Von Andreas Steinhardt 24.04.2026 um 11:46 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Rainer Maria Rilke.
Der April macht was er will - es traf auch dieses Jahr manchmal zu -
es gab einige kühle und windige Tage, aber viele sehr sonnige wie die letzten Tage - davon ein paar knapp über 20° C - allerdings wenig Regen in unseren Breitengraden, was wiederum nicht so gut für die Natur ist.
Gerda wäre sicherlich mit diesem (bisherigen) April durchweg zufrieden gewesen - haben wir doch schon ganz andere erlebt - und würde dem Mai entgegen fiebern - für meine Mutter der Auftakt "ihrer Jahreszeit" - aber: Gerda wurde auch so manches Mal enttäuscht, wenn der Mai doch noch wider Erwarten kühl und nass daher kam... wartet wir es ab...
Aus einem April
von Rainer Maria Rilke
Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.





