir haben momentan leicht auflebendem Wind, einen Sonne-
Wolken-Mix - bei Temperaturen bis zu 14°C.
Gerda wäre es heute fast schon zu kühl, war für sie doch alles
jenseits der 18 Grad kaum mehr akzeptabel...
Meine Mutter würde auf einen "Lichtblick im Oktober" hinfiebern - erwarten wir demnächst noch einmal einen 20 Grad-Tag wie im
letzten Jahr um diese Zeit? Ganz vielleicht...
Hab Dank, du lieber Wind
von Hoffmann von Fallersleben
Ich bin in den Garten gegangen
und mag nicht mehr hinaus.
Die goldigen Äpfel prangen
mit ihren roten Wangen
und laden ein zum Schmaus.
We ist es anzufangen?
Se hängen mir zu hoch und zu fern.
Ich sehe sie hangen und prangen
und kann sie nicht erlangen
und hätte doch einen gern!
Da kommt der Wind aus dem Westen
und schüttelt den Baum geschwind
und weht herab von den Ästen
den allerschönsten und besten -
hab Dank, du lieber Wind!
August Heinrich Hugo Hoffmann von Fallersleben, *02. April 1894 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 Ortsteil von Wolfsburg, +19. Januar 1894 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, Ostwestfalen.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht, passend zum Oktoberbeginn, von Theodor Storm.
Freuen Sie sich über den Oktoberanfang? Die meisten sicherlich nicht so sehr - obwohl ihn
viele dennoch loben - kann er sich doch von
seiner prächtigen Seite zeigen. Als Herbst- und Winterkind freue ich mich sehr auf den Oktober - als Beginn "meiner Jahreszeiten."
Für Gerda, der Sonnenanbeterin, war mit dem Oktoberbeginn ihr geliebter Sommer nun aber endgültig Geschichte...wirklich? Die ersten beiden Tage dieses Monats zeigten sich durchaus von ihrer schönen Seite - und nach einer prognostizierten durchwachseneren Phase spätestens ab Samstag, wird sich der Oktober sicherlich noch öfter von seiner prachtvollen
Seite zeigen...
Storm blickt in seinem Gedicht "Oktoberlied" vorausschauend auf trübe, graue Herbsttage. Aber: Der Dichter fordert uns vielmehr auf, diese beschriebene Zeit zu vergolden - in der 5. Strophe sogar mit einem Weitblick auf das noch ferne, kommende Frühjahr...
Oktoberlied
von Theodor Storm
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz, -
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissens doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenkt ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen.
Theodor Storm, *14. Sept. 1817 in Husum,
damaliges Herzogtum Schleswig, +04. Juli
1888 in Hanerau-Hadermarschen, heutiger
Kreis Rendsburg-Eckernförde.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Herbstgedicht von Theodor Fontane.
Das Wochenende wird nach ein paar fast trüben, recht kühlen und leicht durchwachsenem Wetter
durchaus freundlich - viel Sonne bei Temperaturen um 18-19° C sind angekündigt.
Das folgende Gedicht von Fontane passt schon ganz gut zu Gerda - dass Sommerkind konnte sich an (noch) wunderbaren Herbsttagen durchaus erfreuen, unternahm schöne Spaziergänge - aber wie in Strophe 4: "Der Blick in den Herbst - aber der Mai?" würde meine Mutter auch an einem noch so schönen Septembertag mit Wehmut auf "den Mai" (respektive den vergangenen Sommer) zurücksehen und darüber sinnen, wie lange es noch dauert, bis dieser einst wiederkommt...
... meine Jahreszeit(en) haben begonnen und
der Winter ist auch nicht mehr allzu fern. Der kommende Oktoberbeginn ist für mich "mein 1. Mai" - Gott sei Dank fand ich gar nicht mal so wenig gleichgesinnte Menschen...sind wir alle depressive Menschen? Nein. Vielleicht mit einer Portion verspielter Melancholie. Wir blühen auf wie Eisblumen - unsichtbar im Sommer. Wir leben auf, wenn andere in Winterstarre fallen...
Für Gerda. Für Axel.
Herbst
von Theodor Fontane
O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.
Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.
Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.
Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mirs angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898
in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist
und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze zum morgigen astronomischen Herbstanfang (20:19 Uhr)
ein sehr bekanntes Gedicht von Rilke.
Auf der ganzen Welt findet morgen die Tag- und Nachtgleiche statt, das Herbstäquinoktikum - mit dem Unterschied, dass es auf der Südhalbkugel Frühlingsanfang ist...
Der Freitag und auch der Samstag zeigten sich von noch einmal von der hochsommerlicher Seite, beim Auftakt des Münchener Oktoberfestes herrschten 31°C (!)
Heute zeigt sich der letzte Sommer-Sonntag durchwachsen, es regnete am Morgen, das Thermometer ist bis auf 16° C gefallen...
Gerda hätte die letzten Sommertage in vollen Zügen genossen - heute würde meine Mutter sicherlich eine gewisse Sommer-Ade-Stimmung
bekommen...
Herbsttag
von Rainer Maria Rilke
Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird lesen, wachen, lange Briefe schreiben
und wird auf den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion, Kanton Waadt,
Schweiz, seit 1953 "Glion sur Montreux"
Zur heutigen Gedenkkerze ein frühherbstliches
Gedicht von Friedrich Rückert.
Nun, die folgenden Verse passen schon durchaus zum heutigen Wetter und dies der letzten Tage.
Nachdem es am letzten Wochenende noch einmal sommerlich warm wurde herrscht nun durchwachsenes Wetter vor, die Sonne zeigt sich ab und zu durch wilde Wolken, es ist recht windig bei Temperaturen deutlich unter 20°C. Schauer zogen am Morgen durch, in der Nacht sollen weitere folgen.
Gerda würde am heutigen Samstagnachmittag sicherlich einen Spaziergang unternehmen, sofern es trocken wäre, die noch milden Sonnenstrahlen auskosten - den Gedanken an triste Novembertage mit kühlem Nieselregen schlichtweg verdrängen...
Herbsthauch
von Friedrich Rückert
Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!
Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.
Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.
Friedrich Rückert, *16. Mai 1788 in Schweinfurt, +31.01.1866 in Neuses, heute zu Coburg, BY - Rückert war dt. Dichter, Lyriker, Übersetzer und Orientalist.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Septembergedicht von Hermann Hesse, passend zum heutigen warmen und sonnigen Wetter.
Gerda würden heute mit der Sonne um die Wette strahlen - genießend und wohlwissend, dass solche Tage heuer nicht mehr üppig vorkommen werden - schon morgen kündigt sich ein wenig Regen an, Dienstag verstärkt...
Mittag im September
von Hermann Hesse
Es hält der blaue Tag
Für eine Stunde auf der Höhe Rast.
Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,
Wie mans in Träumen sehen mag:
Daß schattenlos die Welt,
In Blau und Gold gewiegt,
In lauter Duft und reifem Frieden liegt.
- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! -
Kaum hast du es gedacht,
So ist die goldene Stunde
Aus ihrem leichten Traum erwacht,
Und bleicher wird, indes sie stiller lacht,
Und kühler wird die Sonne in der Runde.
Hermann Hesse, (Pseudonym Emil Sinclair),
*02. Juli 1877 in Calw, Württemberg, +09. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur Gedenkkerze ein schönes, kleines Gedicht
von Eduard Morike.
Der September hat begonnen - meteorologisch gerechnet ist heute sogar schon Herbstanfang.
Freuen Sie sich über die momentanen Temperaturen, die noch leicht über 20°C liegen? Dass der Frühherbst uns auch am letzten Augusttag noch mit Sonnenschein verwöhnte? Zugegeben, ab und zu zog ein Wolkenband durch und es gab in hiesigen Breitengraden gen Abend einen ganz kleinen Schauer...
Gerda würde jeden kleinen Sonnenstrahl ausnutzen, jeglichen Gedanken an kommende, trübe Herbsttage ganz schnell verdrängen...
...ich freue mich hingegen auf jene Tage...
Septembermorgen
von Eduard Mörike
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
Eduard Morike, *18. Sept. 1804 in Ludwigsburg, Kurfürstentum Württemberg, +04. Juni 1875 in Stuttgart, Königreich Württemberg (ab 1806)
Mörike war ev. Theologe, Gemeindepfarrer, welcher sehr mit der zeitgenössischen Theologie haderte. Große Bekanntheit erlangte er als Lyriker, Erzähler und Übersetzer.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes, kleines Sommergedicht von Theodor Fontane.
Der Sommer kehrt nach einigen kühleren, durchwachseneren Tagen die ein paar Tage zurück, bevor es gen Wochenende wieder regnerisch wird.
Gerda wäre, jetzt so kurz vor dem September, in einer Art "Sommer-Abschieds-Modus" - und würde jeden kleinen, warmen Sonnenstrahl versuchen auszukosten...
Ich erinnere mich an einige Werke von Fontane, unter anderem auch ein Gedichtband im heimischen Bücherschrank - vielleicht waren
die folgenden Verse auch dort zu finden:
Mittag
von Theodor Fontane
Am Waldessaume träumt die Föhre,
Am Himmel weiße Wölkchen nur,
Es ist so still, dass ich sie höre,
Die tiefe Stille der Natur.
Rings Sonnenschein auf Wies und Wegen,
Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen
Leis tönend auf das Blätterdach.
Heinrich Theodor Fontane, *30.12. 1819 in Neuruppin, heute Kreisstadt im Lk Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg, +20.09.1898 in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist
und Kritiker, er gilt als bedeutender Vertreter
des Realismus.
Zur Gedenkkerze für meine Mutter möchte ich erwähnen, dass heute Gerdas Schwester Thea ihren 94. Geburtstag feiert.
Wir sind stolz und glücklich, das Thea immer noch so rüstig und aktiv ist. Sie geht jeden Tag selbstständig einkaufen, ist sehr gut zu Fuß und erfreut sich stabiler Gesundheit.
Meine Tante ist lebensfroh und mitteilsam, über den Tod macht sie sich keine Gedanken. "Warum sollte ich das tun"? entgegnete sie mir einmal. Sie freut sich über jeden Tag, der ihr geschenkt wird - was für ein Vorbild!
Gerda und Thea waren als Geschwister ein Herz und eine Seele, wie unzertrennliche Zwillinge, leider endete der Weg meiner Mutter schon vor
31 Jahren.
Im Album finden Sie Bilder von Gerdas Schwester in jungen Jahren:
Bild 11 zeigt Thea rechts auf den Stufen des Elternhauses, neben meiner Mutter.
Auf Bild 12 steht meine Tante links, in der Mitte ihre Mutter Theresia, rechts Gerda.
Foto 13 zeigt die beiden Schwestern in inniger Vertrautheit, Thea links, Gerda rechts.
Auf dem 14. Bild des Albums sieht man meine Mutter und meine Tante zusammen mit ihren Eltern. Thea steht ganz links, Gerda rechts.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht
von Gertrud Goes.
Nun ist der August schon weit fortgeschritten - nach ein paar sehr heißen Tagen mit großer Schwüle und schlechter Luftqualität mit zu hohen Ozonwerten haben wir nun eine Atempause - leicht bewölkt bei 19° C.
So langsam kommt die Zeit, wo Gerdas Abschiedsweh des Sommers begann - mit der Hoffnung auf einen noch warmen September.
Sommerabendwind
von Gertrud Goes
Leiser Sommerabendwind,
Der durch reife Gräser schleicht,
So wie die schlanke Männerhand
Über Frauenhaare streicht;
Leiser Sommerabendwind,
Der um volle Rosen geht
Und von jedem offnen Kelch
Eine Welle Duft erfleht;
Leiser Sommerabendwind,
Der mit Tönen überrascht,
Der von zartem Vogellied
Noch den letzten Laut erhascht;
Leiser Sommerabendwind,
Der die Mittagswolken kühlt,
Und das ganze Himmelszelt
Nach versunknem Glanz durchwühlt;
Leiser Sommerabendwind,
Sag mir, flogst du aus dem Tor,
Das der Sel’gen Gärten schließt,
Eben leicht beschwingt hervor?
Leiser Sommerabendwind,
Hast die Sehnsucht mir geweckt,
Dass nach deinem Heimatland
Meine Seele froh sich reckt!
Gertrud Goes, geborene Staehle, *25.11.1878 in Löwenstein, damals zum Oberamt Weinsberg/ Württemberg gehörend, heute zum Landkreis Heilbronn, +30. Dezember 1915 in Engelsbrand, damaliger Schwarzwaldkreis, heute zum Enzkreis, Baden-Württemberg. Engelsbr. ist Nachbarort von Pforzheim.
Goes war eine deutsche Dichterin und Erzählerin.
Zur Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff.
Gerda mochte die Verse von Droste-Hülshoff sehr gern, wie auch ich - seit ich zu Schulzeiten das gespenstische Gedicht "Der Knabe im Moor" erörtern musste.
Meine Mutter liebte den Mond, den Vollmond
über alles, zelebrierte diesen förmlich.
Seit 09:55 Uhr haben wir wieder Vollmond, schon in der vergangenen Nacht war unser Erdtrabant besonders schön zu beobachten - welch träumerischer Zauber geht doch von ihm aus!
Passend dazu die folgenden Verse von
Annette von Droste-Hülshoff:
Mondesaufgang
Auf des Balkones Gitter lehnte ich
Und wartete, du mildes Licht, auf dich;
Hoch über mir, gleich trübem Eiskrystalle,
Zerschmolzen, schwamm des Firmamentes Halle,
Der See verschimmerte mit leisem Dehnen,
- Zerfloßne Perlen oder Wolkenthränen? -
Es rieselte, es dämmerte um mich,
Ich wartete, du mildes Licht, auf dich!
Hoch stand ich, neben mir der Linden Kamm,
Tief unter mir Gezweige, Ast und Stamm,
Im Laube summte der Phalänen Reigen,
Die Feuerfliege sah ich glimmend steigen;
Und Blüthen taumelten wie halb entschlafen;
Mir war, als treibe hier ein Herz zum Hafen,
Ein Herz, das übervoll von Glück und Leid,
Und Bildern seliger Vergangenheit.
Das Dunkel stieg, die Schatten drangen ein, -
Wo weilst du, weilst du denn, mein milder Schein! -
Sie drangen ein, wie sündige Gedanken,
Des Firmamentes Woge schien zu schwanken,
Verzittert war der Feuerfliege Funken,
Längst die Phaläne an den Grund gesunken,
Nur Bergeshäupter standen hart und nah,
Ein finstrer Richterkreis, im Düster da.
Und Zweige zischelten an meinem Fuß
Wie Warnungsflüstern oder Todesgruß,
Ein Summen stieg im weiten Wasserthale
Wie Volksgemurmel vor dem Tribunale;
Mir war, als müsse etwas Rechnung geben,
Als stehe zagend ein verlornes Leben,
Als stehe ein verkümmert Herz allein,
Einsam mit seiner Schuld und seiner Pein.
Da auf die Wellen sank ein Silberflor,
Und langsam steigst du, frommes Licht, empor;
Der Alpen finstre Stirnen strichst du leise,
Und aus den Richtern wurden sanfte Greise,
Der Wellen Zucken ward ein lächelnd Winken,
An jedem Zweige sah ich Tropfen blinken,
Und jeder Tropfen schien ein Kämmerlein,
Drin flimmerte der Heimathlampe Schein.
O, Mond, du bist mir wie ein später Freund,
Der seine Jugend dem Verarmten eint,
Um seine sterbenden Erinnerungen
Des Lebens zarten Widerschein geschlungen,
Bist keine Sonne, die entzückt und blendet,
In Feuerströmen lebt, in Blute endet -
Bist, was dem kranken Sänger sein Gedicht,
Ein fremdes, aber o ein mildes Licht!
Annette von Droste-Hülshoff, *12. Januar 1797 (andere Quellen 10. Jan.) auf der Burg Hülshoff, Havixbeck (Gemeinde an Münster/Westfalen grenzend), +24. Mai 1840 auf Burg Meersburg
in Meersburg, heutiger Bodenseekreis.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kleines Gedicht
von Victor Blüthgen.
Wir erleben derzeit sehr wechselhaftes Sommerwetter - auch die ersten Augusttage
sind /waren geprägt von häufigen, starken Schauern.
Gerda hat es gehalten wie in den folgenden Versen:
Regen bloß bei Nacht -
und immer wär es Sonnenschein!
Schlechtes Wetter
von Victor Blüthgen
Liese, es regnet Seile;
Ich sterbe vor Langerweile.
Ich glaube, die Blasen schwimmen dort –
Jetzt regnet’s vier Wochen immer so fort.
Ich sollte der liebe Gott mal sein.
Da gäb’ es Regen bloß bei Nacht,
Und immer wär’ es Sonnenschein,
Wenn ich im Bett wär’ aufgewacht.
Victor Blüthgen, *04. Januar 1844 in Zörbig,
heute zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Sachsen-Anhalt, +02. April 1920 in Berlin.
Blüthgen war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Theologe.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht
von Theodor Storm, passend zur Jahreszeit.
Dieser Juli ist ziemlich durchwachsen, es gab wenige heiße Tage, viele Schauer, wechselnde Bewölkung bei recht moderaten Temperaturen.
Was mir sehr gefällt, wäre Gerda gar nicht so genehm gewesen - ein ständig blauer Himmel
bei 30° C war ihre Vorstellung von einem guten Sommer...ich halte es eher wie ein Hamburger Meteorologe, der mal im TV erwähnte, dass es nichts langweiligeres gibt als einen ständig blauen Himmel - und dass das zeitweilige "Hamburger Schmuddelwetter" doch eigentlich ganz schön ist..
Natürlich aber in Gerdas Sinne ein sommerbejahendes Gedicht:
Abseits
von Theodor Storm
Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen;
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.
Ein halbverfallen niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen;
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
- Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.
Hans Theodor Woldsen Storm, * 14. September 1817 in Husum, Herzogtum Schleswig, + 04. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen (heute Kreis Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Holstein)
Storm war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker, welcher vor allem durch seine Novellen bekannt wurde - er gehört er zu den bedeutendsten Vertretern des Poetischen Realismus.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Friedrich Rückert über das Lachen.
Gerda hatte ein sehr ansteckendes Lachen.
Es konnte einfach so herausplatzen, gleich
in welcher Gesellschaft oder Situation - und
damit steckte sie andere an, brachte selbst
den hölzernsten Menschen zum Schmunzeln.
Es glich durchaus dem schallenden Lachen von Montserrat Caballé, vielleicht erinnern Sie sich an einige ihrer Auftritte in großen TV-Shows, wenn diese beispielshalber von Gottschalk erheitert wurde...
...das Lachen meiner Mutter werde ich nie vergessen, ich höre es noch oft...und muss doch lächeln...
Das Lachen
von Friedrich Rückert
O nehmt es mir nicht übel,
Wenn über euch ich lache,
Weil ich einmal muß lachen!
Selbst über mich nicht minder
Als über euch ich lache;
Und nehm’ es euch nicht übel,Daß
über mich ihr lachet,
Wenn ihr nicht seid im Stande
Selbst über euch zu lachen!
Friedrich Rückert, *16. Mai 1788 in Schweinfurt, +31.01.1866 in Neuses, heute zu Coburg, BY - Rückert war dt. Dichter, Lyriker, Übersetzer und Orientalist.
Zur Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Theodor Storm.
Gerda liebte unseren Mond über alle Maßen, zelebrierte ihn förmlich - wie auch ich.
In Kürze haben wir wieder Vollmond, 20. Juli, ab ca. 22:35 h - je nach Wohnort in Deutschland.
Oft saß ich mit meiner Mutter am Fenster und
wir bewunderten unseren wunderschönen Erdtrabanten gemeinsam. Ging Gerda schlafen, öffnete sie weit die Vorhänge, um den Mond auch gut zu sehen - um friedlich, träumerisch und sanft mit seinem silbernen Lichte einzuschlummern. Ich tat es ihr als Kind schon gleich.
Bei Vollmond schlecht schlafen können? Bei uns eine Fehlanzeige. Um so besser kam Gerda, auch ich heute noch in einen erholsamen Schlaf...
...manchmal sang meine Mutter beim Betrachten des Mondes ruhige Lieder, wie zum Beispiel "Moon River."
Gerda und der Vollmond - eine große Liebe, die auch ich verinnerlicht habe.
Mondlicht
von Theodor Storm
Wie liegt im Mondenlichte
Begraben nun die Welt;
Wie selig ist der Friede,
Der sie umfangen hält!
Die Winde müssen schweigen,
So sanft ist dieser Schein;
Sie säuseln nur und weben
Und schlafen endlich ein.
Und was in Tagesgluten
Zur Blüte nicht erwacht,
Es öffnet seine Kelche
Und duftet in die Nacht.
Wie bin ich solchen Friedens
Seit lange nicht gewohnt!
Sei du in meinem Leben
Der liebevolle Mond!
Theodor Storm, *14.09. 1817 in Husum, +04.07. 1888 in Hanerau-Hademarschen, heute zum Kreis Rendsburg-Eckernförde, Schleswig- Holstein.
Heute vor 95 Jahren wurde meine Mutter Gerda um 11:15 Uhr in ihrem Elternhaus als erstes Kind von Wilhelm und Theresia Remiorz geboren.
Gerdas Schwester Thea ist 93 Jahre alt und erfreut sich noch recht guter Gesundheit.
Meine Mutter wurde leider nur 63 Jahre alt,
sie starb im Januar 1994 an einer schweren Herzkrankheit.
Heute werde ich mich an ihre vielen schönen Geburtstagsfeiern in meiner Kindheit und Jugend erinnern, meist spielte auch das Wetter mit an diesem Julitag.
Leckere Obstböden mit Schlag, eine Mockatorte und Eiskrem verwöhnten Gerdas Gäste am Nachmittag.
Bei gutem Wetter wurde gen Abend in unserem Garten gegrillt, ich erinnere mich aber auch an kalte Buffets, üppige Käseplatten und sonstige Leckereien.
Nach dem Tod meines Vaters feierte Gerda nie wieder ihren Geburtstag und verreiste stets. Es waren nur noch acht Wiegenfeste, die meine Mutter fortan erleben konnte.
Hab Sonne im Herzen
von Cäsar Flaischlen
Hab Sonne im Herzen,
ob’s stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit ...
hab Sonne im Herzen,
dann komme was mag:
Das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!
Hab ein Lied auf den Lippen
mit fröhlichem Klang,
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang ...
hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme was mag:
Das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!
Hab ein Wort auch für andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut lässt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
Cäsar Otto Hugo Flaischlen, *12. Mai 1864 in Stuttgart, +16. Oktober 1920 im Sanatorium Horreck in Gundelsheim.
Flaischlen war Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Lyriker und Mundartdichter.
Heute vor 32 Jahren starb Gerdas Vater, mein Opa Wilhelm, im Alter von 89 Jahren nach kurzer Schwäche im hiesigen Hospital.
Gerda und Wilhelm verstanden sich äußerst gut, wie sollte es auch anders sein bei solch einem Vater? Laut Gerdas Aussagen und auch ihrer Schwester Thea hat er nie wirklich geschimpft,
hat niemals die Hand gegenüber seinen Töchtern erhoben. Er hat ihnen eine schöne Kindheit und Jugend bereitet - sie durch Kriegswirren väterlich beschützend geführt, da er auch aus bestimmten Gründen nicht zum Wehrdienst musste.
Wilhelm war ein äußerst humorvoller Großvater, der immer einen Scherz auf den Lippen hatte, immer sehr heitere Anekdoten erzählte.
Als 1979 der amerik. Schauspieler John Wayne starb, titelte ein großes deutsches Boulevardblatt die Schlagzeile:
"Er starb wie ein Held"
Gerdas Vater sagte zu mir: "...das werden sie über mich nicht schreiben, wenn ich einmal sterbe!"
...doch, Opa, Du bist wie ein Held gestorben, mit einem Lächeln im Gesicht, einem letzten Scherz auf den Lippen und ohne Furcht.
Und ich schreibe es DOCH über Dich:
"Wilhelm starb wie ein Held"
Für Gerda. Für Wilhelm.
Inschrift auf John Waynes Grabstein:
„Der morgige Tag ist das Wichtigste im Leben. Er kommt zu uns um Mitternacht – ganz rein. Er ist makellos, wenn er ankommt, und gibt sich in unsere Hände. Er hofft, dass wir vom Gestern etwas gelernt haben.“
John Wayne, 26.05.1907 in Winterset, Iowa, +11.06.1979 in L.A.
Zur Gedenkkerze am Fronleichnamsfest ein passendes, langes Gedicht von Georg Heym.
Sind sie vielleicht (auch) katholisch und folgten heute gar einer Prozession? Nahmen Sie schon einmal an einer teil? Zumindest haben fünf Bundesländer heute einen Feiertag.
Oder freuen sich wenigstens, sollten Sie auch in einem der fünf südlicheren Bundesländer wohnen, über einen freien, ruhigen in der Woche - für viele ist auch morgen hierzulande ein Brückentag, ein "langes Wochenende" hat begonnen.
Ich erinnere mich an einige Prozessionen, die
ich mit meiner Mutter, Vater, Bruder, Großeltern beiwohnte. Mal die kleine Prozession in unserem Ortsteil, aber auch der wesentlich größere, feierliche Umzug im benachbarten Stadtteil.
Ich bekam eben Bilder und Clips der unglaublich pompösen Fronleichnamsprozession von Bekannten aus dem oberbayerischen Ruhpolding zugesandt. Wunderschön, die ganzen Trachten der teilnehmenden Damen und Herren zu bewundern!
Gerda nahm immer gern an einer Prozession teil, war diese doch überwiegend bei gutem Wetter - anschließend gab es ein kleines Fest rund um die Kirche mit Bratwurst, Salaten und Waffeln...und man traf viele Bekannte zum Schnacken...
Fronleichnamsprozession
von Georg Heym
O weites Land des Sommers und der Winde,
Der reinen Wolken, die dem Wind sich bieten.
Wo goldener Weizen reift und die Gebinde
Des gelben Roggens trocknen in den Mieten.
Die Erde dämmert von den Düften allen,
Von grünen Winden und des Mohnes Farben,
Des schwere Köpfe auf den Stielen fallen
Und weithin brennen aus den hohen Garben.
Des Feldwegs Brücke steigt im halben Bogen,
Wo helle Wellen weiße Kiesel feuchten.
Die Wassergräser werden fortgezogen,
Die in der Sonne aus dem Bache leuchten.
Die Brücke schwankt herauf die erste Fahne.
Sie flammt von Gold und Rot. Die Seidenquasten
Zu beiden Seiten halten Kastellane
Im alten Chorrock, dem von Staub verblassten.
Man hört Gesang. Die jungen Priester kommen.
Barhäuptig gehen sie vor den Prälaten.
Zu Flöten schallt der Messgesang. Die frommen
Und alten Lieder wandern durch die Saaten.
In weißen Kleidchen kommen Kinder singend.
Sie tragen kleine Kränze in den Haaren.
Und Knaben, runde Weihrauchkessel schwingend,
Im Spitzenrock und roten Festtalaren.
Die Kirchenbilder kommen auf Altären.
Mariens Wunden brennen hell im Licht.
Und Christus naht, von Blumen bunt, die wehren
Die Sonne von dem gelben Holzgesicht.
Im Baldachine glänzt des Bischofs Krone.
Er schreitet singend mit dem heiligen Schrein.
Der hohe Stimmenschall der Diakone
Fliegt weit hinaus durch Land und Felderreih’n.
Der Truhen Glanz weht um die alte Tracht.
Die Kessel dampfen, drin die Kräuter kohlen.
Sie ziehen durch der weiten Felder Pracht,
Und matter glänzen die vergilbten Stolen.
Der Zug wird kleiner. Der Gesang verhallt.
Sie ziehn dahin, dem grünen Wald entgegen.
Er tut sich auf. Der Glanz verzieht im Wald,
Wo goldne Stille träumt auf dunklen Wegen.
Der Mittag kommt. Es schläft das weite Land,
Die tiefen Wege, wo die Schwalbe schweift,
Und eine Mühle steht am Himmelsrand,
Die ewig nach den weißen Wolken greift.
Georg Heym, *30.10.1887 in Hirschberg, Schlesien (heutiges Jelenia Gora der pl. Woiwodschaft Niederschlesien), +16.01. 1912 in Gatow (Wannsee), seit 1920 zum Berliner Stadtbezirk Spandau gehörend.
Heute vor 118 Jahren wurde Gerdas Mutter, meine Oma Theresia als dreizehntes (!) und letztes Kind ihrer Eltern im ostpreußischen Wuttrienen (heute Butrynin) geboren, dem letzten Zipfel des Ermlands. Als dreizehntes Kind? Man kann dies eigentlich kaum glauben...
Was hatte Gerda mit ihrer Mutter gemein? Bei erster Betrachtung sicherlich nicht so viel - beide waren aber sehr herzlich, lebhaft, direkt - Gerda war schillernd, Theresia eher unauffällig.
Meine Mutter ging mit der Zeit - ihre Mutter
konnte sich im Prinzip nie an eine modernere
Zeit gewöhnen.
Man musste Oma Theresia tatsächlich eine Waschmaschine, einen Kühlschrank und ein Telefon aufzwingen - sie lehnte dies immer strikt ab, bis in die 80er Jahre. Sie kühlte Lebensmittel im Keller, wusch mit einem Waschbrett im Stall, rief von einer Telefonzelle an. Ein Fernsehgerät hatte Theresia aber schon in den 70er Jahren - immerhin!
Wie gerne schaue ich zurück auf die Geburtstage meiner Oma Theresia, das Haus und der Garten waren voller Menschen. Theresia buk die besten Kuchen und kreierte die tollsten Torten, ihr schmackhafter Kartoffelsalat mit dicken
Knackern waren ebenfalls ein Schmaus.
Wir konnten bis zur Wende auch immer in Omas Geburtstag hinein feiern, da ja zu der Zeit der 17. Juni der Tag der Deutschen Einheit war.
Ich werde heute viel an Theresias Geburtstage zurückdenken - und uns heute den leckeren Kartoffelsalat nach Theresias Rezept zubereiten, welchen Gerda auch in gleicher Perfektion adaptierte...
"Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf Euch kommen wird,
und werdet meine Zeugen sein"
Apostelgeschichte, 1.8
Zur Gedenkkerze für Gerda zum morgigen Pfingstfest kein Gedicht.
Meine Gedanken sind bei einer Verwandten, die unheilbar erkrankt ist. Diese Nachricht ereilte mich heute.
In der nächsten Zeit werde ich somit auf den Gedenkseiten meiner Mutter, meines Vaters, Großmutter und Großvaters nur einen kurzen Begleittext verwenden, ein Bibelzitat, ggf. ein angepasstes Gedicht.


