Von Andreas Steinhardt 05.03.2024 um 13:58 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, passend zum (meteorologischen) Frühlingsbeginn am 1. März.
Der März, der Frühlingsanfang war für Gerda einer Wiedergeburt ihres Lebens und Blüte gleich, ihre so verschmähte, kalte Jahreszeit war im Prinzip vorbei. Warten wir es ab - auch in meiner Region gab es öfter einmal "Osterschnee" - das selbst ernannte Winterkind würde sich jedenfalls nicht beschweren...
Frau Venus
von Joseph von Eichendorff
Was weckst du, Frühling, mich von neuem wieder?
Dass all die alten Wünsche auferstehen,
Geht übers Land ein wunderbares Wehen;
Dass schauert mir so lieblich durch die Glieder.
Die schöne Mutter grüßen tausend Lieder,
Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen.
Der Wald will sprechen, rauschend Ströme
gehen, Najaden tauchen singend auf und nieder.
Die Rose seh ich gehn aus grüner Klause
Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln,
Errötend in die laue Flut sich dehnen.
So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause -
Und schmerzlich nun muss ich im Frühling lächeln,
Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor,
damaliges Oberschlesien, + 26. November 1857
in Neisse, Oberschlesien. Von Eichendorff war
ein bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik.





