Von Andreas Steinhardt 15.08.2026 um 08:28 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze an Maria Himmelfahrt ein Gedicht von Ludwig Thoma.
Nach einem sehr heißen Freitag mit tropischer Nacht gehen die Temperaturen heute etwas zurück, in den nächsten Tagen erwartet
uns zumindest in hiesigen Breitengraden endlich etwas Regen.
Franz wäre früher sicherlich nicht unzufrieden gewesen mit einem sehr wechselhaften, gar nassen August, litt er - wie auch ich - mehr unter Hitze und Schwüle als viele andere in unserem Umfeld.
Viele schüttelten früher den Kopf über seinen wenig vorhandenem Sommersinn, wie auch ich häufig auf Unverständnis treffe und auch Spott erfahre, wenn ich äußere, dass ich ein Herbst- und Winterkind
bin - und ich diese Zeit zelebriere und genieße wie andere die Sommersaison...
...nun, es war noch nie einfach einer Minderheit anzugehören, ohne verspottet oder sogar als "bekloppt" betitelt zu werden.
"Anders sein" ist ja offensichtlich verboten, es ist kein Platz dafür in den Köpfen vieler engstirniger, von Intoleranz geprägten Mitmenschen, wenn jemand von der Norm abweicht...
...für all die, welche den Regen trotz der lang anhaltenden Dürre ignoranterweise verabscheuen...und für die, welche ihn ersehnen...
August
von Ludwig Thoma
So hat man nichts als immer Regen,
Es plätschert laut, es rieselt still,
Es sammelt Dreck auf allen Wegen,
Wie Gott es will.
Man fühlt sich gänzlich auf dem Hunde
Und kommt so weit, wenns immer gießt,
Dass man in einer solchen Stunde
Die Zeitung liest.
Man hört den Regen, liest die Seiche
Und hat so das Gefühl dabei,
Man trete in das Windelweiche,
In lauter Brei.
Gedicht gekürzt
Ludwig Thoma, *21. Januar 1867 in Oberammergau, +26. August 1921 in Tegernsee.
Thoma war ein deutscher Schriftsteller und Rechtsanwalt, welcher in der heutigen Zeit sehr umstritten ist.
Ludwig Thoma stellte in seinen Werken gerne die Scheinmoral der Menschen bloß - ebenso klagte er die Schwäche wie Dummheit der Spießbürger an.
Erwähnt werden sollte, dass aufgrund mehrerer veröffentlichter Artikel im "Miesbacher Anzeiger" zu Beginn der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts ihm das Magazin "Spiegel" 1989 postum vorwarf, sich im Alter zu einem wütenden Antisemiten entwickelt zu haben.





