Wilhelm Remiorz

Wilhelm
Remiorz

27.05.1904
Bottrop
-
25.06.1993
Gladbeck

stimmungsbild
ZurückEine brennende Kerze: Kerze hellgrau viereckig
Dämmergrau die weite Runde

Von Andreas Steinhardt 24.02.2026 um 14:15 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Stephan Milow, welches zum Ende prospektiv ein wenig Hoffnung auf das kommende Frühjahr gibt.

Die letzten Tage waren in unseren Breitengraden sehr wechselhaft,
bei Temperaturen um die 8-10° C.

Nun deutet sich ein Wetterwechsel an - zumindest für ein paar Tage - bei Werten um die 16-17° C, und zunächst viel Sonnenschein.

Wilhelm nahm die Jahreszeiten wie sie kamen, ich hörte nie ein
Murren darüber, dass es zu kalt war, zu regnerisch oder zu heiß.

Auch Regen oder stürmisches Wetter konnte meinem Großvater
nichts anhaben - ein Nachmittags-Spaziergang musste doch sein...

War es im Sommer wirklich zu warm, verzog er sich auf seinen Gartenstuhl im Schatten des alten Apfelbaums...für Stunden..


Dämmergrau die weite Runde...

von Stephan Milow


Dämmergrau die weite Runde,
Stille rings, kein Leben wach,
Nur im öden Waldesgrunde
Rieselt halb erstarrt ein Bach.

Zuckend liegt danieder alles,
Blattlos zittern Baum und Strauch,
Doch inmitten des Zerfalls
Welch ein wundersamer Hauch!

War es nicht dasselbe Schauern,
Als der Herbst umflort das Land?
War es nicht dasselbe Trauern,
Als ich damals brütend stand?

Was nur webt da, nicht zu sagen,
Über all dem Todesgraun,
Dass mein Herz aus seinen Klagen
Plötzlich aufpocht voll Vertrauen?

Ja, das ist in all dem Beben
Schon die Ahnung, die da spricht:
Diesen Schauern folgt das Leben,
Dieser Dämmerung das Licht.


Stephan Milow, eigentl. Stephan von Millenkovich, *09. März 1836 in Orsowa, damal. Kaisertum Österreich, heute zu Rumänien, +12. März 1915 in Mödling, Niederösterreich.

Milow war Lyriker, Erzähler, Kartograph sowie Vater von Max von Millenkovich, Musikschriftsteller (Pseud. Max Morold) und Benno
von Millenkovich.