Gedenkkerzen
Kerze anzündenHier sehen Sie alle 229 Gedenkkerzen, welche für Wilhelm Remiorz angezündet wurden. Entzünden auch Sie eine Gedenkkerze.
Zur Gedenkkerze ein schönes, heiteres Sommergedicht von Joachim Ringelnatz.
Mein Großvater war unglaublich humorvoll - ich erinnere mich daran zurück, dass er mir auch öfter das kleine Gedicht "Die Ameisen" von Ringelnatz auswendig vortrug...
Einige Verse von ihm sind schon von sehr deftigem Humor, welche man nur schwer für Gedenkseiten verwenden kann.
Ich glaube dieses, auch passend zum August, läd zumindest zum Schmunzeln ein...
Schwebende Zukunft
von Joachim Ringelnatz
Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewußt an,
Was wir als Kinder übersahn.
Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.
Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.
Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehnen dort,
die fetten, goldigen Rosetten,
Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.
Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.
Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.
Joachim Ringelnatz (eigentl. Hans-Gustav Bötticher), *06. August 1883 in Wurzen, heute Große Kreisstadt im Lk. Leipzig), +17. Nov. 1934
in Berlin.
Ringelnatz war ein deutscher Dichter und Lyriker, Schriftsteller, Erzähler, Kabarettist und auch Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Sommergedicht von Hermann Allmers.
Die Verse passen ganz gut zu meinem Großvater Wilhelm, dem freundlichen Lebemann, ich kann ihn mir ganz gut im hohen Gras liegend vorstellen, womöglich noch mit einem Gänseblümchen im Mund.und still das Wolkenspiel beobachtend...
...ob er dies auch an solch einem heißen Tag wis heute machen würde, wage ich zu bezweifeln...ich sehe ihn dann doch eher im Gartenstuhl unter dem Schatten des alten Kirschbaums sitzend..
Für Wilhelm. Für Axel.
Feldeinsamkeit
von Hermann Allmers
Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlass,
von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne, stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.
Hermann Ludwig Allmers, *11.02.1821 in Rechtenfleth*), +9. März 1902 ebenda.
Allmers war ein deutscher Dichter und Schriftsteller - er schrieb vor allem über Kultur und Landschaft seiner Heimat.
*)Rechtenfleth ist eine Ortschaft in der Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen im niedersächs. LK Cuxhaven. Eingemeindet zu Sandstedt 1968, 2014 zu Hagen i. B.
Zur heutigen Gedenkkerze ein paar Gedanken von Pater Anselm Grün.
Wilhelm war kein "frommer" Mann. Man müsste allerdings erst einmal die wirkliche Bedeutung von "fromm" erörtern, um fortzufahren. "Stark religiös, vom Glauben geprägt" - nein, das kann man sicher nicht so direkt über meinen Großvater schreiben...
Er war kein Kirchgänger, im Gegensatz zu seiner Frau, meiner Oma Theresia. Seine "Auftritte" beschränkten sich lediglich auf Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern - selbst die Christnacht mied er.
Eine zeitlang gingen wir (meine Mutter, meine Oma und ich, im Kindes- und frühen Jugendalter) zusammen in die Vorabendmesse, Samstags um 18 Uhr in die hiesige Josefskirche, welche einen Steinwurf vom Haus meiner Großeltern entfernt war - Wilhelm ging niemals mit. "Betet für mich", gab uns mein Großvater immer mit auf den Weg. "Und dass ich in den Himmel komme", fügte er manchmal noch hinzu...
Mit etwa 11Jahren fragte ich meinen Opa Willi einmal: "Warum gehst Du denn nie mit zur Kirche?" Mein Opa entgegnete etwas, welches mich nachhaltig beeindruckte:
"Gott finde ich nicht in der Kirche. Wie ihr. Ich suche ihn in der Natur. In seiner Schöpfung. Wenn ich spazieren gehe, im Wald, auf den Feldern, im Wind, in den Wolken." -
-
Aus Anselm Grüns Buch „Was gutes Leben ist“, hier: Gott in der Natur, Text gekürzt:
(...) denn die Natur ist auch ein wichtiger Ort, an dem wir Gott erfahren können. Er durchdringt die ganze Natur mit seinem Geist, mit seiner Kraft, mit seiner Liebe und mit seiner Schönheit. Insofern begegnen wir in der Natur Gott. Lukas hat das in die schönen Worte gekleidet, die er Paulus in den Mund legt...: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,28). Das bedeutet: Gottes heilende Gegenwart umgibt uns immer und überall, gerade auch in der Natur (...)
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse über das Älterwerden.
Hesse war einer der Lieblings-Buchautoren Wilhelms, ich las auch mehrfach begeistert dessen Werke.
Die Verse passen retrospektiv gesehen ganz gut zu meinem Großvater, eine Interpretation im Bezug zu Wilhelm würde jetzt allerdings jeglichen Rahmen sprengen - man kann aber aufgrund der Verse und der anschließenden Interpretation die ähnliche Einstellung Wilhelms zum "Älter werden" herauslesen.
Älterwerden
von Hermann Hesse
Sterne der Jugend, wohin
Seid ihr hinabgefallen?
Keinen mehr von euch allen
Seh im Gewölk ich ziehn.
Ihr meiner Jugend Genossen,
Ach wie früh mit der Welt
Habt ihr Frieden geschlossen!
Keiner, der zu mir hält!
Junge, die ihr uns Alten
Hohnlacht, wie habt ihr recht!
Denn auch ich selber – wie schlecht
Hab ich mir Treue gehalten!
Dennoch kämpfe ich weiter,
Steh entgegen der Welt.
Kann ich nicht siegen als Held,
Will ich doch fallen als Streiter.
Interpretation aus dem Netz:
Das Greisenalter ist für den Schriftsteller eine Stufe des menschlichen Lebens und hat wie alle anderen Lebensphasen ein eigenes Gesicht, eine eigene Atmosphäre und Temperatur sowie eigenen Freuden und Nöten. Ein "Alter", der sein Altsein und die Todesnähe hasst oder fürchtet, ist seiner Meinung nach kein würdiger Vertreter seiner Lebensstufe.
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair, *2. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hans Böhm.
Das Wetter ist etwas unruhig und wechselhaft in diesen Tagen, es droht eine neue, große Hitzewelle - die letzte vor kurzem war sicherlich für die meisten nahezu unerträglich, bis für sehr wenige Menschen,
die ich kenne. Jetzt kämpft das Islandtief (was uns immerhin auch Temperaturen bis zu 30° bescheren würde, aber das unterschreibe ich sofort nach der letzten Bruthitze) mit dem erneuten, extremen Hoch - Länder versuchen sich jetzt besser darauf vorzubereiten...auch Sie?
Ich kenne Menschen, die vor etwa einer Woche in ihrem Kellerraum geschlafen haben...
Was hatte mein Großvater Wilhelm bei gutem Juliwetter gemacht? Er hätte sich Stunden unter seinen schattigen Apfelbaum gesetzt - und Gott einen guten Mann sein lassen...
Mein Großvater war nicht wirklich ein Freund der hohen Temperaturen, wie auch ich - aber er konnte Tage bis zu 30° C schon ertragen, genießen wäre das falsche Wort - aber bitte nur im Schatten...
...allerdings hätte Wilhelm auch bei Temperaturen wie zuletzt bis zu 40°, und dies über Tage, ziemlich gelitten.
Das folgende Juligedicht von Hans Böhm kommt ziemlich Sommer-bejahend daher, das ist ja auch in Ordnung - aber bitte keine erneute Bruthitze!
Juli
von Hans Böhm
Mit weißen Wolken Sommertag
Wie himmlisch du mich überblühst!
Es neckt der Wind mit lauem Schlag
Die Sonne wandelt hoch und grüßt.
Im Lindenbaume fällt und steigt
Der Biene dunkler Glockenton.
Geziefer webend mich umgeigt
So hör ich’s tausend Jahre schon.
Und wie die Wärme jubelnd schwillt
Und flimmert über Feld und Au
Da fahr ich mit der Erde mild
Und golden in das Himmelsblau.
Hans Böhm, *18. April 1876 in Köln,
+12. Dezember 1946 in Dießen am
Ammersee (heute LK. Landesberg am Lech, BY)
Böhm war ein deutscher Literaturwissenschaftler
Heute vor 33 Jahren starb Wilhelm im Alter von 89 Jahren nach kurzer Schwäche im hiesigen Hospital.
Er war ein äußerst humorvoller Großvater, der immer einen Scherz auf den Lippen hatte, immer sehr heitere Anekdoten erzählte.
Als 1979 der amerik. Schauspieler John Wayne starb, titelte ein großes deutsches Boulevardblatt die Schlagzeile:
"Er starb wie ein Held" -
Wilhelm sagte zu mir: "...das werden sie über mich nicht schreiben, wenn ich einmal sterbe!" -
...doch, Opa, Du bist wie ein Held gestorben, mit einem Lächeln im Gesicht, einem letzten Scherz auf den Lippen und ohne Furcht. Und
es schreibt DOCH jemand über Dich:
"Wilhelm Remiorz starb wie ein Held"
Inschrift auf John Waynes Grabstein:
„Der morgige Tag ist das Wichtigste im Leben. Er kommt zu uns um Mitternacht – ganz rein. Er ist makellos, wenn er ankommt, und gibt sich in unsere Hände. Er hofft, dass wir vom Gestern etwas gelernt haben.“
John Wayne, 26.05.1907 in Winterset, Iowa, +11.06.1979 in L.A.
Zur Gedenkkerze ein Junigedicht von Clara Müller-Jahnke.
Die Sommersonnenwende ist vollzogen - der "Mittsommer" ist da -
nun werden die Tage wieder kürzer...wollen Sie das wirklich hören?
Es herrscht eine Hitzewelle vor - Wilhelm, nicht der Sonnenanbeter wie auch ich, würde sich in den Schatten unter dem alten Kirsch- oder Birnbaum setzen, eine kalte Flasche Zitronensprudel auf dem Tisch - und sich ständig den Schweiß mit einem Taschentuch von der Stirn wischen...dieses Bild habe ich in Erinnerung...manchmal las mein Opa dabei in einem alten Gedichtband - und trug auch mir gerne ein paar - meist heitere - Verse vor...
Sonnenwende
von Clara Müller-Jahnke
Es fiel ein Blütenregen
herab auf Wald und Feld,
ein Netz von Sonnenstrahlen
umspinnt die grüne Welt;
das flammt und blüht und duftet
und höhnt den Glockenschlag,
als ging er nie zu Ende,
der süße, goldene Tag ...
O Tag der Sonnenwende,
vollblühende Rosenzeit,
du hast mir ins Herz geduftet
berauschende Seligkeit!
Das pocht und glüht und zittert
und bebt im Vollgenuss,
als ging er nie zu Ende,
der süße, erste Kuss -
O Tag der Sonnenwende!
Clara Müller-Jahnke, dt. Dichterin, Journalistin und Frauenrechtlerin, *1860 in Lenzen, damaliges Hinterpommern, heute zur polnischen
Woiwodschaft Westpommern gehörend - +1905 in Wilhelmshagen,
seit 1920 zu Berlin gehörend, Bezirk Treptow-Köpenick.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht von Ada Christen.
Heute früh gab es hierzulande noch einen Regenschauer - aber schon in wenigen Tagen rollt eine neue, vermutlich sogar Hitzewelle, heran.
Ging ich mit meinem Großvater Wilhelm nach einem Regenguss spazieren, fragte er mich stets:
"Junge, riechst du den Wald, riechst du das Feld, die Wiese nach dem Regen?" In der Tat ist es ein schöner, gar erfrischender Geruch - da hatte mein Opa schon recht...und die Luft ist schlichtweg besser nach einem warmen Tag - nun gut, manchmal ist diese direkt nach einem sommerlichen Regenschauer auch recht schwül...Wilhelm atmete aber immer tief und hörbar durch - "Endlich wieder Luft schnappen können", äußerte er so bei sich...
Nach dem Regen
von Ada Christen
Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne, feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.
Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niederen Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.
Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.
Ada Christen (Pseudonym), eigentl. Christina von Breden, *06. März 1839 in Wien, +19. Mai 1901 in Inzersdorf am Wienerberge, seit 1938 Stadtteil von Wien.
Christen war eine österreichische Schriftstellerin, Dichterin und Theaterschauspielerin.
Durch die Vermittlung des Schriftstellers und Lyrikers Ferdinand von Saar erschien 1868 als ihre erste Veröffentlichung das Gedichtband "Lieder einer Verlorenen", welches durch seine Kombination von Erotik und sozialer Anklage zur Provokation wurde und entsprechend hohe Auflagen erreichte. Saar hatte ihr auch zu dem Pseudonym "Ada Christen" geraten, das sie für immer bei behielt.
Zur heutigen Gedenkkerze ein kurzes Junigedicht von Fridolin Hofer.
Der Mai wurde nach den Eisheiligen ex abrupto sehr warm - jetzt sind wir wieder bei mäßig warmen, durchwachsenen Junitagen angekommen. Morgen erwarten wir wieder mehr Wolken als Sonne, gepaart mit Regenschauern. Wie wird der Juni wohl bilanzmäßig ausfallen?
Wilhelm wäre über einen "sehr moderaten" Juni sicherlich nicht böse gewesen, so sehe ich das auch - der Sommer wird noch früh genug wieder "aufdrehen"...
Juni
von Fridolin Hofer
Juni streift mit warmer Handletzte Blüten von den Bäumen.
Wie enttaucht verwelkten Träumen,schaut aus dunkler Blätterwandjunge Frucht in lichtes Land...
Fridolin Hofer, * 26.10.1861 in Meggen, Kanton Luzern, † 16.3.1940
in Römerswil bei Luzern.
Hofer war einer stark vom Glauben geprägter schweizer Lyriker,
Lehrer und Organist.
Heute vor 122 Jahren wurde mein Großvater Wilhelm in Bottrop im
Ruhrgebiet geboren, vom Familienstamm war er Schlesier.
Ein Original erblickte das Licht der Welt, eine Frohnatur, ein unglaublich humorvoller Mensch - er sollte viele Menschen fröhlich und glücklich machen!
Wilhelms Geburtsjahr 1904 - was war das für eine Zeit? Vor 122 Jahren? Können wir es uns retrospektiv vorstellen, in dieser Zeit zu leben?
- Kaiser Wilhelm ll. war Staatsoberhaupt, Bernhard von Bülow Kanzler.
- das Kinderschutzgesetz trat in Kraft, die Arbeit von Kindern unter
12 wurde in allen Betrieben verboten (!) - (Wilhelm begann aber auch bereits mit 14 Jahren eine Bergmannslehre)
- Wilhelms und auch mein Lieblingsclub FC. Schalke 04 wurde gegründet, noch unter dem Namen Westfalia Schalke.
- der Fußballweltverband FIFA wurde ebenfalls 1904 gegründet.
- die beliebtesten Vornamen 1904 waren u. a. Maria, Helene und
Erna, Hans, Paul, Otto und Walter.
Ich werde am heutigen Tag viel an meinen Opa denken - an seine
tollen Geburtstagsfeiern mit vielen Gästen, leckeren Torten, üppigem Abendessen - und ich werde viel lächeln, wenn mir einige seiner Späße einfallen...
Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf Euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein"
Apostelgeschichte, 1.8
Zur heutigen Gedenkkerze am hochsommerlichen Pfingstsonntag ein Gedicht von Goethe.
Ich erinnere mich an viele Pfingstfeste meiner Kindheit und frühen Jugend - zunächst ging es morgens zum Festgottesdienst in die hiesige Elisabethkirche, unweit von meinem Elternhaus entfernt - auch musste ich schon mal an einem Pfingstsonntag Messe dienen, was mir immer sehr viel Freude bereitete.
Einen Feiertagsausflug gab es meiner Erinnerung nach nicht, Mittags kamen allermeist meine Großeltern (Wilhelm und Theresia) zum Festessen und zum Kaffeetrinken zu Besuch. Spielte das Pfingstwetter mit, verbrachten wir noch schöne Stunden im Garten, bis zum Abendessen.
Pfingsten
von Johann Wolfgang von Goethe
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen, es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe, * 28. August 1749
in Frankfurt am Main, +22. März 1832 in Weimar.
Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.
Zur heutigen Gedenkkerze einige Bauernregeln, passend zu den "Eisheiligen", sowie ein Gedicht von Max Hermann Neiße.
In Norddeutschland gelten traditionell nur die ersten drei Heiligen (Mamertus, Pankratius, Servatius) als Eisheilige, während etwa ab der Südhälfte Deutschlands auch Bonifatius und Sophia, auch genannt "die kalte Sophie" mitgezählt werden.
Im letzten Jahr waren "die Eisheiligen“ sehr gnädig, es herrschte sommerliches Wetter bei Temperaturen bis zu 24° C in unserer Region.
Ausgerechnet zu Mamertus schlug das milde und trockene Wetter um - es regnete stark, vorgestern, an Pankratius, war es durchwachsen bei Höchsttemperaturen um 11° C. Gestern zu Servatius zogen Gewitter mit Starkregen durch. Auch die nächsten Tage soll es auch ähnlich kühl und durchwachsen weitergehen.
Wilhelm wäre es wahrscheinlich ganz genehm gewesen, machte der "Maisommer" doch eine Pause. Empfinde ich auch so. Und die Natur kann nach anhaltend trockenem Wetter durchatmen...
...die Pfingstprognose sieht nun wieder ganz anders aus....
Hier ein paar ausgewählte Bauernregeln zu den Eisheiligen von einer Vielzahl derer:
Zu Mamertus:
"Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz."
Heute zu Pankratius:
"Wenn’s an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert."
13. Mai - Servatius:
"Servaz muss vorüber sein, willst vor Nachtfrost sicher sein."
14. Mai - Bonifatius:
"Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost."
15. Mai - Sophia:
"Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte daher gerannt."
"Pflanze nie vor der Kalten Sophie."
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Die Eisheiligen
von Max Hermann Neiße
Die Eisheiligen stehen mit steif gefrorenen Bärten,
aus denen der kalte Wind Schneekörner kämmt,
früh plötzlich in den blühenden Frühlingsgärten,
Nachzügler, Troß vom Winter, einsam, fremd.
Eine kurze Weile nur sind sie hilflos, betroffen,
dann stürzt die Meute auf den Blumenpfad.
Sie können nicht, sich lang zu halten, hoffen;
so wüsten sie in sinnlos böser Tat.
Von den Kastanien reißen sie die Kerzen
und trampeln tot der Beete bunten Kranz,
dem zarten, unschuldsvollen Knospenglück
bereiten sie hohnlachend Schmerzen,
zerstampfen junges Grün
in geisterhaft verbissenem Kriegestanz.
Plötzlich mitten in all dem Toben und Rasen
ist ihre Kraft vertan,
und die ersten warmen Winde blasen
aus der Welt den kurzen Wahn.
Max Herrmann-Neiße, eigentlich Max Hermann, *23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien, 08.April 1941 in London.
Wie viele Schriftsteller der Zeit geriet Max Herrmann-Neiße schnell in Vergessenheit. Seine Werke wurden erst ab den späten 1970er Jahren allmählich wiederentdeckt.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Goethe.
Die Regentage sind vorbei, die Natur konnte sich etwas erholen von den viel zu trockenen Wochen.
Wilhelm hätte bei dem heutigen Sonne-Wolken-Mix und erwarteten Temperaturen bis 16° C sicherlich einen ausgedehnten Spaziergang gemacht - war mein Großvater doch nicht wirklich ein Freund von hochsommerlichem Wetter...
Mai
von Johann Wolfgang von Goethe
Leichte Silberwolken schweben
Durch die erst erwärmten Lüfte,
Mild, von Schimmer sanft umgeben,
Blickt die Sonne durch die Düfte.
Leise wallt und drängt die Welle
Sich am reichen Ufer hin,
Und wie reingewaschen helle,
Schwankend hin und her und hin,
Spiegelt sich das junge Grün.
Still ist Luft und Lüftchen stille;
Was bewegt mir das Gezweige?
Schwüle Liebe dieser Fülle,
Von den Bäumen durchs Gesträuche.
Nun der Blick auf einmal helle,
Sieh! der Bübchen Flatterschar,
Das bewegt und regt so schnelle,
Wie der Morgen sie gebar,
Flügelhaft sich Paar und Paar.
Fangen an, das Dach zu flechten -
Wer bedürfte dieser Hütte?
Und wie Zimmrer, die gerechten,
Bank und Tischchen in der Mitte!
Und so bin ich noch verwundert,
Sonne sinkt, ich fühl es kaum;
Und nun führen aber hundert
Mir das Liebchen in den Raum,
Tag und Abend, welch ein Traum!
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe, * 28. August 1749 in Frankfurt/M., +22. März 1832 in Weimar.
Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Otto Julius Bierbaum.
Haben Sie das warme Wetter an diesem Maifeiertag genießen können? Unternahmen Sie einen Ausflug oder haben sie es sich nur schön gemütlich gemacht daheim, vielleicht im eigenen Garten oder dem Balkon?
Wilhelm hätte sich heute auf seinen Gartenstuhl unter dem alten Birn- oder Kirschbaum gesetzt - vermutlich fast den ganzen Tag...aber: es musste schon etwas schattiger sein...24° C waren es hierzulande am Nachmittag...
Mai
von Otto Julius Bierbaum
Nun aber hebt zu singen an
Der Mai mit seinen Winden.
Wohl dem, der suchen gehen kann
Und bunte Blumen finden!
Die Schönheit steigt millionenfach
Empor aus schwarzer Erden;
Manch eingekümmert Weh und Ach
Mag nun vergessen werden.
Denn dazu ist der Mai gemacht,
Daß er uns lachen lehre.
Die Herzen hoch! Und fortgelacht
Des Grames Miserere!
Otto Julius Bierbaum, * 28. Juni 1865 in Grünberg, Schlesien, (heute Zielona Góra, poln. Woiwodschaft Lebus), + 1. Februar 1910 in Dresden.
Bierbaum war ein deutscher Journalist, Redakteur, Schriftsteller und Librettist. Bekannt war er auch unter den Pseudonymen „Martin Möbius“ und „Simplicissimus“.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Johann Georg Jacobi.
Der April macht was er will - es traf auch dieses Jahr manchmal zu -
es gab einige kühle und windige Tage, aber viele sehr sonnige wie die letzten Tage - davon ein paar knapp über 20° C - allerdings wenig Regen in unseren Breitengraden, was wiederum nicht so gut für die Natur ist.
Wilhelm, ein "Schattensitzer" wie auch ich - hätte sicherlich nichts gegen einige Regentage mehr im April gehabt...die Hecken verlieren in der Tat Blätter, die Wiesen sind etwas gelb geworden und es gibt kaum "Unkraut"... Bienen und Hummeln sind nur selten zu sehen - finden wir das trockene und warme Wetter wirklich so gut?
April
von Johann Georg Jacobi
Was kümmert’s dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr tut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gib uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bei Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirtschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.
Johann Georg Jacobi, * 02. September 1740 auf Gut Pempelfort (P. im 13. Jhd. einer der ersten Ortsteile von Düsseldorf), † 04. Januar 1814 in Freiburg/Breisgau.
Jacobi war zunächst Theologiestudent, dann absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft, war Dichter und Publizist. Er ist der jüngere Bruder des Philosophen und Schriftstellers Friedrich Heinrich Jacobi, Vater Johann Conrad war ein wohlhabendender Zuckerkaufmann.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse über das Älterwerden.
Hesse war einer der Lieblings-Buchautoren Wilhelms, ich las auch mehrfach begeistert seine Werke.
Die Verse passen retrospektiv gesehen ganz gut zu meinem Großvater, eine Interpretation im Bezug zu Wilhelm würde jetzt allerdings jeglichen Rahmen sprengen - man kann aber aufgrund der Verse und der anschließenden Interpretation die ähnliche Einstellung Wilhelms zum "Älter werden" herauslesen...
Älterwerden
von Hermann Hesse
Sterne der Jugend, wohin
Seid ihr hinabgefallen?
Keinen mehr von euch allen
Seh im Gewölk ich ziehn.
Ihr meiner Jugend Genossen,
Ach wie früh mit der Welt
Habt ihr Frieden geschlossen!
Keiner, der zu mir hält!
Junge, die ihr uns Alten
Hohnlacht, wie habt ihr recht!
Denn auch ich selber – wie schlecht
Hab ich mir Treue gehalten!
Dennoch kämpfe ich weiter,
Steh entgegen der Welt.
Kann ich nicht siegen als Held,
Will ich doch fallen als Streiter.
Interpretation aus dem Netz:
"Das Greisenalter ist für den Schriftsteller eine Stufe des menschlichen Lebens und hat wie alle anderen Lebensphasen ein eigenes Gesicht, eine eigene Atmosphäre und Temperatur sowie eigenen Freuden und Nöten. Ein Alter, der sein Altsein und die Todesnähe hasst oder fürchtet, ist seiner Meinung nach kein würdiger Vertreter seiner Lebensstufe."
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair, *02. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Aprilgedicht von Rainer Maria Rilke.
Der April macht was er will - es trifft wieder einmal zu, nach einem sehr sonnigen Tag bei 22° C folgte gestern in hiesigen Breitengraden ein Gewitter und der Temperatursturz auf 11° C bei einem Sonne-Wolken-Mix. Heute soll es wieder bis zu 19° C warm werden - allerdings kann mit zeitweiligem Regen gerechnet werden.
Wilhelm würde heute einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen, hier und da ein Quätschchen halten - und wenn es einen Schauer geben sollte - na und? Mein Großvater sagte immer: "Ich bin doch nicht aus Puderzucker, dann werde ich halt nass!" Ich sehe es ähnlich...
Aus einem April
von Rainer Maria Rilke
Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt
Mt 28,20
Zur heutigen Gedenkkerze am Ostersonntag später noch ein Gedicht von Angelus Silesius.
Wie gerne erinnere ich mich an die vielen schönen Osterfeste mit Opa Willi und Oma Theresia! Ich konnte es kaum erwarten, bis sie zum Osteressen erschienen - und natürlich gab es für den kleinen Enkel ein oder auch mehrere Geschenke - Naschereien, ein kleines Stofftier, ein Spielzeugauto...
Den Lesern von Wilhelms Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!
Osterjubel
von Angelus Silesius
Jetzt ist der Himmel aufgetan,
jetzt hat er wahres Licht!
Jetzt schauet Gott uns wieder an
mit gnädigem Gesicht.
Jetzt scheinet die Sonne
der ewigen Wonne!
Jetzt lachen die Felder,
jetzt jauchzen die Wälder,
jetzt ist man voller Fröhlichkeit.
Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit
und voller Ruhm und Preis.
Jetzt ist die wahre, goldne Zeit
wie einst im Paradeis.
Drum lasset uns singen
mit Jauchzen und Klingen,
frohlocken und freuen;
Gott in der Höh sei Lob und Ehr.
Jesus, du Heiland aller Welt,
dir dank ich Tag und Nacht,
daß du dich hast zu uns gesellt
und diesen Jubel bracht.
Du hast uns befreiet,
die Erde erneuet,
den Himmel gesenket,
dich selbst uns geschenket,
dir, Jesus, sei Ehre und Preis.
Angelus Silesius (eigentlich Johannes Scheffler), geb. am 25. Dezember 1624 in Breslau, Schlesien, gest. am 9. Juli 1677 ebenda.
Scheffler war ein schlesischer Lyriker, Theologe und Arzt. Die tiefreligiösen, mystischen Epigramme zählen zu den bedeutendsten lyrischen Werken der Barockliteratur.
Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feiertag.
Für Wilhelm und seine Geschwister.
Am Karfreitage
von Annette von Droste-Hülshoff
Weinet, weinet, meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen,
Ach, der Tag will euch nicht taugen,
Und die Sonne will euch höhnen!
Seine Augen sind geschlossen,
Seiner Augen süßes Scheinen.
Weinet, weinet unverdrossen,
Könnt doch nie genugsam weinen!
Als die Sonne das vernommen,
Hat sie eine Trauerhülle
Um ihr klares Aug genommen,
Ihre Tränen fallen stille.
Und ich will noch Freude saugen
Aus der Welt, der hellen, schönen?
Weinet, weinet meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen!
Gedicht gekürzt
Annette von Droste-Hülshoff, *12. Januar 1797, nach anderen Quellen 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster, +24. Mai 1848 auf Burg Meersburg in Meersburg.
Droste-Hülshoff war eine dt. Schriftstellerin und Komponistin. Sie gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern des 19. Jahrhunderts.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Theodor Fontane.
Das Wetter rund um den Frühlingsbeginn ist nach wie vor mild, recht sonnig und trocken.
Meine Großeltern hätten an solch einem schönen Sonntag sicherlich einen schönen Nachmittags-Spaziergang zu uns in den benachbarten Ortsteil gemacht. Andernfalls hätten wir sie besucht - Wilhelm hätte vielleicht sogar schon seinen Gartenstuhl aus dem Stall geholt und säße unter seinem alten Apfelbaum...
Frühling
von Theodor Fontane
Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
„Er kam, er kam ja immer noch“,
Die Bäume nicken sich’s zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuss auf
Schuss;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muss.
Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: „Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.“
O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819 in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin.
Fontane war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Kritiker.
Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Auferstehung ist unser Glaube,
Wiedersehen unsere Hoffnung,
Gedenken unsere Liebe.
Aurelius Augustinus
Für Wilhelm. Für Franz.
Heute jährt sich der Todestag von Wilhelms Schwiegersohn, meinem Vater Franz Steinhardt (eigene Gedenkseite), der heute vor 40 Jahren, am 15. März 1986, von uns ging. Franz starb plötzlich und unerwartet, kurz vor seinem 60. Geburtstag.
Mein Vater nahm Wilhelm an wie seinen eigenen Vater - und mein Großvater ihn wie einen Sohn. Franz leiblicher Vater verstarb ebenfalls sehr früh, im Alter von 56 Jahren - ich lernte ihn nie kennen.
Die Schwiegermutter, meine Großmutter Theresia nahm er auch an
wie eine zweite Mutter, und meine Oma ihn wie einen eigenen Sohn.
Franz besuchte seine Schwiegereltern auch häufig alleine, fand dort etwas, was er nie - oder lange nicht mehr fand...
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Der Winter ist nun tatsächlich "geflüchtet", um Bezug auf die Verse zu nehmen. Temperaturen von fast 20° C, die Magnolie im Garten beginnt mit ihrer ersten zarten Blüte - es ist viel zu trocken und ungewöhnlich warm für diese ersten Märztage - ein Ende dieses Hochs ist noch nicht ganz abzusehen...
Wilhelm würde jetzt - bei solch mildem Sonnenschein - lange Wanderungen durch Wald und Feld unternehmen - ich erinnere
mich auch an viele schöne, gemeinsame Spaziergänge mit meinem Opa...
Winters Flucht
von Hoffmann von Fallersleben
Dem Winter ward der Tag zu lang,
ihn schreckt der Vogel Lustgesang;
Er horcht und hört´s mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das macht ihm Leid.
Er sieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihn Pein.
Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und sprach:
“Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut, mit Demantstaub bestreut?”
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nun laufen kann.
Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil´s noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war ein dt. Hochschullehrer, Dichter und Übersetzer wie Herausgeber
von alten Schriften.
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-
Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg, +19. Januar 1874 im Kloster
Corvey, heute zur Stadt Höxter, OWL.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. März ein Gedicht von Rilke.
Ich erinnere mich gerne zurück an meine Kindheit, als mein Großvater mit mir im Frühjahr durch die hiesigen Felder ging, durch den alten Kirchweg, durch das dortige Wäldchen.
Wilhelm erklärte mir alle frühblühenden Pflanzen und Bäume, dass
die Osterglocke eine Narzisse ist, aber nicht jede Narzisse damit eine Osterglocke sei...diese ist eine Unterart der Narzisse, welche "voll gelb" ist und kleiner als andere Narzissenarten, welche auch größer sein können und zum Beispiel gelb-weiße Blüten besitzen...hatte sich der kleine Enkel gemerkt...
Wilhelm äußerte auch gerne "Riechst Du auch den Frühling? Die gute Luft?" ...und nahm erst einmal ein paar kräftige Atemzüge...
Vorfrühling
von Rainer Maria Rilke
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Stephan Milow, welches zum Ende prospektiv ein wenig Hoffnung auf das kommende Frühjahr gibt.
Die letzten Tage waren in unseren Breitengraden sehr wechselhaft,
bei Temperaturen um die 8-10° C.
Nun deutet sich ein Wetterwechsel an - zumindest für ein paar Tage - bei Werten um die 16-17° C, und zunächst viel Sonnenschein.
Wilhelm nahm die Jahreszeiten wie sie kamen, ich hörte nie ein
Murren darüber, dass es zu kalt war, zu regnerisch oder zu heiß.
Auch Regen oder stürmisches Wetter konnte meinem Großvater
nichts anhaben - ein Nachmittags-Spaziergang musste doch sein...
War es im Sommer wirklich zu warm, verzog er sich auf seinen Gartenstuhl im Schatten des alten Apfelbaums...für Stunden..
Dämmergrau die weite Runde...
von Stephan Milow
Dämmergrau die weite Runde,
Stille rings, kein Leben wach,
Nur im öden Waldesgrunde
Rieselt halb erstarrt ein Bach.
Zuckend liegt danieder alles,
Blattlos zittern Baum und Strauch,
Doch inmitten des Zerfalls
Welch ein wundersamer Hauch!
War es nicht dasselbe Schauern,
Als der Herbst umflort das Land?
War es nicht dasselbe Trauern,
Als ich damals brütend stand?
Was nur webt da, nicht zu sagen,
Über all dem Todesgraun,
Dass mein Herz aus seinen Klagen
Plötzlich aufpocht voll Vertrauen?
Ja, das ist in all dem Beben
Schon die Ahnung, die da spricht:
Diesen Schauern folgt das Leben,
Dieser Dämmerung das Licht.
Stephan Milow, eigentl. Stephan von Millenkovich, *09. März 1836 in Orsowa, damal. Kaisertum Österreich, heute zu Rumänien, +12. März 1915 in Mödling, Niederösterreich.
Milow war Lyriker, Erzähler, Kartograph sowie Vater von Max von Millenkovich, Musikschriftsteller (Pseud. Max Morold) und Benno
von Millenkovich.
Zur heutigen Gedenkkerze am Aschermittwoch
ein passendes Gedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Die närrische Zeit ist nun endgültig vorbei - Wilhelm nahm diese schon ganz gerne mit - mit seinem Humor, schon fast gleich einem Heinz Erhardt - liegt das schon irgendwo nahe...
...aber ich glaube mein Großvater war auch nicht ganz unglücklich, dass das närrische Treiben mit dem Aschermittwoch jäh ein Ende nahm - schließlich verbreitete er das ganze Jahr über seine Witze und gute Laune...und: ewig nur Fasching - wo bleibt dann noch die Freude au eine solche Zeit...?
Aschermittwoch
von Hoffmann von Fallersleben
Wir feiern im Norden jetzt überall
Mit hoher Erlaubnis den Carneval.
Wir treiben Spott, wir treiben Scherz
Mit allerlei in unserm Land und allerwärts.
So kommt denn manche Wahrheit wohl an
den Tag,
Die man nicht offenbaren darf und mag.
Und mancher singt und mancher sagt,
Was er doch sonst wohl schwerlich hätte gewagt.
Das wäre nun Alles zu unserm Gedeihn,
Ja, müsst es bei uns ewig Fasching sein.
Wer kann Jahr aus, wer kann Jahr ein
Und immerfort und immerfort ein Narr doch sein.
Der Carneval vergehet ohne Spur,
Und immerfort behalten wir die Censur.
Gäbt ihr dafür die Presse frei,
Bei Gott, das wär die allerschönste Narretei!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben war ein dt. Hochschullehrer, Dichter und Übersetzer wie Herausgeber
alter Schriften.
*02. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 zu Wolfsburg, +19. Januar 1874 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, OWL.
Zur heutigen Gedenkkerze am Nelkensamstag ein kleines Gedicht, passend zum Fasching, zum Karneval.
Wilhelm war als Frohnatur (natürlich) "jeck", wie auch ich. Ich erinnere mich an schöne Faschingsumzüge gemeinsam mit meinem Großvater, auch dass wir einst zusammen Mainz bleibt Mainz (...) schauten und Opa immer für gute Stimmung sorgte...
Fasching, Karneval feiern, in dieser Zeit? Gönnen Sie den anderen die kurze Etappe des Frohsinns -
- am Aschermittwoch können wir ja alle wieder zusammen Trübsal blasen, für den Rest des Jahres...
Narrenzeit
von Theodor Storm
O wär im Februar doch auch,
Wies andrer Orten ist der Brauch,
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich mißt,
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
Wie wäre der zu andrer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.
Hans Theodor Woldsen Storm, *14. September 1817 in Husum, damaliges Herzogtum Schleswig, +4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen, heute Kreis Rendsburg-Eckenförde, Schleswig-Holstein.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Theodor Fontane, welches er an seine jüngste Schwester Elisabeth schickte.
Ich erinnere mich genau, wie mein Großvater Wilhelm mir dies in meiner frühen Jugend aus einem kleinen, vergilbten Gedichtband
von Fontane vortrug. Über den Verbleib des Büchleins kann ich nur spekulieren.
Analytisch gesehen möchte das lyrische Ich seine große Zuneigung
zu seiner Schwester Elisabeth "Lischen" ausdrücken und sie ermutigen, ihr Leben zu genießen und glücklich zu sein.
Es passt schon zu Wilhelm, im Prinzip hatte mein Opa stets ein "heitres, fröhliches Herz" und konnte jeden Moment seines Lebens genießen - welch Talent!
An Lischen
von Theodor Fontane
Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli und August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober,
Und bleibe meine gute Schwester
Bis zum Dezember und nächsten Silvester.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember
1819 in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin.
Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht, passend zum Februarbeginn, auch passend zu meinem doch sehr humorvollen Großvater...
Die Verse passen zwar nicht ganz zu dem heute hier durchweg sonnigen Sonntag bei Plusgraden, in einigen Gebieten Deutschlands sieht das Wetter momentan aber ganz anders aus, Schneemassen
und klirrende Kälte.
Februar
von Friedrich Wilhelm Wagner
Es wird allmählich Frühling werden.
Zwar merkt man wenig noch davon
Und duldet vielerlei Beschwerden,
Indes – man denkt: es macht sich schon.
Und watet man in Schnee und Kot
Auch knöcheltief – die Hoffnung blüht
In jedem menschlichen Gemüt,
Stets rosenrot, stets rosenrot.
Friedrich Wilhelm Wagner, *16.08.1892 in Hennweiler/Hunsrück, +22.06.1931 in Schönberg/Schwarzwald
Diese Gedenkkerze ist nicht nur für Wilhelm, sondern auch für meine verstorbene Cousine Gaby, Wilhelms Enkelin, welche wir vor 6 Tagen zu Grabe getragen haben.
"Poenam no sentio mortis. Poena fuit vita, requies mihi morte parata est."
Kurzinterpretation des folgenden Gedichtes von Lissauer (mein-lernen.at) - dort finden Sie auch eine längere Interpretation -
"Der Januar gilt oft als kalter, unbeweglicher Wintermonat, doch in
der Literatur erscheint er häufig als Zeit des Übergangs. Zwischen Dunkelheit und zunehmendem Licht kündigt sich eine leise Veränderung an. Ernst Lissauers Gedicht „Januar“ greift genau
diesen Moment inneren Erwachens auf."
Januar
von Erich Lissauer
Ich bin erwacht aus toter Winterruh’,
Es taut mein Blut, lang war es zugefroren.
Die Adern rinnen, offen stehn die Poren,
Ich spüre tief: es geht dem Frühling zu.
Klar fließt in mir Lichtjanuar.
Es wächst der Tag, es schwillt das Jahr.
Ernst Lissauer, *10. Dezember 1882 in Berlin, +10. Dezember 1937
in Wien.
Lissauer war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Publizist.
Diese Kerze ist nicht nur für Wilhelm, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Wilhelms Enkelin, welche wir heute zu Grabe getragen haben. Zur Gedenkkerze vom 06. Januar berichtete ich von ihrem Tod.
Die Trauerfeier wurde vom katholischen Pfarrer des Ortes sehr schön gestaltet, er fand tröstende Worte und konnte ohne abzulesen etwa 10 Minuten aus ihrem Leben erzählen.
Während der Zeremonie am Grab stand auf einmal die Sonne direkt über diesem, die zuvor nur zögerlich durch die Wolken lukte. Welch Symbolik - darüber sprach beim anschließenden Beisammensein fast jeder.
Auferstehung ist unser Glaube,
Wiedersehen unsere Hoffnung,
Gedenken unsere Liebe.
Aurelius Augustinus
Diese Kerze ist nicht nur für Wilhelm, sie ist außerdem für meine Cousine Gaby, Wilhelms Enkelin, welche heute nach 7-monatigem Kampf gegen den Krebs verstorben ist.
Gaby hinterlässt ihren Ehemann und ihre 94-jährige Mutter Thea - meine Tante, Wilhelms zweitgeborene Tochter.
In perpetuam memoriam!
Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten. Und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn.
Thornton Wilder
Zur Gedenkkerze am Neujahrsabend ein heiteres Gedicht von Joachim Ringelnatz.
Wilhelm war immer der erste, welcher am Neujahrsmorgen früh -
und schon wieder fit aufstand. Mein Großvater war sehr gesellig
und witzig, gar kommödiantisch, er brauchte keinen Alkohol um fröhlich zu sein.
Und so trank er nur an besonderen Tagen wie Silvester und anderen Feiern mal zwei Bier, aber nicht viel, er bevorzugte an Festtagen lieber "ein paar Schnäpschen", ohne jemals - zumindest in der Zeit wo ich ihn kannte - richtig über den Durst zu trinken.
Daher war er auch an Tagen wie heute als erster unterwegs, zum Neujahrs-Spaziergang in der Früh. "Ich war der einzige heute morgen
in der Siedlung - fast überall waren noch die Rolläden herunter - es war so schön ruhig und friedlich", so erinnere mich an die Worte meines Großvaters...
Ich halte es übrigens sehr ähnlich, ich finde es auch sehr schön, am Neujahrsmorgen eine Runde durch die fast leeren Straßen zu gehen...
Den Leserinnen und Lesern von Wilhelms Gedenkseite wünsche ich
ein gutes, gesundes neues Jahr 2026!
Der Glückwunsch
von Joachim Ringelnatz
Ein Glückwunsch ging ins neue Jahr,
Ins Heute aus dem Gestern.
Man hörte ihn sylvestern.
Er war sich aber selbst nicht klar,
Wie eigentlich sein Hergang war
Und ob ihn die Vergangenheit
Bewegte oder neue Zeit.
Doch brachte er sich dar, und zwar
Undeutlich und verlegen.
Weil man ihn nicht so ganz verstand,
So drückte man sich froh die Hand
Und nahm ihn gern entgegen.
Joachim Ringelnatz, eigentl. Hans Gustav Bötticher, war ein dt. Schriftsteller, Kabarettist
und Maler, der besonders zur Zeit der Weimarer Republik durch seine "komischen Auftritte" Berühmtheit erlangte. *07. Aug. 1883 in Wurzen, heute Große Kreisstadt im Landkreis Leipzig, "Ringelnatzstadt Wurzen", +17. Nov. 1934 in
Berlin.
Zur Gedenkkerze am letzten Tag des Jahres ein Gedicht von Goethe.
Was erwarten Sie vom nächsten Jahr?
Sind Sie voller Zuversicht, dass vieles besser wird?
Oder gehören Sie zu den grundsätzlich doch eher pessimistischen Menschen?
Mein Opa Willi war vor einem Jahreswechsel
stets optimistisch, stieß stündlich vor Mitternacht schon mit einem Schnäpschen aufs kommende Jahr an - man konnte es ja nicht früh genug begießen...und reflektierte das nun (fast) vergangene Jahr.
Optimistisch nach vorn schauen - können wir das auch in der "heutigen Zeit?"
Ich war eigentlich stets "Berufsoptimist", wenn andere meinen, es wird alles noch entsetzlicher, halte ich es in der Regel wie der Kölner "Et hätt noch immer jot jejange"
...ich gebe aber zu, dass der Satz mir in dieser Zeit nicht mehr so leicht über die Lippen geht wie früher...
Goethe schreibt uns in den folgenden Versen...
(...) "mit Vertrauen Vorwärts zu schauen" (...)
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern von Wilhelms Gedenkseite jedenfalls ein friedvolles und gesundes neues Jahr 2026!
Zum neuen Jahr
von Johann Wolfgang von Goethe
Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen
Hier uns zu freuen,
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.
Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammlen uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.
Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!
Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut,
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!
Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.
So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar;
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe,
* 28. August 1749 in Frankfurt/M., +22. März 1832 in Weimar.
Goethe war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung.
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Weihnachtstag ein Gedicht von
Adele Schopenhauer.
Wie wäre ein Weihnachten ohne die lieben Großeltern gewesen? Damals sicherlich unvorstellbar.
Wie inbrünstig mein Opa am Willi "Oh Du Fröhliche" schmetterte....
...wie sehr sich Oma Theresia über ihre Geschenke freute, das
Strahlen, ihr Leuchten in den Augen - wie sicherlich auch bei mir...
...gut, diese wundervollen Momente in der ewigen Erinnerung immer wieder aufs Neue abrufen zu können!
Ich wünsche Ihnen und ihren Angehörigen eine friedvolle Weihnacht! Sollten Sie an diesen Tagen einen lieben Menschen besonders vermissen, vielleicht sogar durch einen Sterbefall in diesem Jahr, wünsche ich Ihnen viel Kraft! Ist ein lieber Mensch in ihrem Umfeld erkrankt, oder gar Sie selbst, wünsche ich Ihnen oder der entsprechenden Person Hoffnung, Zuversicht und eine rasche Genesung!
Weihnachten wird es für die Welt!
von Adele Schopenhauer
Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskristallnen Schoß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!
Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer, bekannt als Adele Schopenhauer (Pseudonyme Henriette Sommer und Adrian Van der Venne, *12. Juli 1797 in Hamburg, † 25. August 1849 in Bonn. Schopenhauer war eine deutsche Schriftstellerin und Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer wie Tochter der Schriftstellerin Johanna Schopenhauer.
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 4. Advents ein Gedicht von Theodor Fontane.
Haben Sie schon viele Vorbereitungen für das Fest getroffen? Ihre Geschenke gekauft? Sind Sie mitten im "Weihnachtsstress" oder bleiben Sie ganz entspannt...kann Ihnen der Trubel um Sie herum
gar nichts anhaben?
Einen vorweihnachtlichen Stress hatte mein Opa Willi sicher nicht. Er ließ Gott einen guten Mann sein...seine Gattin, meine Oma Theresia übernahm die ganze Planung, das Geschenke kaufen und verpacken, das Backen und sonstiges rundherum.
Wilhelm hatte derweil die "Bespaßung" seiner Enkel und später auch Urenkel zur Hauptaufgabe, welches er bravourös meisterte. Mein Opa trug uns Adventsgedichte und Geschichten vor, erzählte heitere Dinge aus seinem Leben, spielte mit uns "Mensch! ärgere dich nicht", später auch Monopoly - Stress war ein Fremdwort für meinen Großvater - er machte sich keinen, ließ sich nicht davon anstecken.
Na, ob Sie, wir uns in dieser Zeit ein Stück davon annehmen können?
Lassen wir uns nicht stressen...
Im folgenden, kleinen Gedicht von Fontane ist Weihnachten "noch fern", allerdings sind wir heute nur noch wenige Tage von der Christnacht entfernt...
Sehen Sie schon den Stern? Halten wir doch schon einmal Ausschau...in uns selbst...
Wir sehen schon den Stern
von Theodor Fontane
Wir sehen schon den Stern
Tag der Geburt, heute bist du uns noch fern,
aber Tannen, Engel, Fahnen,
lassen und den Tag schon ahnen,
und wir sehen schon den Stern.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819 in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin. Fontane war ein dt. Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender Vertreter des Realismus.
Zur heutigen Gedenkkerze am Vorabend des 3. Advents ein Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Noch 11 Tage bis zur Christnacht - es herrscht ein buntes Treiben auf den Weihnachtsmärkten, auch wir werden morgen einen dieser besuchen.
Mit meinem Opa Willi war ich als Kind auch öfter auf dem Christkindlesmarkt, mein Großvater zeigte sich immer äußerst großzügig, wenn der kleine Enkel (zuviele...) Wünsche hatte...
"Hier! Ich habe 100 Mark mitgenommen! Die können wir ausgeben" -
so erinnere ich mich an Opas Ausspruch...sehr spendabel! Damals bekam man für diese Summe wirklich noch viel...
Die hohen Tannen atmen
von Rainer Maria Rilke
Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.
Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern, –
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux,
Schweiz.
Zur heutigen Gedenkkerze am 2. Advent ein passendes Gedicht
von Fontane.
Jeden Adventssonntag verbrachten wir mit den Großeltern, mal
kam Opa Willi und Oma Theresia zu uns in den benachbarten Ortsteil gelaufen, mal besuchten wir die beiden. Oma brachte natürlich ihr hervorragendes, selbstgebackenes Spritzgebäck sowie ihre äußerst leckeren Doppeldecker mit Streuseln und Vanillecreme mit. Bis heute unerreicht - "Omas altes Spezialrezept" existiert leider nicht mehr...
Mein Großvater trug im Scheine der Adventskerzen schöne Gedichte, passend zur Advents- und Weihnachtszeit vor - eine wunderschöne Erinnerung an eine längst vergangene Zeit - doch mir noch präsent,
als ob es erst gestern war...
Verse zum Advent
von Heinrich Fontane
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.
Heinrich Theodor Fontane, *30. Dezember 1819
in Neuruppin, Brandenburg, +20. September 1898 in Berlin.
Fontane war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Kritiker. Er gilt als bedeutender
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. Dezember ein Gedicht von Heinrich Hoffmann "Struwwelpeter", passend auch zum Dezemberbeginn.
Freuen Sie sich auf diesen Monat, nach diesem zumindest in meiner Region ab Mitte des Monats recht nassen und ungemütlichen November?
Ich erinnere mich gern an meinen Opa Willi zurück, der mir als Kind, uns allen im Scheine der Kerzen schöne Adventsgedichte vortrug -
unvergessliche Momente, die man gerne noch einmal zurückholen möchte...
Die folgenden Verse beschreiben den Dezember als "letzten von zwölf Brüdern", und stellen uns Jahres-retrospektiv eine Art Gewissensspiegel vor Augen...
Dezember - die 12 Brüder
von Heinrich Hoffmann
Er ist der letzte von zwölf Brüdern,
Des Jahres Pforte schließt er zu.
Was du gewonnen hast an Gütern
Und was verloren, zähle du!
Doch wäge strenger und besonnen,
Und schließ genaue Rechnung ab,
Was du an Weisheit hast gewonnen,
Und was an Torheit sich ergab.
Heinrich Hoffmann, *13. Juni 1809 in Frankfurt/Main, +20. September 1894 ebenda. Hoffmann war ein dt. Psychiater, Lyriker und auch Kinderbuchautor, von ihm stammt auch das berühmte Werk "Struwwelpeter"
Zum heutigen Totensonntag oder Ewigkeitssonntag ein paar Gedanken, Zitate von großen Meistern.
Auch mit katholischem Hintergrund, heutiges Christkönigsfest, war
für meine Familie dieser Tag eindeutig dem Totengedenken mit Friedhofsgang gewidmet, nicht nur zu Allerheiligen und Allerseelen.
Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.
Immanuel Kant
Da ist ein Land der Lebenden und ein Land der Toten. Und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe – das einzig Bleibende, der einzige Sinn.
Thornton Wilder
Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus…
Joseph von Eichendorff
Und am Abend meiner Reise
hebt der Ewige seine Hände.
Und er winkt und lächelt leise.
Und die Reise ist zu Ende.
Hermann Claudius
Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne.
Aurelius Augustinus (Augustinus von Hippo, Hl. Augustinus,
Bischof von Rom, 354-430)
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Gustav Renner.
Was empfinden wir bei einem Spaziergang im November? Vielleicht gerade bei dem aktuellen "November-Frühling?"
Einen (immer noch) währenden Abschiedsschmerz vom Sommer?
Gar eine Vorfreude auf den Winter, wenn man ihn denn mag?
Hegen wir trübe Gedanken oder genießen wir das gerade strahlend
schöne Herbstbild, welches sich uns bietet?
Träumen wir schon jetzt vom kommenden Frühjahr, welches, mit Verlaub, noch lange auf sich warten lässt?
Allein wenn ich das Wort Spaziergang höre oder lese, fällt mir immer mein Großvater Wilhelm ein. Er ging fast jeden Tag ausgedehnt spazieren, es musste schon Hund und Katz regnen, das er auf seine geliebten Rundgänge durchs Feld, an den Bauernhöfen vorbei, verzichtete.
Gerne erinnere mich zurück, wie ich mit meinem Opa gemeinsam diese Spaziergänge tätigte, durch das Feld, genannt der alte Kirchweg, oder quer durch den hiesigen Stadtwald mit Gelegenheit zum Besuch eines Spielplatzes. Wilhelm hatte immer viel zu erzählen - und ich als Kind selbstredend auch...langweilig wurde es mit meinem Großvater nie!
Spaziergang
von Gustav Renner
Im Winde knarren
Die alten Föhren
Und schütteln des Regens letzte Tropfen
Auf unser Haupt;
Kein Laut zu hören,
Nur unserer Herzen leises Klopfen.
Noch einmal bricht
Aus schweren Wolken
Die Sonne hervor mit stillem Leuchten,
Im Abendlicht
Aufblüht der See
Und Stämme und Gräser, die regenfeuchten.
Dein Antlitz glüht
In Jugendröte,
In Jugendglück wie in alten Tagen.
Mir ists, als müsste
Wie damals wieder
Ich heisse, tiefe Worte dir sagen.
Gedicht gekürzt
Gustav Renner, *17.10.1866 in Freiburg/Schlesien
(heutiges Świebodzice, poln. Woiwod. Niederschlesien),
+29.05.1945 ebenda.
Renner war deutscher Lyriker, Erzähler, Dramatiker und
Bibliothekar in Berlin.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Emmanuel Geibel.
Im Gegensatz zum Oktober, welcher einer der trübesten seit vielen Jahren war, verwöhnt uns dieser November nun mit traumhaftem Herbstwetter - die vergangene Woche verwöhnte uns mit strahlend blauem Himmel, bei Tagestemperaturen teilweise bis 18° C.
Wilhelm hätte bei solch einem Wetter sicherlich ausgedehnte Spaziergänge durch Feld und Wald unternommen - als Kind tat ich
dies oft gemeinsam mit meinem Großvater, mit dem es nie langweilig wurde, hatte er doch immer so viel zu erzählen - und dies auf sehr heitere Art und Weise!
Das folgende Gedicht von Emanuel Geibel gehört zur Naturlyrik,
die den Herbst als Sinnbild menschlicher Empfindungen deutet.
Mit eindringlichen Bildern schildert der Dichter Vergänglichkeit, Melancholie und zugleich Hoffnung. Das Gedicht verbindet den
Wandel der Jahreszeiten mit einer existenziellen Botschaft über
Trost und geistige Freiheit.
(Kurzinterpretation der österr. Internetseite "mein-lernen")
-
Ich sah den Wald sich färben
von Emmanuel Geibel
Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wusst es kaum, warum.
Durchs Feld vom Herbstgestäude
Hertrieb das dürre Laub;
Da dacht ich: deine Freude
Ward so des Windes Raub.
Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
An die gefrorne Scholle
Bist du nun festgebannt.
Da plötzlich floss ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
Der nach dem Süden zog.
Ach, wie der Schlag der Schwingen,
Das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt ichs wie Trost mir dringen
Zum Herzen wundersam.
Es mahnt aus heller Kehle
Mich ja der flüchtge Gast:
Vergiss, o Menschenseele,
Nicht, das du Flügel hast.
Franz Emanuel August Geibel, *17. Oktober 1815 in Lübeck,
+6. April 1884 ebenda.
Geibel war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er der erfolgreichste Dichter seiner Zeit, dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte.
Zur Gedenkkerze am heutigen Hochfest Allerheiligen und zum morgigen Gedenktag Allerseelen ein Gedicht von Franz Reinhold Fuchs.
Ich gedenke mit dieser Kerze nicht nur Wilhelm, sondern auch den Vorfahren meines Großvaters, seinen Eltern Johann und Maria Elisabeth, seinen Großeltern Josef und Maria wie Jakob und Sophia sowie weitere Ahnen, dessen Namen vermutlich niemand mehr kennt, zudem seinem Bruder Theodor und seiner Schwester Maria.
Die folgenden Verse sind vielleicht nicht gerade erbauend, aber vielleicht passend zu der beginnenden Reihe an Gedenktagen
im November, am Ende ein Lichtschimmer zwischen Trauer und Sehnsucht, zwischen Abschied und erhoffter Wiederkehr.
Allerseelen
von Franz Reinhold Fuchs
Welch traumhaft stilles Schreiten
Den fahlen Hain entlang!
Rings müder Blätter Gleiten,
Und über Stoppelbreiten
Verlorner Glockenklang.
Was je dein Herz besessen
An Hoffnung, Glück und Leid,
Was unter Gruftzypressen
Geschlummert, halbvergessen,
Gibt klagend dir Geleit.
Gestalten, längst entschwunden,
Brechen des Grabes Bann:
Neu bluten alte Wunden,
Und tote Wonnestunden
Lächeln dich schmerzlich an.
Herz, heiß die Sehnsucht schweigen,
Die um Vergangnes wirbt! –
Die ew’gen Sterne steigen,
Die Heimat dir zu zeigen,
Wo jede Klage stirbt!
Franz Reinhold Fuchs, dt. Pädagoge und Dichter,
* 08. Juni 1858 in Leipzig, +12. Mai 1938 in Dresden.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Hoffmann von Fallersleben.
Dis Sonne schien bis eben noch durch schon bedrohlich anmutende Wolken - das Sturmtief ist in Anmarsch, der Wind nimmt an Fahrt auf.
Wilhelm hätte vielleicht eben noch einen kleinen Spaziergang unternommen, das wilde Wolkenspiel und die umherwirbelnden Blätter beobachtend...
Für Wilhelm und seine Geschwister Theodor und Maria.
Herbstlied
von Hoffmann von Fallersleben
Der Frühling hat es angefangen,
Der Sommer hats vollbracht.
Seht, wie mit seinen roten Wangen
So mancher Apfel lacht!
Es kommt der Herbst mit reicher Gabe,
Er teilt sie fröhlich aus,
Und geht dann, wie am Bettelstabe
Ein armer Mann, nach Haus.
Voll sind die Speicher nun und Gaden,
Dass nichts uns mehr gebricht.
Wir wollen ihn zu Gaste laden,
Er aber will es nicht.
Er will uns ohne Dank erfreuen,
Kommt immer wieder her:
Lasst uns das Gute drum erneuen,
Dann sind wir gut wie er.
August Heinrich Hugo Hoffmann von Fallersleben, *02. April 1894 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, seit 1972 Ortsteil von Wolfsburg, +19. Januar 1894 im Kloster Corvey, heute zur Stadt Höxter, Ostwestfalen.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Gedicht von Hermann Hesse, passend zum Herbst, zum Oktober.
Beobachten Sie auch still die Entwicklung der Bäume, ihres Laubes
in dieser Jahreszeit?
Erfreuen sich auch an den sich in wundervollem rot verfärbenden Blättern im tiefen, besonders am Spätnachmittag herrlich diffusen Oktoberlicht der langsam ihre Abendrunde drehenden Herbstsonne?
Nun, die letzten Tage waren etwas trübe, wenig Sonne, ab und an ein kleines bisschen Niesel.
Vielleicht hatte man im Süden unseres Landes mehr Glück auf solch lichte Momente...
Wilhelm hätte aber jeden Tag genutzt um einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen - ein wenig Niesel, Wind, gar
stürmisches Wetter konnte meinem Großvater gar nichts ab...
die Herbstrunde am Nachmittag wurde gemacht...
Baum im Herbst
von Hermann Hesse
Noch ringt verzweifelt mit den kalten
Oktobernächten um sein grünes Kleid
Mein Baum. Er liebts, ihm ist es leid,
Er trug es fröhliche Monde lang,
Er möchte es gern behalten.
Und wieder eine Nacht, und wieder
Ein rauher Tag. Der Baum wird matt
Und kämpft nicht mehr und gibt die
Glieder gelöst dem fremden Willen hin,
Bis der ihn ganz bezwungen hat.
Nun aber lacht er golden rot
Und ruht im Blauen tief beglückt.
Da er sich müd dem Sterben bot,
Hat ihn der Herbst, der milde Herbst
Zu neuer Herrlichkeit geschmückt.
-
Besonderes zum Gedicht:
Der Baum kämpft um sein grünes Kleid, welches er nicht verlieren möchte. Das Blätterkleid verfärbt sich im Laufe des Herbstes immer mehr, bis der Baum in Strophe 3 in einer golden-roten Farbe LACHT...
Interessant ist, das Hesse uns eine Mischung aus Kreuzreimen und umarmendem Reim präsentiert, jeder vierte Vers der drei Strophen fällt vom Reimschema ab - Sätze enden auch ex abrubto in einer Strophe, "Mein Baum" (ein lyisches Ich!), "Ein rauher Tag" - eher seltener in Gedichten zu finden - Rilke fällt mir dazu gerade ein.
Hermann Hesse, *02. Juli 1876 in Calw, BW, nahe Pforzheim, +09. Aug. 1962 in Montagnola, CH, südwestlich von Lugano.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Erich Kästner. Der Oktober zeigt sich heute von seiner trüben Seite, auch der morgige Sonntag wird für hiesige Breitengrade als trübe aber trocken prognostiziert.
Nun, "frösteln", wie in den Versen von Kästner beschrieben, tut es zwar noch nicht - aber lang wird es damit nicht mehr auf sich warten lassen.
Wilhelm hätte sich vielleicht auch an diesem nicht kalten Oktobertag (15/16°C) nur mit einer Weste oder Pullover bekleidet, unter seinen alten Apfel- oder Birnbaum gesetzt, den umher fliegenden Blättern hinterher gesehen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen...
Der Oktober
von Erich Kästner
Für Wilhelm. Für Axel.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als seis zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hättst du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sinds Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte ers.
Emil Erich Kästner, *23. Februar 1899 in Dresden, +29. Juli 1974 in München.
Kästner war ein dt. Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter - "Das doppelte Lottchen" oder "Emil und die Detektive" werden fast jedem etwas sagen. Er zählt zu den Autoren von Weltgeltung. 1959 bekam Kästner das Große Bundesverdienstkreuz.
Zur heutigen Gedenkkerze am Tag der Deutschen Einheit ein schönes Herbstgedicht von Friedrich Hebbel.
Nach zwei ersten, wunderschönen Oktobertagen
ist es am heutigen Feiertag bewölkt, am Morgen fielen einige Tropfen, momentan ist es trocken und animiert doch noch zu einem nachmittäglichen Spaziergang.
Wilhelm würde sicherlich heute eine ausgedehnte Runde durch Wald und Feld unternehmen, sofern es trocken bleiben würde.
"Dies ist ein Herbsttag wie ich keinen sah", so beginnt das Gedicht von Friedrich Hebbel, es traf sicherlich mehr auf die letzten beiden Tage zu - ich habe soviele strahlende Gesichter gesehen, als ich gestern am späten Nachmittag mit dem Rad durch ein nahes Naturschutzgebiet fuhr...
Für Wilhelm. Für Axel.
Herbstbild
von Friedrich Hebbel
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel, früheres Pseudonym Dr. J. F. Franz, *18. März 1813 in Wesselburen/ Dithmarschen, heutiges Schleswig-Holstein,
+13. Dezember 1863 in Wien.
Hebbel war deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler "Maria Magdalena", sehenswert das Hebbel-Museum in Wesselburen
mit 550 Exponaten.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Georg Heym, passend zum morgigen astronomischen Herbstanfang um 20:19 h MESZ.
Ein Wetterwechsel ist schon im Gange, nach einem sehr sommerlichen Freitag folgte ein nochmals ziemlich warmer, aber schwüler Samstag bei schon wechselnder Bewölkung.
Heute zeigt sich der letzte Sommer-Sonntag durchwachsen, es regnete am Morgen, das Thermometer ist bis auf 16° C gefallen...
Wilhelm mochte den Herbst, er war retativ Wetter- und Jahreszeiten unabhängig, ein Murren über das zu stürmische oder regnerische Wetter gab es bei ihm nicht. Staunend und neugierig beobachte mein Opa Willi die Wetterentwicklung im Herbst, machte ausgedehnte Spaziergänge durch das umhertreibende Laub...
"Endlich kann man wieder richtig durchatmen" hörte ich öfter von meinem Großvater bei gemeinsamen Spaziergängen.in meiner Kindheit. Ich stimme dem voll zu...
Für Wilhelm. Für Axel.
Der Herbst
von Georg Heym
Viele Drachen stehen in dem Winde,
Tanzend in der weiten Lüfte Reich.
Kinder stehn im Feld in dünnen Kleidern,
Sommersprossig und mit Stirnen bleich.
In dem Meer der goldnen Stoppeln segeln
Kleine Schiffe, weiß und leicht erbaut;
Und in Träumen seiner leichten Weite
Sinkt der Himmel wolkenüberblaut.
Weit gerückt in unbewegter Ruhe
Steht der Wald wie eine rote Stadt.
Und des Herbstes goldne Flaggen hängen
Von den höchsten Türmen schwer und matt.
Georg Friedrich Franz Artur Heym, *30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien (heute Jelenia
Góra, poln. Woiwodschaft Niederschlesien),
+16. Januar 1912 in Gatow, Osthavelland, seit 1920 eingemeindet in den Berliner Stadtbezirk Spandau.
Heym gilt als einer der wichtigsten Lyriker des früheren literarischen Expressionismus.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Wilhelm Busch.
Die letzten zwei Tage waren schon teilweise stürmisch, gestern zog mehrfach Starkregen durchs Land. Das Laub weht ungewöhnlich früh durch die Straßen, wir sind der Natur in diesem Jahr, wie schon im Frühjahr, um Wochen voraus.
Der Herbst steht vor der Tür und fordert schon sein Recht ein, er möchte den Sommer gerne schnell verdrängen.
Wilhelm würde heute einen ausgedehnten sonntäglichen Spaziergang unternehmen und sich den Wind um die Nase wehen lassen, mit einer Portion Vorfreude auf den kommenden Herbst...
In trauter Verborgenheit
von Wilhelm Busch
Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.
Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.
Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.
Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.
Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.
Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.
Wilhelm Busch, *14.02.1832 in Wiedensahl, Schaumburger Land, Niedersachsen, +09.01.1908 Mechtshausen, heute zur Stadt Seesen, Niedersachsen.
Sind Sie in der Nähe, besuchen Sie doch einmal das alte Pfarrhaus im Ortsteil Mechtshausen, dort wurde Wilhelm Busch zu Ehren ein Museum eingerichtet, in dem neben seinen Werken seine Wohn- und Arbeitsräume zu besichtigen sind. Vor der Kirche steht eine Max-und-Moritz-Statue, sein Grabmal ist auf dem dortigen Friedhof zu finden.
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Zur heutigen Gedenkkerze an einem herrlichen Altweibersommertag ein Gedicht von Robert Reinick.
Wie oft saß Wilhelm im Schatten seines alten Apfelbaumes und ließ den lieben Gott einen guten Mann sein...dabei stets die kleine Seitenstraße beobachtend, ein Gruß, ein Winken, feststellend, dass er doch heute noch gar nicht Herrn Kaminski gesehen hat...
An solch einem warmen und sonnendurchfluteten Sonntag wie heute säße mein Großvater sicherlich wieder auf seinem Beobachtungsposten unter dem wunderschönen, alten Apfelbaum...
September – Der Apfelbaum
von Robert Reinick
Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
Kein andrer gibt so gern wie der.
Im Winter, wenn man schüttelt dran.
Da gibt er Schnee die Fülle her.
Im Frühling wirft er Blüten nieder,
Im Sommer herbergt er die Finken;
Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
Die voller Frucht zur Erde sinken.
Drum kommt! und schüttelt was ihr könnt,
Ich weiß gewiss, dass er’s euch gönnt.
Robert Reinick, *22. Februar 1805 in Danzig,
+07. Februar 1852 in Dresden.
Reinick war ein deutscher Maler und Dichter.
Zur Gedenkkerze am 1. September ein kleines Gedicht von Christian Morgenstern.
Meteorologisch gerechnet ist heute schon Herbstanfang - viele schauen schon jetzt mit Wehmut auf den Sommer zurück - für mich der aufatmende Beginn meiner geliebten Jahreszeiten Herbst und Winter...
Wilhelm wäre es recht Einerlei, er genoss den Sommer auf seine Weise, aber er hatte auch keinerlei Einwände gegen einen frühen Herbst.
Ich freue mich drauf, für viele unverständlich,
auf die kühlere, durchwachsenere Jahreszeit.
Mein Opa verbrachte die Sommer im Schatten seines Kirsch- und Apfelbaums und sagte am Ende des Sommers immer gerne: "Ach, jetzt wirds langsam Zeit für den Wechsel, mir ist es so schön melancholisch zumute - ich freue mich auf den Herbst"
Den Sonnenanbetern unter Ihnen sei mit Gewissheit gesagt: Ihre Zeit kommt wieder...
Sie müssen jetzt "durch den Herbst und Winter durch..." wie ich durch den Sommer - gönnen Sie der Natur ihre Auszeit...
Und denen, die wirklich Probleme mit dem Sommer haben wie ich, sei es kreislaufmäßig,
sei es maltretiert durch schwere Sonnenallergie... können langsam aufatmen...
Für Wilhelm. Für Axel.
Septembertag
von Christian Morgenstern
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit.
Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern,
*06. Mai 1871 in München, +31. März 1914 in
Untermais, Tirol.
Zur Gedenkkerze für meinen Großvater möchte ich erwähnen, dass heute Wilhelms Tochter Thea, Schwester meiner verstorbenen Mutter Gerda, ihren 94. Geburtstag feiert. Zuletzt besuchte ich meine Tante, welche auswärts wohnt, im Juli.
Wir sind stolz und glücklich, das Thea immer noch so rüstig und aktiv ist. Sie geht jeden Tag selbstständig einkaufen, ist sehr gut zu Fuß und erfreut sich stabiler Gesundheit. Meine Tante ist lebensfroh und mitteilsam, über den Tod macht sie sich keine Gedanken. "Warum sollte ich das tun"? entgegnete sie mir einmal. Sie freut sich über jeden Tag, der ihr geschenkt wird - was für
ein Vorbild!
Wilhelm wurde wie seine Frau Theresia 89
Jahre alt, Theresias Schwester Franziska 93.
Damit ist ihre Tochter Thea die älteste im Familienstammbaum seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Vielleicht sogar jetzt die Rekordhalterin aller Zeiten - das kann ich
nicht mehr nachvollziehen.
Im Bilderalbum finden sie einige Fotos von Wilhelms Töchtern:
Bild 5 zeigt links Gerda, rechts Thea.
Auf Foto 8 sieht man ganz links Thea, in der Mitte ihre Eltern, rechts Gerda.
Bild 9 auf der Treppe: links meine Mutter Gerda, rechts meine Tante Thea.
Foto 10 zeigt Gerda links als Kommunionkind,
rechts daneben Thea.
Zur heutigen Gedenkkerze ein schönes Sommergedicht von Hermann Allmers.
Die Verse passen ganz gut zu meinem
Großvater Wilhelm, dem freundlichen
Lebemann, ich kann ihn mir ganz gut im
hohen Gras liegend vorstellen, womöglich
noch mit einem Gänseblümchen im Mund
und still das Wolkenspiel beobachtend...
Für Wilhelm. Für Axel.
Feldeinsamkeit
von Hermann Allmers
Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn’ Unterlass,
von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau, wie schöne, stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ew’ge Räume.
Hermann Ludwig Allmers, *11.02.1821 in Rechtenfleth*), +9. März 1902 ebenda.
Allmers war ein deutscher Dichter und Schriftsteller - er schrieb vor allem über
Kultur und Landschaft seiner Heimat.
*)Rechtenfleth ist eine Ortschaft in der Einheitsgemeinde Hagen im Bremischen im niedersächs. LK Cuxhaven. Eingemeindet zu Sandstedt 1968, 2014 zu Hagen i. B.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Sommergedicht
von Gertrud Goes, welches meinem immer so fröhlichen Großvater Wilhelm sicherlich gefallen hätte.
Sommerabendwind
von Gertrud Goes
Leiser Sommerabendwind,
Der durch reife Gräser schleicht,
So wie die schlanke Männerhand
Über Frauenhaare streicht;
Leiser Sommerabendwind,
Der um volle Rosen geht
Und von jedem offnen Kelch
Eine Welle Duft erfleht;
Leiser Sommerabendwind,
Der mit Tönen überrascht,
Der von zartem Vogellied
Noch den letzten Laut erhascht;
Leiser Sommerabendwind,
Der die Mittagswolken kühlt,
Und das ganze Himmelszelt
Nach versunknem Glanz durchwühlt;
Leiser Sommerabendwind,
Sag mir, flogst du aus dem Tor,
Das der Sel’gen Gärten schließt,
Eben leicht beschwingt hervor?
Leiser Sommerabendwind,
Hast die Sehnsucht mir geweckt,
Dass nach deinem Heimatland
Meine Seele froh sich reckt!
Gertrud Goes, geborene Staehle, *25.11.1878 in Löwenstein, damals zum Oberamt Weinsberg/ Württemberg gehörend, heute zum Landkreis Heilbronn, +30. Dezember 1915 in Engelsbrand, damaliger Schwarzwaldkreis, heute zum Enzkreis, Baden-Württemberg. Engelsbr. ist Nachbarort von Pforzheim.
Goes war eine deutsche Dichterin und Erzählerin.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hans Böhm.
Lieben Sie den Juli - auch diesen? Nun, er ist ziemlich durchwachsen, wie im letzten Jahr.
Wir hatten schon sehr warme Tage zu Beginn
des Monats, aber auch einige wie heute mit sehr gemäßigte Temperaturen - dazu einen Sonne-Wolken-Mix, und einige Tage mit Schauern und Gewittern.
Was hatte mein Großvater Wilhelm bei gutem Juliwetter gemacht? Er hätte sich Stunden unter seinen schattigen Apfelbaum gesetzt - und Gott einen guten Mann sein lassen...
Mein Großvater war nicht wirklich ein Freund der hohen Temperaturen, wie auch ich - aber er konnte solche Tage durchaus genießen - im Schatten...
Juli
von Hans Böhm
Mit weißen Wolken Sommertag
Wie himmlisch du mich überblühst!
Es neckt der Wind mit lauem Schlag
Die Sonne wandelt hoch und grüßt.
Im Lindenbaume fällt und steigt
Der Biene dunkler Glockenton.
Geziefer webend mich umgeigt
So hör ich’s tausend Jahre schon.
Und wie die Wärme jubelnd schwillt
Und flimmert über Feld und Au
Da fahr ich mit der Erde mild
Und golden in das Himmelsblau.
Hans Böhm, *18. April 1876 in Köln, +12. Dez. 1946 in Dießen am Ammersee (heute Landkreis Landesberg am Lech, BY)
Böhm war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Schriftsteller.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hans Böhm.
Lieben Sie den Juli - auch diesen? Nun, er ist ziemlich durchwachsen, wie der Letztere.
Heute zog ein Gewitter mit längerem Starkregen durch, wir hatten schon sehr warme Tage in diesem Monat, aber auch einige regnerische.
Morgen soll es recht trübe, aber trocken werden, zum Wochenende erwartet uns wieder wärmeres, durchweg sonniges Wetter bei Temperaturen bis zu 29° C in hiesigen Breitengraden.
Was hatte mein Großvater Wilhelm bei gutem Juliwetter gemacht? Er hätte sich Stunden unter seinen schattigen Apfelbaum gesetzt - und Gott einen guten Mann sein lassen...
Mein Großvater war nicht wirklich ein Freund der hohen Temperaturen, wie auch ich - aber er konnte solche Tage durchaus genießen - im Schatten...
Juli
von Hans Böhm
Mit weißen Wolken Sommertag
Wie himmlisch du mich überblühst!
Es neckt der Wind mit lauem Schlag
Die Sonne wandelt hoch und grüßt.
Im Lindenbaume fällt und steigt
Der Biene dunkler Glockenton.
Geziefer webend mich umgeigt
So hör ich’s tausend Jahre schon.
Und wie die Wärme jubelnd schwillt
Und flimmert über Feld und Au
Da fahr ich mit der Erde mild
Und golden in das Himmelsblau.
Hans Böhm, *18. April 1876 in Köln,
+12. Dezember 1946 in Dießen am
Ammersee (heute LK. Landesberg am Lech, BY)
Böhm war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Schriftsteller.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse über das Älterwerden.
Hesse war einer der Lieblings-Buchautoren Wilhelms, ich las auch mehrfach begeistert dessen Werke.
Die Verse passen retrospektiv gesehen ganz gut zu meinem Großvater, eine Interpretation im Bezug zu Wilhelm würde jetzt allerdings jeglichen Rahmen sprengen - man kann aber aufgrund der Verse und der anschließenden Interpretation die ähnliche Einstellung Wilhelms zum "Älter werden" herauslesen.
Älterwerden
von Hermann Hesse
Sterne der Jugend, wohin
Seid ihr hinabgefallen?
Keinen mehr von euch allen
Seh im Gewölk ich ziehn.
Ihr meiner Jugend Genossen,
Ach wie früh mit der Welt
Habt ihr Frieden geschlossen!
Keiner, der zu mir hält!
Junge, die ihr uns Alten
Hohnlacht, wie habt ihr recht!
Denn auch ich selber – wie schlecht
Hab ich mir Treue gehalten!
Dennoch kämpfe ich weiter,
Steh entgegen der Welt.
Kann ich nicht siegen als Held,
Will ich doch fallen als Streiter.
Interpretation aus dem Netz:
Das Greisenalter ist für den Schriftsteller eine Stufe des menschlichen Lebens und hat wie alle anderen Lebensphasen ein eigenes Gesicht, eine eigene Atmosphäre und Temperatur sowie eigenen Freuden und Nöten. Ein "Alter", der sein Altsein und die Todesnähe hasst oder fürchtet, ist seiner Meinung nach kein würdiger Vertreter seiner Lebensstufe.
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair,
*2. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur Gedenkkerze der Hinweis zu den Bildern im Album, Aufnahme 7 - 13 der Album-Reihenfolge.
Im vorletzten Jahr bekam ich von Wilhelms Tochter Thea (93) einige alte Bilder an die Hand, welche ich digitalisiert habe.
Bilderalbum:
Bild 7 und 8 des Albums zeigt meinen Großvater Wilhelm als noch recht jungen Mann.
Foto 9 zeigt Wilhelm mit seiner Ehefrau Theresia (auch eigene Gedenkseite, Theresia Remiorz)
und ihren beiden Töchtern Gerda (meiner Mutter, eigene Gedenkseite Gerda Sophia Steinhardt) wie meine Tante Thea.
Auf Bild 10 sehen Sie beide Töchter in jungen Jahren - Aufnahme 11 als Kinder anlässlich der Erstkommunion von Gerda.
Aufnahme Nr. 12 des Albums zeigt Wilhelms Ehefrau Theresia.
Das letzte Foto im Album zeigt Wilhelm und Theresia bei einer großen Familienfeier zwischen 1987-1990.
Zum Remiorz-Zweig gibt es zumindest von Seiten meiner Tante noch Kontakt zu einer Nichte von Wilhelm - ihrer Cousine, Tochter von Wilhelms Bruder Theodor.
Wilhelm hatte zwei Geschwister, Maria und eben erwähnten Theodor, "Onkel Theo" - er ist mir noch bestens in Erinnerung, wohnte er doch im selben Ortsteil wie mein Großvater. Er war von ähnlichem Frohsinn und Heiterkeit wie sein Bruder "Willi", immer ein Scherz auf den Lippen, ständig lächelnd.
Diese Gedenkkerze widme ich daher nicht nur Wilhelm, sondern auch seinem Bruder Theodor, seiner Schwester Maria und allen verstorbenen Vorfahren des Remiorz-Zweiges.
Hier gleich zum Schluss die leider unvollständige Ahnentafel der Familie Remiorz, ich hoffe ich bekomme noch einige wichtige Daten und weitere Namen.
Gehören Sie vielleicht auch zu DIESEM Remiorz- Zweig, wir sind Verwandte "elften Grades" und liegen Ihnen eventuell weitere Daten vor? Melden Sie sich doch bitte erst einmal mit einer Gedenkkerze. Auch wenn Sie natürlich nicht Ihre persönlichen Kontaktdaten dort hinterlassen möchten, sehe ich im zweitem Zuge eine Möglichkeit der schriftlichen Kontaktaufnahme.
Vielleicht können Sie ja auch schon Daten und Namen zur Vervollständigung der Remiorz- Ahnentafel wie verwandtschaftliche Abzweige zu den einzelnen Namen zu einer Kerze schreiben? Eine sehr, sehr kleine Chance - aber trotzdem vielen lieben Dank im Voraus für Ihre Hilfe!
Eltern von Wilhelm:
Johann Remiorz
* 03.02.1878
╬ im April 1945
Maria Elisabeth Remiorz, geborene...?
*13.06.1886 in Rybnik / Schlesien
╬ 20.07.1933 in Bottrop
____________________________________________
Großeltern von Wilhelm väterlicherseits:
Josef Remiorz
Maria Remiorz, geb. Nowak
momentan keine weiteren Daten vorhanden
____________________________________________
Großeltern von Wilhelm mütterlicherseits:
Jakob Strudulla*)
*01.05.1856
╬ 24.11.1917
Sophia Strudulla geb. Hruzik
*05.04.1858
╬ 01.05.1931
*) mir liegen widersprüchliche Informationen zum Namen Strudulla vor, teilweise kaum mehr leserlich, Varianten wie Strudla tauchen auch gelegentlich auf.
Heute vor 32 Jahren starb Wilhelm im Alter von
89 Jahren nach kurzer Schwäche im hiesigen Hospital.
Er war ein äußerst humorvoller Großvater, der immer einen Scherz auf den Lippen hatte, immer sehr heitere Anekdoten erzählte.
Als 1979 der amerik. Schauspieler John Wayne starb, titelte ein großes deutsches Boulevardblatt die Schlagzeile:
"Er starb wie ein Held" -
Wilhelm sagte zu mir: "...das werden sie über mich nicht schreiben, wenn ich einmal sterbe!" -
...doch, Opa, Du bist wie ein Held gestorben, mit einem Lächeln im Gesicht, einem letzten Scherz auf den Lippen und ohne Furcht. Und ich schreibe es DOCH über Dich:
"Wilhelm Remiorz starb wie ein Held"
Inschrift auf John Waynes Grabstein:
„Der morgige Tag ist das Wichtigste im Leben. Er kommt zu uns um Mitternacht – ganz rein. Er ist makellos, wenn er ankommt, und gibt sich in unsere Hände. Er hofft, dass wir vom Gestern etwas gelernt haben.“
John Wayne, 26.05.1907 in Winterset, Iowa, +11.06.1979 in L.A.
Zur Gedenkkerze ein Sommergedicht von Ada Christen.
Heute früh gab es hierzulande noch ein paar Regenschauer - die kurze Hitzewelle ist erst einmal vorüber.
Ging ich mit meinem Großvater Wilhelm nach einem Regenguss spazieren, fragte er mich stets:
"Kind, riechst du den Wald, riechst du das Feld, die Wiese nach dem Regen?" In der Tat ist es ein schöner, gar erfrischender Geruch, da hatte mein Opa schon recht...und die Luft ist schlichtweg besser nach einem warmen Tag - Wilhelm atmete immer tief und hörbar durch - "Endlich wieder Luft schnappen können", äußerte er so bei sich...
Nach dem Regen
von Ada Christen
Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne, feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.
Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niederen Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.
Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.
Ada Christen (Pseudonym), eigentl. Christina von Breden, *06. März 1839 in Wien, +19. Mai 1901 in Inzersdorf am Wienerberge, seit 1938 Stadtteil von Wien.
Christen war eine österreichische Schriftstellerin, Dichterin und Theaterschauspielerin.
Durch die Vermittlung des Schriftstellers und Lyrikers Ferdinand von Saar erschien 1868 als
ihre erste Veröffentlichung das Gedichtband "Lieder einer Verlorenen", welches durch seine Kombination von Erotik und sozialer Anklage zur Provokation wurde und entsprechend hohe Auflagen erreichte. Saar hatte ihr auch zu dem Pseudonym "Ada Christen" geraten, dass sie für immer beibehielt.
Zur Gedenkkerze ein Gedicht von Detlev von Liliencron.
Lieben Sie den Juni? Denken Sie "endlich der erste Sommermonat?"
Wilhelm war im Mai geboren - ich denke er war ein "Frühlings- und Herbstkind", den Sommer mochte er schon, verzog sich aber lieber in den Schatten - meine Mutter, seine Tochter Gerda ist im Juli geboren - sie war ein absoluter "Sommerjeck" - und sah immer einen Zusammenhang des Geburtsmonats mit der Vorliebe für eine Jahreszeit.
Nun, ich bin im Januar geboren und ein Winterkind...ich kenne nicht wenige, auf die jene Neigung zum Geburtsmonat als Vorliebe für die Jahreszeit zutrifft - und für immer bestehen bleibt...
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Juni.
Schöne Junitage
von Detlev von Liliencron
Mitternacht, die Gärten lauschen,
Flüsterwort und Liebeskuss,
Bis der letzte Klang verklungen,
Weil nun alles schlafen muss –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Sonnengrüner Rosengarten,
Sonnenweiße Stromesflut,
Sonnenstiller Morgenfriede,
Der auf Baum und Beeten ruht –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Straßentreiben, fern, verworren,
Reicher Mann und Bettelkind,
Myrtenkränze, Leichenzüge,
Tausendfältig Leben rinnt –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Langsam graut der Abend nieder,
Milde wird die harte Welt,
Und das Herz macht seinen Frieden,
Und zum Kinde wird der Held –
Flussüberwärts singt eine Nachtigall.
Detlev von Liliencron, *1844 in Kiel, +1909 in
Alt-Rahlstedt (ab1937 zu Hamburg, Stadtbezirk Wandsbek)
Liliencron war dt. Lyriker, Prosa- und Bühnenautor.
Heute vor 121 Jahren wurde mein Großvater Wilhelm, vom Familienstamm Schlesier, in
Bottrop geboren.
Ein Original erblickte das Licht der Welt, eine Frohnatur, ein unglaublich humorvoller Mensch -
er sollte viele Menschen fröhlich und glücklich machen!
Wilhelms Geburtsjahr 1904 - was war das für eine Zeit? Vor 121 Jahren? Können wir es uns retrospektiv vorstellen, in dieser Zeit zu leben?
- Kaiser Wilhelm ll. war Staatsoberhaupt, Bernhard von Bülow Reichskanzler.
- das Kinderschutzgesetz trat in Kraft, die Arbeit von Kindern unter 12 wurde in allen Betrieben verboten (!) - (Wilhelm begann aber auch bereits mit 14 Jahren eine Bergmannslehre)
- Wilhelms und auch mein Lieblingsclub FC. Schalke 04 wurde gegründet, noch unter dem Namen Westfalia Schalke.
- der Fußballweltverband FIFA wurde ebenfalls 1904 gegründet.
- die beliebtesten Vornamen 1904 waren u. a. Maria, Helene und Erna, Hans, Paul, Otto und Walter.
Ich werde am heutigen Tag viel an meinen
Opa denken - an seine tollen Geburtstagsfeiern
mit vielen Gästen, leckeren Torten, üppigem Abendessen - und ich werde viel lächeln, wenn
mir einige seiner Späße einfallen...
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Wilhelm Busch.
Aus einem kleinen Gedichtband trug mir mein
Opa Wilhelm in meiner Kindheit die teilweise sehr heiteren Verse von Wilhelm Busch vor. Dabei hatte er eine unnachahmliche Art diese zu rezitieren, laut, lächelnd, gestikulierend - als seien es seine eigenen Werke - unvergesslich schön!
Vertraut
von Wilhelm Busch
Wie liegt die Welt so frisch und tauig
Vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
Ins frühlingsgrüne Tal hinein.
Mit allen Kreaturen bin ich
In schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
Und eben darum lieb ich sie.
Und wird auch mal der Himmel grauer;
Wer voll Vertraun die Welt besieht,
Den freut es, wenn ein Regenschauer
Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.
Heinrich Christian Wilhelm Busch,
*14. April 1832 in Wiedensahl, Schaumburger Land, Niedersachsen, +9. Januar 1908 in Mechtshausen, seit 1974 zur Stadt Seesen, Niedersachsen.
Busch war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter
und auch Zeichner Deutschlands.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Otto Julius Bierbaum.
Haben Sie das warme Wetter am Wochenende genießen können? Unternahmen Sie einen Ausflug oder haben sie es sich nur schön gemütlich gemacht daheim, vielleicht im eigenen Garten?
Wilhelm würde sich auch heute auf seinen Gartenstuhl unter dem alten Birn- oder Kirschbaum setzen - vermutlich fast den ganzen Tag...aber: es musste schon etwas schattiger sein...
Mai
von Otto Julius Bierbaum
Nun aber hebt zu singen an
Der Mai mit seinen Winden.
Wohl dem, der suchen gehen kann
Und bunte Blumen finden!
Die Schönheit steigt millionenfach
Empor aus schwarzer Erden;
Manch eingekümmert Weh und Ach
Mag nun vergessen werden.
Denn dazu ist der Mai gemacht,
Daß er uns lachen lehre.
Die Herzen hoch! Und fortgelacht
Des Grames Miserere!
Otto Julius Bierbaum, * 28. Juni 1865 in
Grünberg, Schlesien, (heute Zielona Góra,
poln. Woiwodschaft Lebus),
+1. Februar 1910 in Dresden.
Bierbaum war ein deutscher Journalist, Redakteur, Schriftsteller und Librettist. Bekannt war er auch unter den Pseudonymen „Martin Möbius“ und „Simplicissimus“.
Zur heutigen Gedenkkerze in der Osternacht ein Gedicht von von Angelius Silesius (Johannes Scheffler)
Wie gerne erinnere ich mich an die vielen schönen Osterfeste mit Opa Willi und Oma Theresia! Ich konnte es kaum erwarten, bis sie zum Osteressen erschienen - und natürlich gab es für den kleinen Enkel ein oder auch mehrere Geschenke - Naschereien, ein kleines Stofftier, ein Spielzeugauto...
Den Lesern von Wilhelms Gedenkseite wünsche ich ein friedvolles Osterfest!
Für Wilhelm und seine beiden Geschwister.
Und seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mt 28,20
Osterjubel
von Angelius Silesius (Johannes Scheffler)
Jetzt ist der Himmel aufgetan,
jetzt hat er wahres Licht!
Jetzt schauet Gott uns wieder an
mit gnädigem Gesicht.
Jetzt scheinet die Sonne
der ewigen Wonne!
Jetzt lachen die Felder,
jetzt jauchzen die Wälder,
jetzt ist man voller Fröhlichkeit.
Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit
und voller Ruhm und Preis.
Jetzt ist die wahre, goldne Zeit
wie einst im Paradeis.
Drum lasset uns singen
mit Jauchzen und Klingen,
frohlocken und freuen;
Gott in der Höh sei Lob und Ehr.
Jesus, du Heiland aller Welt,
dir dank ich Tag und Nacht,
daß du dich hast zu uns gesellt
und diesen Jubel bracht.
Du hast uns befreiet,
die Erde erneuet,
den Himmel gesenket,
dich selbst uns geschenket,
dir, Jesus, sei Ehre und Preis.
Angelus Silesius, eigentlich Johannes Scheffler, *25. Dezember 1624 in Breslau, Schlesien, damaliges Fürstentum Breslau, heutiges Wrocław, Woiwodschaft Niederschlesien, poln. Dolnośląskie, +9. Juli 1677 ebenda.
Scheffler war ein schlesischer Theologe, Lyriker auch und Arzt. Seine Werke zählen zu den bedeutendsten lyrischen Werken der Barockliteratur.
Zur heutigen Gedenkkerze am Karfreitag ein Gedicht von Annette von Droste-Hülshoff.
Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Feiertag.
Für Wilhelm und seine Geschwister.
Am Karfreitage
von Annette von Droste-Hülshoff
Weinet, weinet, meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen,
Ach, der Tag will euch nicht taugen,
Und die Sonne will euch höhnen!
Seine Augen sind geschlossen,
Seiner Augen süßes Scheinen.
Weinet, weinet unverdrossen,
Könnt doch nie genugsam weinen!
Als die Sonne das vernommen,
Hat sie eine Trauerhülle
Um ihr klares Aug genommen,
Ihre Tränen fallen stille.
Und ich will noch Freude saugen
Aus der Welt, der hellen, schönen?
Weinet, weinet meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen!
Gedicht gekürzt
Annette von Droste-Hülshoff, *12. Januar 1797, nach anderen Quellen 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster, +24. Mai 1848 auf der Burg Meersburg in Meersburg.
Droste-Hülshoff war eine dt. Schriftstellerin und Komponistin. Sie gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern des 19. Jahrhunderts.
Zur heutigen Gedenkkerze am Palmsonntag ein Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Nach einem sehr warmen und sonnigen Samstag Tagen zeigt sich der Palmsonntag heute viel kühler, bewölkt und mit einigen kleinen Schauern.
Die Natur schreit nach Regen, seit vielen Wochen hatten wir bis heute fast keinen Niederschlag -
die meisten Menschen die ich kenne sagen momentan "bloß kein Regen, soll es doch so bleiben" - sind wir wirklich so egoistisch? Die meisten offenbar ja.
"Der April macht eh was er will", hätte mein Großvater Wilhelm sicherlich angemerkt, "da
können wir nichts dran ändern - ob er nun verregnet ist oder trocken..."
Aus einem April
von Rainer Maria Rilke
Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren
Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag,
wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.
Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.
Rainer Maria Rilke, *04.12.1875 in Prag, +29.12.1926 in Glion, Kanton Waadt ,
Schweiz, seit 1953 Glion sur Montreux.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Ludwig Uhland.
Im Gegensatz zum letzten April waren die ersten Tage dieses Monats sehr mild, gestern wurde es sogar bis zu 22° warm - heute ist es auch durchweg sonnig bei etwas weniger warmen Temperaturen.
Wilhelm hätte zum ersten Mal die Gartenstühle aus dem Stall geholt und wäre sicherlich auch
bis in die frühen Abendstunden in seinem Garten verharrt...
Lob des Frühlings
von Ludwig Uhland
Saatengrün, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Amselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich solche Worte singe,
braucht es dann noch großer Dinge,
Dich zu preisen, Frühlingstag?
Johann Ludwig „Louis“ Uhland, * 26. April 1787
in Tübingen, damaliges Königreich Württemberg, +13. November 1862 ebenda. Uhland war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler,
Jurist und Politiker.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Hermann Hesse über das Älterwerden.
Hesse war einer der Lieblings-Buchautoren Wilhelms, ich las auch mehrfach begeistert
seine Werke.
Die Verse passen retrospektiv gesehen ganz gut zu meinem Großvater, eine Interpretation im Bezug zu Wilhelm würde jetzt allerdings jeglichen Rahmen sprengen - man kann aber aufgrund der Verse und der anschließenden Interpretation die ähnliche Einstellung Wilhelms zum "Älter werden" herauslesen.
Älterwerden
von Hermann Hesse
Sterne der Jugend, wohin
Seid ihr hinabgefallen?
Keinen mehr von euch allen
Seh im Gewölk ich ziehn.
Ihr meiner Jugend Genossen,
Ach wie früh mit der Welt
Habt ihr Frieden geschlossen!
Keiner, der zu mir hält!
Junge, die ihr uns Alten
Hohnlacht, wie habt ihr recht!
Denn auch ich selber – wie schlecht
Hab ich mir Treue gehalten!
Dennoch kämpfe ich weiter,
Steh entgegen der Welt.
Kann ich nicht siegen als Held,
Will ich doch fallen als Streiter.
Interpretation aus dem Netz:
Das Greisenalter ist für den Schriftsteller
eine Stufe des menschlichen Lebens und hat wie alle anderen Lebensphasen ein eigenes Gesicht, eine eigene Atmosphäre und Temperatur sowie eigenen Freuden und Nöten. Ein Alter, der sein Altsein und die Todesnähe hasst oder fürchtet, ist seiner Meinung nach kein würdiger Vertreter seiner Lebensstufe.
Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair,
*2. Juli 1877 in Calw, ehem. Königreich Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Rilke, passend zum aktuellen Frühlingsanfang.
Ich erinnere mich gerne zurück an meine Kindheit, als mein Großvater mit mir im Frühjahr durch die hiesigen Felder ging, durch den alten Kirchweg, durch das dortige Wäldchen.
Wilhelm erklärte mir alle frühblühenden Pflanzen und Bäume, dass die Osterglocke eine Narzisse ist, aber nicht jede Narzisse damit eine Osterglocke sei...
...diese ist eine Unterart der Narzisse, welche
"in vollem Gelb" blüht und kleiner als andere Narzissenarten ist, welche auch größer sein
können und zum Beispiel gelb-weiße Blüten besitzen...hatte sich der kleine Enkel gemerkt...
Wilhelm äußerte auch gerne "Riechst Du auch den Frühling? Die gute Luft?" ...und nahm erst einmal ein paar kräftige Atemzüge...
Vorfrühling
von Rainer Maria Rilke
Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Rainer Maria Rilke, *04. Dezember 1875 in Prag,
+29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz.
Auferstehung ist unser Glaube,
Wiedersehen unsere Hoffnung,
Gedenken unsere Liebe.
Aurelius Augustinus (Heiliger Augustinus, Augustinus von Hippo) war ein römischer Bischof und Kirchenlehrer.
Für Wilhelm. Für Franz.
Heute jährt sich der Todestag von Wilhelms Schwiegersohn, meinem Vater Franz Steinhardt (eigene Gedenkseite), der vor 39 Jahren, am 15. März 1986, von uns ging. Franz starb plötzlich
und unerwartet, kurz vor seinem 60. Geburtstag.
Mein Vater nahm Wilhelm an wie seinen eigenen Vater - und mein Großvater ihn wie einen Sohn. Franz leiblicher Vater verstarb ebenfalls sehr früh, im Alter von 56 Jahren - ich lernte ihn nie kennen.
Die Schwiegermutter, meine Großmutter Theresia nahm er auch an wie eine zweite Mutter, und meine Oma ihn wie ein eigenen Sohn.
Franz besuchte seine Schwiegereltern auch häufig alleine, fand dort etwas, was er nie oder lange nicht mehr fand.


