Von Andreas Steinhardt 27.04.2023 um 23:42 Uhr | melden
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Rilke.
Der kälteste und nasseste April seit Jahrzehnten geht bald vorüber. Sind Sie dem launischen Wetter bereits überdrüssig? Ich gar nicht mal. Der Islandfan fühlt sich pudelwohl und genießt es derweil...Gerda wäre kreuzunglücklich, das uns der April nicht bereits mit vielen warmen Tagen verwöhnte...gut, das ich auch andere Menschen kenne, welche doch mehr den Herbst und Winter zelebrieren... gehören Sie vielleicht auch zu dieser Minderheit?
Für Gerda. Für Axel.
Aus einem April
Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern
schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er
leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion sur Montreux





