Gerda Sophia Steinhardt

Gerda Sophia
Steinhardt

03.07.1930
Gladbeck
-
11.01.1994
Gladbeck

stimmungsbild
ZurückEine brennende Kerze: Kerze rot lang
Gedicht zu Fronleichnam

Von Andreas Steinhardt 19.06.2025 um 13:22 Uhr | melden

Zur Gedenkkerze am Fronleichnamsfest ein passendes, langes Gedicht von Georg Heym.

Sind sie vielleicht (auch) katholisch und folgten heute gar einer Prozession? Nahmen Sie schon einmal an einer teil? Zumindest haben fünf Bundesländer heute einen Feiertag.

Oder freuen sich wenigstens, sollten Sie auch in einem der fünf südlicheren Bundesländer wohnen, über einen freien, ruhigen in der Woche - für viele ist auch morgen hierzulande ein Brückentag, ein "langes Wochenende" hat begonnen.

Ich erinnere mich an einige Prozessionen, die
ich mit meiner Mutter, Vater, Bruder, Großeltern beiwohnte. Mal die kleine Prozession in unserem Ortsteil, aber auch der wesentlich größere, feierliche Umzug im benachbarten Stadtteil.

Ich bekam eben Bilder und Clips der unglaublich pompösen Fronleichnamsprozession von Bekannten aus dem oberbayerischen Ruhpolding zugesandt. Wunderschön, die ganzen Trachten der teilnehmenden Damen und Herren zu bewundern!

Gerda nahm immer gern an einer Prozession teil, war diese doch überwiegend bei gutem Wetter - anschließend gab es ein kleines Fest rund um die Kirche mit Bratwurst, Salaten und Waffeln...und man traf viele Bekannte zum Schnacken...



Fronleichnamsprozession

von Georg Heym


O weites Land des Sommers und der Winde,
Der reinen Wolken, die dem Wind sich bieten.
Wo goldener Weizen reift und die Gebinde
Des gelben Roggens trocknen in den Mieten.

Die Erde dämmert von den Düften allen,
Von grünen Winden und des Mohnes Farben,
Des schwere Köpfe auf den Stielen fallen
Und weithin brennen aus den hohen Garben.

Des Feldwegs Brücke steigt im halben Bogen,
Wo helle Wellen weiße Kiesel feuchten.
Die Wassergräser werden fortgezogen,
Die in der Sonne aus dem Bache leuchten.

Die Brücke schwankt herauf die erste Fahne.
Sie flammt von Gold und Rot. Die Seidenquasten
Zu beiden Seiten halten Kastellane
Im alten Chorrock, dem von Staub verblassten.

Man hört Gesang. Die jungen Priester kommen.
Barhäuptig gehen sie vor den Prälaten.
Zu Flöten schallt der Messgesang. Die frommen
Und alten Lieder wandern durch die Saaten.

In weißen Kleidchen kommen Kinder singend.
Sie tragen kleine Kränze in den Haaren.
Und Knaben, runde Weihrauchkessel schwingend,
Im Spitzenrock und roten Festtalaren.

Die Kirchenbilder kommen auf Altären.
Mariens Wunden brennen hell im Licht.
Und Christus naht, von Blumen bunt, die wehren
Die Sonne von dem gelben Holzgesicht.

Im Baldachine glänzt des Bischofs Krone.
Er schreitet singend mit dem heiligen Schrein.
Der hohe Stimmenschall der Diakone
Fliegt weit hinaus durch Land und Felderreih’n.

Der Truhen Glanz weht um die alte Tracht.
Die Kessel dampfen, drin die Kräuter kohlen.
Sie ziehen durch der weiten Felder Pracht,
Und matter glänzen die vergilbten Stolen.

Der Zug wird kleiner. Der Gesang verhallt.
Sie ziehn dahin, dem grünen Wald entgegen.
Er tut sich auf. Der Glanz verzieht im Wald,
Wo goldne Stille träumt auf dunklen Wegen.

Der Mittag kommt. Es schläft das weite Land,
Die tiefen Wege, wo die Schwalbe schweift,
Und eine Mühle steht am Himmelsrand,
Die ewig nach den weißen Wolken greift.

Georg Heym, *30.10.1887 in Hirschberg, Schlesien (heutiges Jelenia Gora der pl. Woiwodschaft Niederschlesien), +16.01. 1912 in Gatow (Wannsee), seit 1920 zum Berliner Stadtbezirk Spandau gehörend.