Gerda Sophia Steinhardt

Gerda Sophia
Steinhardt

03.07.1930
Gladbeck
-
11.01.1994
Gladbeck

stimmungsbild
ZurückEine brennende Kerze: Kerze rosa geschwungen
Der dreizehnte Monat

Von Andreas Steinhardt 28.01.2026 um 17:49 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Kästner.

Gerda würde am Ende des Januars schon voller Hoffnung auf das Frühjahr blicken, war ihr doch die dunkle Jahreszeit sehr zuwider.

Wie säh ein 13. Monat aus, wenn er sich wünschen ließe, fragt Kästner im ersten Vers - das Beste aus allen Monaten vereint?

Meine Mutter hätte sich sicherlich einen Sommermonat gewünscht, zwischen Dezember und Januar - aber dann wieder zurückfallen in
die Februar-Winterstarre? Nein, es ist gut wie es ist...

Es gibt Berichte von Auswanderern, die nach einigen Jahren - zum Beispiel aus der Karibik - zurückkehrten, weil Ihnen auf Dauer die Jahreszeiten fehlten...


Der dreizehnte Monat
von Erich Kästner
aus der Sammlung "Die dreizehn Monate", gekürzt

Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?

Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden
im Herbstgeäst.

Das Korn wär gelb und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, lass uns an dich glauben!
Die Zeit hat Raum.

Verzeih, dass wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht, dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen’s, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.

Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen,
aus Farben, die kein Regenbogen zeigt.
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen.
Du schweigst? Er schweigt.

Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.


Interpretation aus dem Netz (mein-lernen.at):

Erich Kästners Gedicht "Der dreizehnte Monat" ist eine poetische Utopie jenseits der gewohnten Zeitordnung. In fantasievollen Bildern entwirft er einen idealen Monat, der das Beste aller Jahreszeiten in sich vereint. Dabei reflektiert das Gedicht zugleich die Begrenztheit menschlicher Sehnsucht und die Grenzen der Wirklichkeit.