Gerda Sophia Steinhardt

Gerda Sophia
Steinhardt

03.07.1930
Gladbeck
-
11.01.1994
Gladbeck

stimmungsbild
ZurückEine brennende Kerze: Kerze gelb lang
König Mai

Von Andreas Steinhardt 23.05.2025 um 20:35 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Adolph Glaser.

Der Mai geht in seine letzte Etappe, de Anfang war hochsommerlich bei Temperaturen bis 28°C.,
nachfolgend blieb es bei warmen Temperaturen, meist über 20° C., sogar die Eisheiligen waren galant zu uns - was uns im Mai und Vormonaten das trockenste Frühjahr seit 1929 bescherte.

Die Natur schreit förmlich nach Regen - nun gab es heute in hiesigen Breitengraden die ersten kräftigen Schauer zur späten Mittagsstunde, sie kamen einem mittlerweile sehr fremd vor.

Gerda konnte warme, auch sehr warme Temperaturen kaum erwarten - zumindest sie wäre in diesem Frühjahr bisher voll auf ihre Kosten gekommen - aber auch durchaus gepaart mit Mitleid für die Natur.

Nun, in den nächsten Tagen erwartet uns prospektiv kühleres Wetter - mit vielen Schauern, auch teilweise lang anhaltendem Regen.

Nicht nur die Natur freut sich - auch ich - Sonnen- und Pollenallergie werden stark gedämpft...


König Mai

von Adolph Glaser


Als Bote eilt der März herbei
Und bringt der Erde frohe Kunde,
Dass sie erwählt vom Bräutgam sei
Als Braut zu süssem Liebesbunde
Und laut erklärt er in der Runde:
Der Bräutigam, das ist der Mai,
Der schöne Mai.

Da er die Kunde ihr gebracht,
Der Erde Freudentränen rinnen
Auf ihre ernste Jungfrautracht
Von glattgelegtem weissem Linnen;
Sie weiss nicht, was sie soll beginnen,
Denn wohlbekannt ist ihr der Mai,
Der schöne Mai.

Bald ist sie tiefbewegt, bald still,
Weiss nicht, was sie soll tun und lassen,
So wechselnd endet der April.
Nun muss sie in Geduld sich fassen,
Denn zwischen Lieb und zwischen Hassen
Träumt ahnend doch sie nur vom Mai,
Vom schönen Mai.

Der aber kommt mit einem Mal
Ganz unerwartet angezogen
Und übern Berg und durch das Tal
Ist sein Gefolge mitgeflogen:
Ein Zirpen, Girren, Schwirren, Wogen,
Ein Jauchzen kündigt an den Mai,
Den schönen Mai.

Wie wird der Braut so wohl und bang,
Sie fühlt ihr Herz an seinem Hangen,
Sein Hauch ist Duft, sein Wort Gesang,
Es glühn von Rosen seine Wangen,
Sie ruht von seinem Arm umfangen
Und jauchzt: O lieber, lieber Mai,
O schöner Mai!

Adolph Glaser (Pseudonym Reinhard Reimar), *15.12.1829 in Wiesbaden, +31.03.1915 in Freiburg.

Glaser war dt. Schriftsteller, Schriftleiter und Journalist.