Von Andreas Steinhardt 02.10.2025 um 12:28 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht, passend zum Oktoberbeginn, von Theodor Storm.
Freuen Sie sich über den Oktoberanfang? Die meisten sicherlich nicht so sehr - obwohl ihn
viele dennoch loben - kann er sich doch von
seiner prächtigen Seite zeigen. Als Herbst- und Winterkind freue ich mich sehr auf den Oktober - als Beginn "meiner Jahreszeiten."
Für Gerda, der Sonnenanbeterin, war mit dem Oktoberbeginn ihr geliebter Sommer nun aber endgültig Geschichte...wirklich? Die ersten beiden Tage dieses Monats zeigten sich durchaus von ihrer schönen Seite - und nach einer prognostizierten durchwachseneren Phase spätestens ab Samstag, wird sich der Oktober sicherlich noch öfter von seiner prachtvollen
Seite zeigen...
Storm blickt in seinem Gedicht "Oktoberlied" vorausschauend auf trübe, graue Herbsttage. Aber: Der Dichter fordert uns vielmehr auf, diese beschriebene Zeit zu vergolden - in der 5. Strophe sogar mit einem Weitblick auf das noch ferne, kommende Frühjahr...
Oktoberlied
von Theodor Storm
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz, -
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissens doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenkt ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen.
Theodor Storm, *14. Sept. 1817 in Husum,
damaliges Herzogtum Schleswig, +04. Juli
1888 in Hanerau-Hadermarschen, heutiger
Kreis Rendsburg-Eckernförde.





