Von Andreas Steinhardt 18.01.2023 um 12:24 Uhr | melden
Am 18. Januar vor 29 Jahren fand die Trauerfeier für Gerda statt, die mit 63 Jahren, nach schwerer Herzkrankheit viel zu früh von uns ging. Es war ein klarer, kalter Wintermorgen mit Rauhreif, ähnlich wie auch heute, und während der Zeremonie schönstem Sonnenschein. Zunächst fand am fast noch dunklen Morgen, bereits um 8 Uhr in der Früh das Requiem im Rahmen einer Eucharistiefeier in der kath. Kirche St. Josef Gladbeck-Rentfort statt. Die Heilige Messe zelebrierte Pastor Norbert Hoffmann +, ein Original, ein Priester zum anfassen, ein Menschenfischer.
Nach dem Trauergottesdienst, bei dem Pastor Hoffmann (er war auch Buchautor, meine Empfehlung, Wikipedia) wohltuende, tröstende Worte fand, ging die aufgrund Gerdas großen Bekanntheitsgrades immense Anzahl von Trauergästen geschlossen zum direkt neben der Kirche gelegenen Friedhof Gladbeck-Rentfort.
Hinter dem Pastor ging ich mit meinem kleinen Neffen dem Trauerzug voran. Beim Tod seiner Oma Gerda war er gerade 8 Jahre alt. Der jüngste Enkel und ich als jüngster Sohn schritten Hand in Hand voran, die kalte, aber doch tröstende Wintersonne schaute zwischen den hohen Baumwipfeln neugierig heraus. Einige Rabenkrähen begleiteten uns mit ihren klagenden, fast schluchzenden Lauten. Ein surreales Bild.
Während der Zeremonie am Grab schaute ich grundsätzlich nur in Richtung Sonne, stellte mir vor, das Gerda uns jetzt vielleicht von oben zusieht...
Während des Trauerkaffees hatte ich Gelegenheit, mit lang nicht mehr gesehenen Verwandten wie WeggefährtInnen von Gerda zu sprechen. Wir sprachen über ihr Leben, was sie doch für ein besonderer Mensch war, wie sehr wir Gerda, ihr ansteckendes Lachen, vermissen werden.
Am späten Nachmittag, die Sonne setzte sich gerade, ging ich noch einmal - alleine - zum Grab meiner Mutter. Zuvor, am frühen Nachmittag ging ich noch mit meinen Verwandten zum Grab um die ersten Kerzen am ihrem Grab anzuzünden. Ich wollte unbedingt in der beginnenden Dämmerung zum ersten Mal allein am Grab meiner Mutter stehen. Die Sonne, die uns am Morgen so tröstend zusah, ging langsam unter, müde vom anstrengenden Tag, wie auch ich. Eine Weile schaute ich mir die sich setzende Sonne an, wie ich am Morgen auch aufschaute bei ihrer beginnenden Runde. Es war ein so lichterfüller Januartag - ganz, wie Gerda ihn sich mit Bestimmtheit für ihre Trauerfeier auch so gewünscht hätte. Ich dachte so bei mir...nun bist Du dort, Mutter, dort oben, da irgendwo, wo die Sonne auch ihre Bahnen zieht...deine geliebte Sonne geht für Dich niemals mehr unter...





