Von Andreas Steinhardt 08.02.2026 um 11:46 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Februargedicht von Erich Kästner.
Nun, es schneit heute nicht in hiesigen Breitengraden wie in den folgenden Versen der Februar mit seiner (besonders in diesem Jahr) Wechselhaftigkeit beschrieben wird, es herrschen Plusgrade vor, der Himmel ist etwas bedeckt.
Gerda, das Sommerkind und Sonnenanbeterin, würde den März herbeisehnen -.obwohl dieser auch in unserer Region in manchem
Jahr durchaus schon mit Schneetagen daher kam - mir wärs genehm.
Nun, gegen eine schöne Schneelandschaft bei Sonnenschein hatte meine Mutter durchaus nichts einzuwenden, konnte sich auch daran erfreuen...
Februar
von Erich Kästner
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor
und Kabarettdichter. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung





