Von Andreas Steinhardt 18.01.2026 um 18:04 Uhr | melden
"Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne."
Aurelius Augustinus
Vor zwei Tagen trugen wir meine Cousine Gaby, Gerdas Nichte, zu Grabe - am heutigen 18. Januar vor 32 Jahren fand die Trauerfeier für Gerda statt, die mit 63 Jahren, nach schwerer Herzkrankheit, auch viel zu früh von uns ging.
Es war damals ein klarer, kalter Wintermorgen mit Rauhreif, und später während der Zeremonie am Grab schönstem Sonnenschein. Zunächst fand am noch dunklen Morgen, bereits um 8 Uhr in der Früh das Requiem im Rahmen einer Eucharistiefeier in der hiesigen Josefskirche statt.
Den Trauergottesdienst zelebrierte Pastor Norbert Hoffmann (+2018) - ein Original, ein Priester zum anfassen, ein Menschenfischer, mit schönem Humor. Einige seiner Predigten erweckten einst durchaus Heiterkeit.
Nach dem Trauergottesdienst, bei dem Pastor Hoffmann (auch Buchautor, meine Empfehlung, Wikipedia "Norbert Hoffmann, Geistlicher, 1942") wohltuende, tröstende Worte fand, ging die aufgrund Gerdas großen Bekanntheitsgrades immense Anzahl
von Trauergästen geschlossen zum fast neben der Kirche gelegenen Friedhof.
Mit meinem kleinen Neffen ging ich kurz hinter dem Pastor dem Trauerzug voran. Beim Tod seiner Oma Gerda war er gerade 8 Jahre alt. Der jüngste Enkel und ich als jüngster Sohn schritten Hand in Hand voran, die kalte, aber doch tröstende Wintersonne schaute zwischen den hohen Baumwipfeln noch etwas blass heraus. Einige Rabenkrähen begleiteten uns mit ihren klagenden Lauten. Ein surreales Bild.
Während der Zeremonie am Grab schaute ich grundsätzlich nur in Richtung Sonne, welche nun wolkenfrei am Himmel stand und stellte mir vor, dass Gerda uns jetzt vielleicht von oben zusieht...
Während des Trauerkaffees hatte ich Gelegenheit, mit lang nicht mehr gesehenen Verwandten wie WeggefährtInnen von Gerda zu sprechen. Wir sprachen über ihr Leben, was sie doch für ein besonderer Mensch war, wie sehr wir Gerda, ihr ansteckendes Lachen, vermissen werden.
Am sehr späten Nachmittag, die Sonne setzte sich gerade, ging ich noch einmal - alleine - zum Grab meiner Mutter. Zuvor, am frühen Nachmittag, war ich mit meinen Verwandten zum Friedhof gegangen, um die ersten Kerzen dort anzuzünden. Zur beginnenden Dämmerung, wollte ich zum ersten Mal allein am Grab meiner Mutter stehen. Die Sonne, die uns am Morgen so tröstend begleitete ging langsam unter, müde vom anstrengenden Tag, wie auch ich. Eine Weile schaute ich mir die sich setzende Sonne an, wie ich am Morgen auch aufschaute bei ihrer beginnenden Runde. Es war ein so lichterfüller Januartag - ganz, wie Gerda ihn sich bestimmt für ihre Trauerfeier auch so gewünscht hätte. Ich dachte so bei mir..."nun bist Du dort, Mutter, dort oben, da irgendwo, wo die Sonne auch ihre Bahnen zieht...deine geliebte Sonne geht für Dich niemals mehr unter..."
Die Trauerfeier für meine Cousine am 16. Januar wies einige Parallelen zur der meiner Mutter auf. Die Herzen flogen auch ihr nur so zu, das ehrenvolle Geleit durch eine Vielzahl Verwandter und noch mehr Weggefährten.
An beiden Trauerfeiern nahm noch die eigene Mutter teil, am Begräbnis von Gerda meine Oma Theresia und an dem meiner Cousine ihre Mutter, meine Tante Thea (94). Sehr traurig, den Tod der eigenen Töchter miterleben zu müssen.
Und auch das Wetter glich dem vor 32 Jahren:
Die zunächst milchig schimmernde Sonne kam während der Zeremonie am Grab wunderschön heraus...
"Du bist nicht mehr da, wo Du warst, aber Du bist überall, wo wir sind.“
Victor Hugo





