Von Andreas Steinhardt 30.03.2025 um 11:34 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Joseph von Eichendorff über die Nachtigall.
Wie komme ich auf diese Verse?
Am sehr späten Abend hörte ich mit meiner Partnerin den Gesang der Nachtigall, welche sich im Frühjahr durch ihre "Melodien" auf nächtlicher Partnersuche befindet.
Schauen Sie einmal bei "Wikipedia - Nachtigall" hinein, dort bekommen Sie unter dem Unterpunkt "Gesang" eine Auswahl zwischen den 120-260 unterschiedlichen Strophentypen, die der Vogel offenbar beherrscht, als Mitschnitt geboten.
Die Überleitung zu Gerda ist diese, dass meine Mutter mich in ähnlicher Weise an späten Abenden auf den Gesang der Nachtigall aufmerksam machte - sie beschrieb mir diesen
als ihren Lieblingsvogel - wie kläglich, wie hoffnungsvoll er (nur die männliche Nachtigall singt) seine sehnsüchtigen Melodien - teilweise die ganze Nacht - anstimmt...
Nachtigall
von Joseph von Eichendorff
Nach den schönen Frühlingstagen,
Wenn die blauen Lüfte wehen,
Wünsche mit dem Flügel schlagen
Und im Grünen Amor zielt,
Bleibt ein Jauchzen auf den Höhen;
Und ein Wetterleuchten spielt
Aus der Ferne durch die Bäume
Wunderbar die ganze Nacht,
Daß die Nachtigall erwacht
Von den irren Widerscheinen,
Und durch alle sel’ge Gründe
In der Einsamkeit verkünde,
Was sie alle, alle meinen;
Dieses Rauschen in den Bäumen
Und der Mensch in dunkeln Träumen.
Interpretation von planetlyrik.de:
Wenn hier der Lieblingsvogel Eichendorffs, die Nachtigall, „erwacht“, dann schlägt er seine Augen auf in einer vexierhaft verspiegelten Welt, die nicht durchweg das Licht der Schöpfungsherrlichkeit offenbart. Es ist im Gegenteil die Nachtseite der Vernunft, „der Mensch in dunkeln Träumen“, die von der Nachtigall „verkündet“ werden. Schönheit und Schrecken liegen dicht beieinander.
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff,
*10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien, +26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien, heutiges Nysa, poln. Woiwodschaft Oppeln, Opole.
Eichendorff war ein sehr bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern, und ist zudem auch als Prosadichter ("Aus dem Leben eines Taugenichts") bis heute gegenwärtig.





