Helmut Kohl

Helmut
Kohl

03.04.1930
Ludwigshafen am Rhein
-
16.06.2017
Ludwigshafen am Rhein

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Gedenkseite für Helmut Kohl

Helmut Kohl wurde im Frühling am 03. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb am 16. Juni 2017 mit 87 Jahren in Ludwigshafen am Rhein. Er wurde im Tierkreiszeichen Widder geboren.


Nachruf für Helmut Kohl - den Kanzler der Einheit

Helmut Josef Michael Kohl wurde am 3. April 1930 in Ludwigshafen am Rhein geboren und starb ebenda am 16. Juni 2017.
Er gehörte zu den einflussreichsten deutschen Politikern und war weltweit als Staatsmann geachtet. Vom 1. Oktober 1982 bis zum 26. Oktober 1998 war er Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Seit dem 3. Oktober 1990, dem Tag der deutschen Einheit, bis zum Ende seiner Kanzlerschaft war er der erste  Bundeskanzler des wiedervereinigten Deutschlands.
Von 1973 bis 1998 war er zudem Vorsitzender der CDU.


Kindheit und Jugend Kohls im Nationalsozialismus

Helmut Kohl wurde als drittes Kind im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen geboren. Sein Vater Hans Kohl (1887 bis 1975) war ein bayerischer Militärangehöriger und Beamter. Seine Mutter war Cäcilie (geb. Schnur; 1891-1979). Kohls Eltern waren beide katholisch. Gemeinsam mit seinen Geschwistern Hildegard (1922–2003) und Walter (1926–1944) wuchs Kohl in einem katholisch-konservativen Haushalt auf.
Kohls Familie war bis zu deren Auflösung im Jahr 1933 der katholischen Zentrumspartei verbunden. Sein älterer Bruder Walter starb als jugendlicher Soldat im Zweiten Weltkrieg im Alter von nur achtzehn Jahren.
Im Alter von zehn Jahren musste Helmut Kohl, wie die meisten Kinder in Deutschland zu dieser Zeit, dem Deutschen Jungvolk, einer Abteilung der Hitlerjugend, beitreten. Somit war er Mitglied der Hitlerjugend.
Im Alter von 15 Jahren, am 20. April 1945, nur wenige Tage vor Kriegsende, wurde Kohl in Berchtesgaden vom Führer der Hitlerjugend, Artur Axmann, vereidigt. Dieser Schritt war zu dieser Zeit für männliche Jugendliche obligatorisch. Hiernach wurde der junge Kohl zum Wehrdienst eingezogen.  Er nahm jedoch an keinem Kampf mehr teil. Dies sollte der Politiker Kohl später als "Gnade der späten Geburt" bezeichnen.


Schule und Ausbildung

Helmut Kohl besuchte die Ruprecht-Grundschule und anschließend das Max-Planck-Gymnasium in seiner Heimatstadt. Nach dem Abitur 1950 begann Kohl ein Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, wobei er in den ersten beiden Semestern zwischen Ludwigshafen und Frankfurt pendelte. Hier hörte Kohl unter anderem Vorlesungen von Carlo Schmid und Walter Hallstein. 1951 wechselte Kohl an die Universität Heidelberg, wo er Geschichte und Politikwissenschaft studierte. Kohl war der erste in seiner Familie, der eine Universität besuchte.
Nach seinem erfolgreichen Universitätsabschluss wurde Kohl im Jahr 1956 Stipendiat am Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg bei Dolf Sternberger. Hier war er aktives Mitglied der Studentenvereinigung AIESEC.1958 promovierte Kohl in Geschichte. Seine Dissertation hat den Titel "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945". Sein Doktorvater war der Historiker Walther Peter Fuchs.

Berufliche Karriere in der Freien Wirtschaft 


Nach der erfolgreichen Doktorarbeit begann Helmut Kohl eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft. Er wurde in seiner Heimatstadt Direktionsassistent der Eisengießerei Pfalzgußwerk Walter Mock  in Ludwigshafen und war ab April 1960 als Referent beim Verband der Chemischen Industrie tätig. 

Erste Erfahrungen in der Politik auf Landesebene


1946 trat HelmutKohl in die neu gegründete Christlich Demokratische Union (CDU) ein. Mit der Vollendung seines 18. Lebensjahr 1948 wurde er Vollmitglied der Patei. 1947 gehörte Kohl zu den Mitbegründern der Jungen Union in Ludwigshafen, der Jugendorganisation der CDU. 1953 trat Kohl in den Vorstand des pfälzischen Landesverbandes der CDU ein. 1954 wurde Kohl stellvertretender Vorsitzender der Jungen Union in Rheinland-Pfalz, der er bis 1961 angehörte.
Im Januar 1955 kandidierte Kohl für den Landesvorstand der rheinland-pfälzischen CDU und unterlag nur knapp dem Landesfamilienminister Franz-Josef Wuermeling. er konnte dennoch einen Sitz im Landesvorstand ergattern, da er von seinem Ortsverband als Delegierter dorthin entsandt wurde. In den ersten Jahren seiner Parteizugehörigkeit strebte Kohl eine Öffnung der Partei für die junge Generation an und stellte sich gegen eine zu engen Verbindung zwischen Kirchenverbänden und der Partei.
Anfang 1959 wurde Kohl zum Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Ludwigshafen und zum Kandidaten für die anstehende Landtagswahl gewählt. Diese Auswahl sollte sich als genau Richtig erweisen. Am 19. April 1959 wurde Kohl als jüngstes Mitglied in den rheinland-pfälzischen Landtag gewählt. 1960 wurde er zudem in den Stadtrat Ludwigshafens gewählt, wo er bis 1969 als CDU-Parteivorsitzender amtierte. Als der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Wilhelm Boden, Ende 1961 starb, rückte Kohl in eine Stellvertreterposition nach. Nach der nächsten Landtagswahl 1963 übernahm er dessen Vorsitz, den er bis zu seinem Amtsantritt als Ministerpräsident 1969 inne hatte. 1966 vereinbarten Kohl und der amtierende Ministerpräsident und Landesvorsitzende Peter Altmeier (nicht zu verwechseln mit dem späteren Bundeswirtschaftsminister im Kabinett Merkel IV) eine Aufgabenteilung. Im März 1966 wurde Kohl zum rheinland-pfälzischen Parteivorsitzenden gewählt, während Altmeier bei der Landtagswahl 1967 erneut als Ministerpräsident kandidierte und sich bereit erklärte, das Amt nach zwei Jahren, also nach der Hälfte der Legislaturperiode, an Kohl abzugeben.
Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz
Kohl wurde am 19. Mai 1969, wie zuvor vereinbart, als Nachfolger von Peter Altmeier zum rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten gewählt. Damit war er mit 39 Jahren die bis dahin jüngste Person, die jemals zum Regierungschef eines Bundeslandes gewählt wurde. Wenige Tage nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten wurde Kohl zudem stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. In seiner Amtszeit trat Kohl als Reformer auf und legte den Schwerpunkt auf die Förderung von Schule und Bildung. Seine Regierung schaffte die im konservativen Flügel seiner Partei umstrittene Prügelstrafe und die Konfessionsschulen ab. Während seiner Amtszeit wurde die Universität Trier-Kaiserslautern gegründet. Außerdem schloss er eine Gebietsreform mit der Vereinheitlichung der Gesetzbücher und der Neugliederung der Landkreise ab, die er bereits unter Altmeier vorangetrieben hatte. Nach seinem Amtsantritt richtete Kohl zwei neue Ministerien ein, eines für Wirtschaft und Verkehr und eines für Soziales, wobei letzteres an Heiner Geißler ging, der in den folgenden zwanzig Jahren eng mit Kohl zusammenarbeiten sollte.

Arbeit auf Bundesebene


Kohl rückte 1964 in den Bundesvorstand der CDU auf.  Zwei Jahre später, kurz vor seiner Wahl zum rheinland-pfälzischen Parteivorsitzenden, scheiterte er mit dem Versuch, in das Präsidium der Partei gewählt zu werden. Dies geschah, nachdem die CDU bei der Wahl 1969 erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Beteiligung an der Bundesregierung verloren hatte. Während Altkanzler Kurt Georg Kiesinger bis 1971 Vorsitzender der CDU blieb, war es nun der Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel, der die Opposition gegen die neu gebildete sozial-liberale Koalition von Willy Brandt anführte.
Als Mitglied des Präsidiums und des Vorstandes drängte Kohl auf innere Parteireformen und fiehl als Unterstützer liberaler Positionen in der Bildungs- und Sozialpolitik auf. Er tratt entschieden für mehr  Mitbestimmung der Parteibasis ein. Als auf einem Parteitag Anfang 1971 in Düsseldorf über einen Antrag des Vorstandes abgestimmt wurde, konnte sich Kohl nicht gegen den Protest des konservativen Parteiflügels um Alfred Dregger und der Schwesterpartei CSU durchsetzen. Dies kostete Helmut Kohl die Unterstützung des liberalen Flügels. Zu allem Überfluss stimmte Kohl bei der Abstimmung selbst gegen den Vorschlag, was seine Anhänger, wie z.B. Parteischatzmeister Walther Leisler Kiep, zusätzlich verärgerte und das Verhältnis beider Politiker nachhaltig störte.
Als Kiesinger 1971 als Parteivorsitzender zurücktrat, kandidierte Kohl für die Nachfolge. Er unterlag Barzel mit 344 zu 174 Stimmen. Im April 1972 wollte die CDU angesichts von Brandts Ostpolitik Brandt und seine Regierung durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen und durch Barzel ersetzen. Der Versuch scheiterte, da zwei Mitglieder der Opposition gegen Barzel stimmten. Nachdem Barzel auch die Bundestagswahl im selben Jahr verlor, war der Weg für Kohl frei, die Regierung zu übernehmen. Barzel kündigte am 10. Mai 1973 an, nicht mehr für den Parteivorsitz zu kandidieren. Somit übernahm Kohl am 12. Juni 1973 auf einem Parteitag in Bonn mit 520 von 600 Stimmen als einziger Kandidat die Nachfolge Barzels. Aufgrund der heftigen Gegenwehr des linken Parteiflügels rechnete Kohl zunächst nur mit einer Amtszeit von einigen Monaten, da seine Kritiker ihn auf einem weiteren Parteitag Ende November   in Hamburg ablösen wollten. Kohl erhielt jedoch die Unterstützung seiner Partei und blieb im Amt, nicht zuletzt dank der lobenswerten Arbeit von Kurt Biedenkopf, den Kohl als Generalsekretär der CDU geholt hatte. Kohl blieb bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn 1998 Vorsitzender.
Als Bundeskanzler Brandt im Mai 1974 nach der Aufdeckung der Guillaume-Affäre zurücktrat, mahnte Kohl seine Partei, sich mit Schadenfreude zurückzuhalten und die Position des politischen Gegners nicht für "billige Polemik" zu nutzen. Im Juni machte Kohl bei der Landtagswahl in Niedersachsen Wahlkampf für seinen Parteikollegen Wilfried Hasselmann und führte die CDU zu einem starken Ergebnis von 48,8 % der Stimmen, das allerdings nicht ausreichte, um eine Fortsetzung der sozial-liberalen Koalition im Lande zu verhindern.

Kohls erste Kanzlerkandidatur und die Bundestagswahl 1976


Am 9. März 1975 stellten sich Kohl und die CDU der Wiederwahl in Rheinland-Pfalz. Der Druck auf Kohl, der für das Amt des Bundeskanzlers kandidieren wollte, wurde dadurch erhöht, dass die Schwesterparteien CDU und CSU Mitte 1975 ihren Spitzenkandidaten für die anstehende Bundestagswahl bestimmen sollten. Der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß hatte selbst Ambitionen zu kandidieren und setzte Kohl öffentlich unter Druck. Am Wahltag erzielte die CDU mit 53,9 Prozent das beste Ergebnis aller Zeiten in Kohls Heimatbundesland und festigte damit Kohls Position. Hierauf geriet Strauß Kanzlerkandidatur selbst in Gefahr, als der Spiegel im März 1975 die Mitschrift einer Rede vom November 1974 veröffentlichte. Hier behauptete Strauß, dass die Rote Armee Fraktion (RAF), die damals für mehrere Anschläge verantwortlich war, Sympathisanten in den Reihen von SPD und FDP habe. Der Skandal verunsicherte die Öffentlichkeit zutiefst und beendete somit faktisch alle Ambitionen Strauß auf die Kanzlerschaft.
Am 12. Mai 1975 nominierte der Bundesvorstand der CDU einstimmig Kohl als Kandidaten für die Bundestagswahl, ohne die bayerische Schwesterpartei vorher zu konsultieren. Die CSU nominierte daraufhin Strauß. Erst durch eine Vermittlung durch Altkanzler Kiesinger konnte der Streit geschlichtet und Kohl als Kandidaten beider Parteien bestätigt werden. Im Juni 1975 wurde Kohl mit einem Ergebnis von 98,44 Prozent auch als Parteivorsitzender wiedergewählt.
Strauß nahm die Uneinigkeit zum Anlass, Chancen für eine Ausweitung der CSU auf Bundesebene auszuloten. So gab es beispielsweise getrennte Wahllisten in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Er hoffte, rechte Wähler von der FDP zur CSU zu locken, und ging sogar so weit, private Treffen mit Industriellen in Nordrhein-Westfalen durchzuführen. Diese Versuche führten zu Unbehagen in der Mitgliederbasis der CDU und beeinträchtigten die Chancen beider Parteien bei den anstehenden Wahlen. Kohl selbst schwieg während dieser Spannungen, was einige als Führungsschwäche interpretierten, während andere, wie der spätere Bundespräsident Karl Carstens, ihn dafür lobten, dass er sich um einen Konsens in der Parteizentrale bemühte. Bei der Bundestagswahl 1976 schnitt die CDU/CSU-Koalition sehr gut ab und erhielt 48,6 % der Stimmen. Nichtsdestotrotz musste man sich dem Mitte-Links-Bündnes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Freien Demokratischen Partei unter der Führung des Sozialdemokraten Helmut Schmidt geschlagen geben. Kohl zog sich daraufhin als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz zurück und übernahm den Vorsitz der CDU/CSU im Bundestag. Sein Nachfolger auf Landesebene wurde Bernhard Vogel, einer von Kohls langjährigen Wegbegleitern.

Oppositionsführer im Bundestag


Bei der Bundestagswahl 1980 musste Kohl auf die Kanzlerkandidatur verzichten, da diese an den CSU-Chef Franz Josef Strauß gegangen war. Vorab kam es teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen beider Politiker. Kohls Kalkül ging auf, als sich Strauß nicht gegen die Koalition aus SPD und FDP durchsetzen konnte. Im Gegensatz zu Kohl wollte Strauß nicht weiter an der Spitze der CDU/CSU stehen und blieb Ministerpräsident von Bayern. Kohl blieb auch im dritten Kabinett Schmidt (1980-82) Oppositionsführer. Am 17. September 1982 kam es zu einem wirtschaftspolitischen Konflikt zwischen den regierenden Koalitionspartnern SPD/FDP. Die FDP wollte eine radikale Liberalisierung des Arbeitsmarktes, während die SPD eine größere Sicherheit der Arbeitsplätze bevorzugte. Die FDP nahm Gespräche mit der CDU/CSU zur Bildung einer neuen Regierung auf, was schließlich zum Bruch beider Regierungsparteien führte.
 
Regierungsantritt und erste Kanzlerschaft, 1982-1983


Am 1. Oktober 1982 beantragt die CDU ein konstruktives Misstrauensvotum, das von der FDP unterstützt wurde. Der Antrag wurde angenommen. Drei Tage später wählt der Bundestag ein neues CDU/CSU-FDP-Koalitionskabinett mit Kohl als Bundeskanzler. Viele wichtige Details der neuen Koalition waren bereits am 20. September ausgehandelt worden, an kleineren Details wurde Berichten zufolge noch gefeilt, als die Abstimmung stattfand. Obwohl die Wahl Kohls nach dem Grundgesetz erfolgte, war sie nicht unumstritten. Die FDP hatte ihren Wahlkampf 1980 an der Seite der SPD geführt und sogar Bundeskanzler Schmidt auf einigen ihrer Wahlplakate platziert. Auch wurde bezweifelt, dass die neue Regierung von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen werden würde. Daraufhin strebte die neue Regierung Neuwahlen zum frühestmöglichen Zeitpunkt an. Umfragen ließen darauf schließen, dass eine absolute Mehrheit tatsächlich in Reichweite war. Da das Grundgesetz die Auflösung des Parlaments nur nach einer gescheiterten Vertrauensfrage zulässt, musste Kohl einen weiteren umstrittenen Schritt tun: Er forderte nur einen Monat nach seiner Vereidigung eine Vertrauensabstimmung, die er absichtlich verlor, weil sich die Mitglieder seiner Koalition der Stimme enthielten. Bundespräsident Karl Carstens löste daraufhin auf Antrag Kohls den Bundestag auf und rief Neuwahlen aus.
Dieser Schritt war umstritten, da die Koalitionsparteien dem Mann, den sie einen Monat zuvor zum Bundeskanzler gewählt hatten und den sie nach der Bundestagswahl wiederwählen wollten, ihre Stimmen verweigerten. Dieser Schritt wurde jedoch vom deutschen Bundesverfassungsgericht als rechtliches Instrument gebilligt und von SPD-Kanzler Schröder 2005 erneut angewandt.

Zweite Amtszeit als Kanzler, 1983-1987


Bei den Bundestagswahlen im März 1983 errang Kohl einen überwältigenden Sieg und dass zweitbeste Ergebnis der CDU auf Bundesebene. Die CDU/CSU erhielt 48,8 %, die FDP 7,0 %. Einige Oppositionsabgeordnete im Bundestag beantragten beim Bundesverfassungsgericht, das gesamte Verfahren für verfassungswidrig zu erklären. Das Gericht wies die Klage jedoch ab, gab allerdings vor, dass ein ähnliches Vorgehen in Zukunft nicht mehr möglich sei. Das zweite Kabinett Kohl setzte mehrere umstrittene Pläne, darunter die Stationierung von NATO-Mittelstreckenraketen, gegen den großen Widerstand der Friedensbewegung durch.
Am 22. September 1984 traf Kohl den französischen Staatspräsidenten François Mitterrand in Verdun, wo im Ersten Weltkrieg die Schlacht von Verdun zwischen Frankreich und Deutschland stattgefunden hatte. Gemeinsam gedachten Sie der Toten beider Weltkriege. Das Foto, das ihren minutenlangen Händedruck zeigt, wurde zu einem wichtigen Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung. Daraufhin entwickelten Kohl und Mitterrand eine enge politische Beziehung und bildeten einen wichtigen Motor für die europäische Integration. Gemeinsam legten sie den Grundstein für europäische Projekte wie Eurocorps und Arte. Im Jahr 1985 gründeten sie zusammen mit führenden europäischen Politikern aus 16 anderen Ländern Eureka: ein Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk aus nationalen Finanzierungsministerien und -agenturen, die unabhängig von der Europäischen Gemeinschaft internationale Kooperationsprojekte finanzieren und unterstützen. Diese deutsch-französische Zusammenarbeit war auch für wichtige europäische Projekte, wie den Vertrag von Maastricht und der Einführung des Euro von entscheidender Bedeutung.
Im Jahr 1985 sahen Kohl und US-Präsident Ronald Reagan im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des V-E Day eine Gelegenheit, die Stärke der Freundschaft zwischen Deutschland und seinem ehemaligen Feind zu demonstrieren. Bei einem Besuch im Weißen Haus Ende November 1984 lud Kohl Reagan zu einem gemeinsamen Besuch des Soldatenfriedhof ein, um so die Versöhnung der beiden Länder zu symbolisieren. Reagan besuchte hierauf Deutschland im Rahmen des 11. G7-Gipfels in Bonn. Er und Kohl besuchten am 5. Mai das Konzentrationslager Bergen-Belsen und den deutschen Soldatenfriedhof in Bitburg. Die Empörung war groß, als die Medien berichteten, dass auf diesem Friedhof zwar die Gräber von SS-Soldaten, aber keine Amerikaner zu finden waren. Reagan war der Ansicht, dass die Eskalation der Konfrontation mit dem Kreml im Kalten Krieg seine starke Unterstützung für Kohl erforderte.

Dritte Kanzlerschaft, 1987-1991


Nach der Bundestagswahl 1987 erhielt Kohl eine knappe Mehrheit und bildete sein drittes Kabinett. Kanzlerkandidat der SPD war der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau.
1987 empfing Kohl den ostdeutschen Regierungschef Erich Honecker. Dies war der erste Besuch eines ostdeutschen Staatsoberhauptes in der Bundesrepublik Deutschland. Dies wurde allgemein als Zeichen dafür gewertet, dass Kohl eine Ostpolitik der Entspannung weiterverfolgte, welche bereits in den 1970er Jahren von den SPD-geführten Regierungen durch die jahrelangen Verhandlungen mit der DDR-Regierung eingeleitet worden war (und damals von Kohls eigener CDU heftig bekämpft wurde). Unteranderem wurde hier über mögliche Passierstationen an der innerdeutschen Grenze gesprochen.
Kohls Innenpolitik in den Achtzigerjahren
Unter Kohls Kanzlerschaft gab es eine Reihe von innovativen politischen Maßnahmen. So wurde das Arbeitslosengeld für ältere Antragsteller verlängert. Zudem wurden Leistungen für junge Arbeitslose bis zum Alter von 21 Jahren verlängert. 1986 wurde ein Erziehungsgeld eingeführt, das Eltern zugute kam, von denen mindestens einer erwerbstätig war. Privat Pflegende Personen erhielten Betreuungsgeld und steuerliche Anreize, die beide mit der Steuerreform von 1990 eingeführt wurden. Außerdem wurde ihnen eine professionelle Betreuung von bis zu 25 Stunden pro Monat garantiert, die durch vier Wochen Jahresurlaub ergänzt wurden. 1984 wurde eine Vorruhestandsregelung eingeführt, die Arbeitgebern Anreize bot, ältere Arbeitnehmer durch Bewerber aus dem Arbeitslosenregister zu ersetzen. 1989 wurde eine Altersteilzeitregelung eingeführt, nach der ältere Arbeitnehmer bei halber Arbeitszeit 70 % ihres früheren Gehalts erhielten und 90 % des vollen Sozialversicherungsanspruchs angerechnet bekamen. 1984 wurde ein Mutter-Kind-Fonds eingerichtet, der Ermessenszuschüsse gewährte. Somit sollten Schwangerschaftsabbrüche aus materiellen Gründen zu verhindern werden. 1986 wurde ein Erziehungsgeld eingeführt. 1989 wurden weitere Sonderregelungen für ältere Arbeitslose eingeführt.
In Kohls Zeit als Bundeskanzler fielen auch einige umstrittene Entscheidungen im Bereich der Sozialpolitik. So wurde die Studienbeihilfe für den Staat erstattungsfähig, während mit dem Gesundheitsreformgesetz von 1989 das Konzept eingeführt wurde, wonach die Patienten im Voraus zahlen und die Kosten erstattet bekommen, während die Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte, Kuraufenthalte, Zahnersatz und verschreibungspflichtige Medikamente erhöht wurden. Außerdem gewährte eine Reform der Kinderrente von 1986 Frauen, die nach 1921 geboren wurden, ein Jahr Arbeitsguthaben pro Kind. Jedoch sah sich der Gesetzgeber schon bald aufgrund öffentlicher Proteste gezwungen, schrittweise zusätzliche Rentenleistungen für Mütter einzuführen, die vor dem Stichtag geboren wurden.

Interne Machtkämpfe in der CDU


Der Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler, sah die Partei nach dem relativ schlechten Abschneiden bei der Wahl 1987 in einer Abwärtsspirale. Hinter den Kulissen versuchte er, eine klare Mehrheit zu finden, um Kohl als Parteivorsitzenden abzusetzen und durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zu ersetzen. Vor Beginn des CDU-Parteitags in Bremen am 11. September 1989 wurde bei Kohl eine Prostataentzündung diagnostiziert. Daraufhin empfahl ihm sein Arzt eine sofortige Operation. Kohl jedoch weigerte sich, den Parteitag zu versäumen und nahm mit einem Katheter und mit seinem Arzt an seiner Seite, den er als seinen neuen Redenschreiber vorstellte, teil. Der "Putsch" scheiterte schließlich, da Kohl mit 79,52 % der Stimmen als Vorsitzender wiedergewählt wurde. Späth, der nicht mehr für den Vorsitz kandidierte, nachdem sich die Unterstützung für Kohl abzeichnete, wurde von seiner Partei abgestraft, da er mit nur 357 von 731 Stimmen nicht zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Geißler wurde unterdessen von seinen Aufgaben als Generalsekretär entbunden und durch Volker Rühe ersetzt. 
Wiedervereinigung Deutschlands, Kohl als Kanzler der Einheit 
Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch des ostdeutschen kommunistischen Regimes im Jahr 1989 wurde Kohls Umgang mit der ostdeutschen Frage zum Wendepunkt seiner Kanzlerschaft. Wie die meisten Westdeutschen wurde auch Kohl zunächst vom Sturz der Sozialistischen Einheitspartei Ende 1989 überrascht. Wohl wissend um seinen Verfassungsauftrag, die deutsche Einheit anzustreben, machte er sich sofort daran, sie zu verwirklichen. Ohne seinen Koalitionspartner FDP oder die Westalliierten zu konsultieren, legte Kohl einen Zehn-Punkte-Plan zur "Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor und nutzte damit das historische politische Momentum in Ostdeutschland. Im Februar 1990 besuchte er die Sowjetunion, um von Michail Gorbatschow eine Garantie zu erhalten, dass die UdSSR die deutsche Wiedervereinigung zulassen würde. Einen Monat später wurde die Partei des Demokratischen Sozialismus - die umbenannte SED - von einer großen Koalition unter Führung des ostdeutschen Gegenstücks von Kohls CDU, die sich für eine rasche Wiedervereinigung einsetzte, vernichtend geschlagen und abgewählt.
Am 18. Mai 1990 unterzeichnete Kohl einen Vertrag über eine Wirtschafts- und Sozialunion mit der DDR. In diesem Vertrag wurde festgelegt, dass die Wiedervereinigung im Rahmen der schnelleren Bestimmungen des Artikels 23 des Grundgesetzes erfolgen sollte. Dieser Artikel besagt, dass die neuen Länder mit einfacher Mehrheit dem Grundgesetz beitreten können. Die Alternative wäre der langwierigere Weg gewesen, eine völlig neue Verfassung für das neue Land auszuarbeiten, wie es Artikel 146 des Grundgesetzes vorsieht. Das Verfahren nach Artikel 146 hätte jedoch in Westdeutschland strittige Fragen aufgeworfen. Auch ohne dies war Ostdeutschland zu diesem Zeitpunkt bereits völlig am Boden. Eine Wiedervereinigung nach Artikel 23 konnte dagegen in nur sechs Monaten vollzogen werden.
Gegen den Widerstand von Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl traf Kohl wichtige Entscheidungen und ließ er einen Wechselkurs von 1:1 für Löhne, Zinsen und Mieten zwischen der West- und der Ostmark zu. Letztlich würde diese Politik den Unternehmen in den neuen Bundesländern schwer schaden. Gemeinsam mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher gelang es Kohl, die Gespräche mit den ehemaligen Alliierten des Zweiten Weltkriegs zu beenden, um die deutsche Wiedervereinigung zu ermöglichen. Er erhielt von Gorbatschow die Zusicherung, dass das wiedervereinigte Deutschland sich aussuchen könne, welchem internationalen Bündnis es beitreten wolle, obwohl Kohl nie einen Hehl daraus machte, dass er wollte, dass das wiedervereinigte Deutschland die Sitze Westdeutschlands in der NATO und der EG übernahm.
Am 31. August 1990 wurde ein Wiedervereinigungsvertrag unterzeichnet, der am 20. September 1990 von beiden Parlamenten mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Am 3. Oktober 1990 um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit hörte die DDR offiziell auf zu existieren, und ihr Gebiet trat mit den insgesamt fünf neunen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesrepublik bei. Diese Länder waren die ursprünglichen fünf Bundesländer der DDR gewesen, bevor sie 1952 aufgelöst und im August 1990 wiederhergestellt wurden. Ost- und West-Berlin wurden zu einem Stadtstaat wiedervereinigt, der zur Hauptstadt der wiedervereinten Bundesrepublik wurde.
Nach dem Fall der Berliner Mauer erklärte Kohl die ehemaligen deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie in einem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten Vertrag für endgültig zu Polen gehörig und verzichtete damit auf jeden Anspruch Deutschlands auf diese Gebiete. Anfang März desselben Jahres löste Kohl jedoch einen diplomatischen Eklat aus, als er andeutete, dass ein wiedervereinigtes Deutschland die Oder-Neiße-Linie nicht akzeptieren würde, und, dass die Bundesrepublik möglicherweise die Grenze von 1937 wiederherstellen wolle, wenn nötig mit Gewalt. Nachdem diese Äußerung eine große internationale Gegenreaktion ausgelöst hatte, die die deutsche Wiedervereinigung zu stoppen drohte, zog Kohl seine Äußerungen zurück, nachdem er sich der internationalen Kritik gebeugt hatte. Er versicherte daraufhin sowohl den Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion, dass ein wiedervereinigtes Deutschland die Oder-Neiße-Linie als endgültige Grenze zwischen Polen und Deutschland akzeptieren würde. 1993 bestätigte Kohl in einem Vertrag mit der Tschechischen Republik, dass Deutschland keine territorialen Ansprüche mehr auf das ethnisch-deutsche Sudetenland aus der Zeit vor 1945 erheben würde. Dieser Vertrag war für viele deutsche Heimatvertriebene eine Enttäuschung.

Die Neuzigerjahre im wiedervereinten Deutschland


Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Europäische Einigung führt Kohl zu einer zuvor unerreichten Popularität. Dies sollte sich auch auf Entscheidungen der späteren Regierungszeit auswirken. Bei den Wahlen 1990 - den ersten freien, unabhängige und demokratischen Wahlen in Gesamtdeutschland seit der Weimarer Republik - siegte Kohl mit einem Erdrutschsieg über den Oppositionskandidaten und saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine. Er bildete daraufhin sein viertes Kabinett. Anzumerken ist hier, dass Kohl in Westdeutschland das gleiche Ergebnis, wie bei den Wahlen 1987 erreichte.
Nach der Bundestagswahl 1994 wurde Kohl mit einer etwas geringeren Mehrheit wiedergewählt und besiegte den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping. Die SPD konnte im Bundesrat eine Mehrheit erringen, was Kohls Macht deutlich einschränkte.
In der Außenpolitik war Kohl erfolgreicher, so konnte er beispielsweise Frankfurt am Main als Sitz der Europäischen Zentralbank durchsetzen. Für seine Bemühungen um die Einigung Europas erhielt Kohl 1997 den Vision for Europe Award.
Ende der 1990er Jahre sank Kohls Popularität angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit. Bei der Bundestagswahl 1998 unterlag er mit großem Vorsprung dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder.
Wissenswert ist zudem, dass die spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel begann ihre politische Karriere als Kohls Schützling begann und in den 1990er Jahren von vielen als "Kohls Mädchen" bezeichnet wurde. Im Januar 1991 hob er die damals noch wenig bekannte Merkel mit der Berufung ins Bundeskabinett auf die nationale Bühne.
Das Leben nach der Politik
Am 27. Oktober 1998 löste eine von Schröder geführte rot-grüne Koalitionsregierung die Regierung Kohl ab. Kohl trat zudem sofort als CDU-Vorsitzender zurück und widmete sich weitgehend seinem Leben ausserhalb der Politik. Er blieb jedoch noch bis 2002 Mitglied des Bundestages. Hiernach verzichtete Kohl auf eine Wiederwahl ins Parlament und beendete somit seine politischen Aktivitäten.
 
Das Denkmal bekommt Risse, die CDU-Finanzaffäre, 1999-2000


Kohls Leben nach dem politischen Amt wurde von Anfang an von der CDU-Spendenaffäre überschattet. Die Parteispendenaffäre wurde 1999 publik, als aufgedeckt wurde, dass die CDU unter Kohls Führung illegale Spenden erhalten und aufbewahrt hatte. Während sein Ansehen in Deutschland in den unmittelbaren Jahren nach der Finanzaffäre litt, wirkte sich die späteren Affären international nicht auf seinen Ruf aus. Außerhalb Deutschlands wurde er als großer europäischer Staatsmann wahrgenommen und blieb wegen seiner Rolle bei der Lösung der fünf großen Probleme seiner Zeit, die deutsche Wiedervereinigung, die europäische Integration, die Beziehungen zu Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Bosnienkrieg, in Erinnerung.
Im Jahr 2002 schied Kohl aus dem Bundestag aus und zog sich offiziell aus der Politik zurück. Später wurde er von seiner Partei weitgehend rehabilitiert. Nach ihrem Amtsantritt lud Angela Merkel ihren ehemaligen Förderer ins Kanzleramt ein, und Ronald Pofalla, der Generalsekretär der CDU, kündigte an, dass die CDU enger mit Kohl zusammenarbeiten werde, "um von der Erfahrung dieses großen Staatsmannes zu profitieren". Am 4. März 2004 veröffentlichte er den ersten Teil seiner Memoiren mit dem Titel Erinnerungen 1930-1982, der die Zeit vor seiner Kanzlerschaft umfasst. Der zweite Teil, der am 3. November 2005 veröffentlicht wurde, umfasst die erste Hälfte seiner Kanzlerschaft (1982-90). 
Kohl war zudem Mitglied des renommierten Club of Madrid.
Kohl ist Namensgeber des Helmut-Kohl-Zentrums für Europäische Studien (heute Zentrum für Europäische Studien), das die politische Stiftung der Europäischen Volkspartei ist. Ende Februar 2008 erlitt Kohl einen Schlaganfall in Verbindung mit einem Sturz, der schwere Kopfverletzungen verursachte und einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machte. Zuvor war er schon teilweise gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Er blieb hiernach auf der Intensivstation und heiratete seine 43-jährige Lebensgefährtin Maike Richter am 8. Mai 2008, während er noch im Krankenhaus lag. 2010 wurde er in Heidelberg an der Gallenblase operiert und 2012 am Herzen. Im Juni 2015 befand er sich nach einer Darmoperation im Anschluss an eine Hüftoperation in einem kritischen Zustand.
Im Jahr 2011 begann Kohl trotz seiner angeschlagenen Gesundheit, eine Reihe von Interviews zu geben und Erklärungen abzugeben, in denen er seine Nachfolgerin Angela Merkel, deren Mentor er zuvor gewesen war, wegen ihrer Politik der strikten Austerität in der europäischen Schuldenkrise und später auch gegenüber Russland im russisch-ukrainischen Krieg scharf verurteilte. Er sah diese Politik Merkels als Gegensatz zu seiner Politik der friedlichen bilateralen europäischen Integration während seiner Zeit als Bundeskanzler.
In dieser Zeit veröffentlichte Kohl das Buch "Aus Sorge um Europa", in dem er diese Kritik an Merkel untermauerte und gleichzeitig die Euro-Politik seines unmittelbaren Nachfolgers Schröder verurteilte. Die Presse zitierte Kohl daraufhin mit den Worten "Die macht mir mein Europa kaputt". Kohl schloss sich damit den früheren deutschen Bundeskanzlern Gerhard Schröder und Helmut Schmidt an, die Merkels Politik in diesen beiden Bereichen ebenfalls kritisierten. Im Jahr 2011 kritisierte er Merkel auch öffentlich dafür, dass sie sich nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima zu einem Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 verpflichtet hatte. Er sagte in einem Interview, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie "die Welt gefährlicher machen" würde, dass Risiken ein Teil des Lebens seien und Deutschland sich stattdessen darauf konzentrieren solle, "Vorsorgemaßnahmen zu treffen und Risiken zu minimieren". In den folgenden Jahren wurde es etwas ruhiger um den Altkanzler.
Am 19. April 2016 wurde Kohl vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in seinem Haus in Oggersheim besucht. Die beiden führten ein einstündiges Gespräch und gaben eine gemeinsame Presseerklärung zur europäischen Migrantenkrise 2015 ab, in der sie bezweifelten, dass Europa in der Lage sei, unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen. Vor dem Treffen war dies weithin als Kritik an Angela Merkels Umgang mit der Krise interpretiert worden, aber Kohl und Orbán verzichteten darauf, die Kanzlerin direkt anzugreifen, und schilderten stattdessen: "Es geht uns um eine gute Zukunft für Europa und den Frieden in der Welt. Die Bemühungen von Merkel gehen in die gleiche Richtung."
Im Jahr 2016 verklagte Kohl den Verlag Random House, seinen ehemaligen Ghostwriter Heribert Schwan und seinen Co-Autor Tilman Jens, weil sie ohne seine Zustimmung 116 Äußerungen veröffentlicht hatten, die Kohl angeblich in Interviews in den Jahren 2001 und 2002 gemacht hatte. Diese Äußerungen wurden 2014 in einer nicht autorisierten Biografie mit dem Titel Legacy: Die Kohl-Protokolle veröffentlicht. Im April 2017 verurteilte das Landgericht Köln den Verlag Random House und die beiden Journalisten zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 1 Mio. Euro (1,1 Mio. US-Dollar) an Kohl wegen Verletzung seiner Privatsphäre. Dies ist das höchste Urteil, das jemals wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte nach deutschem Recht gefällt wurde.
 
Kohl als Privatmensch


Am 27. Juni 1960 heiratete Kohl Hannelore Renner, nachdem er bereits 1953 um ihre Hand angehalten hatte. Er zögerte die Hochzeit bewusst hinaus, bis er finanziell stabil war. Beide kannten sich bereits seit 1948, als sie sich in einem Tanzkurs kennenlernten. Sie hatten zwei Söhne, Walter Kohl (geboren 1963) und Peter Kohl (geboren 1965). Hannelore Kohl hatte Sprachen studiert und sprach fließend Französisch und Englisch. Während der politischen Karriere ihres Mannes war sie eine wichtige Beraterin für ihn, insbesondere in Fragen der Weltpolitik. Sie war eine entschiedene Verfechterin der deutschen Wiedervereinigung, noch bevor diese möglich schien, sowie der NATO und des Bündnisses Deutschlands mit den Vereinigten Staaten. 
Beide Söhne erhielten ihre Ausbildung in den Vereinigten Staaten, an der Harvard University bzw. am MIT. Walter Kohl arbeitete als Finanzanalyst bei Morgan Stanley in New York City und gründete später mit seinem Vater 1999 ein Beratungsunternehmen. Sein Sohn Peter Kohl arbeitete viele Jahre lang als Investmentbanker in London. Walter Kohl war früher mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Christine Volkmann verheiratet und hat mit ihr einen Sohn, Johannes Volkmann; jetzt ist er mit der gebürtigen Koreanerin Kyung-Sook Kohl, geb. Hwang, verheiratet. Peter Kohl ist mit der türkischstämmigen Investmentbankerin Elif Sözen-Kohl, der Tochter eines reichen türkischen Industriellen, verheiratet und hat mit ihr eine Tochter, Leyla Kohl (geb. 2002).
Am 5. Juli 2001 beging seine Frau Hannelore Kohl, die seit vielen Jahren an Photodermatitis litt, Suizid.

Ehrungen und Auszeichungen


Helmut Kohl erhielt zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Ehrentitel . Unter anderem erhielt er gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand den Karlspreis für ihre Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft und die Europäische Union. 1996 erhielt Kohl den Prinz-von-Asturien-Preis für internationale Zusammenarbeit und seine Bemühungen für die europäische Gemeinschaft von König Felipe von Spanien.1998 wurde Kohl von den europäischen Staats- und Regierungschefs für seinen außerordentlichen Einsatz für die europäische Integration und Zusammenarbeit zum Ehrenbürger Europas ernannt, eine Auszeichnung, die zuvor nur Jean Monnet zuteil geworden war. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 1998 erhielt Kohl als zweite Person nach Konrad Adenauer das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in besonderer Ausführung. Im Jahr 1999 erhielt er von Präsident Bill Clinton die Presidential Medal of Freedom. 
 
Wir gedenken einem großen deutschen und europäischen Staatsmann. Ruhe in Frieden, Helmut Kohl!

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