Von Andreas Steinhardt 08.10.2026 um 14:40 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Herbstgedicht von Nikolaus Lenau.
Die erste starke Regennacht, der erste verregnete Vormittag seit langem - der Wetterwechsel ist vollzogen - 15° C statt wie gestern
nahe 25.
Seit dem Mittag ist es zumindest (vorübergehend) trocken, die Sonne lukt neugierig zwischen wilden Wolken hervor...
Franz würde spätestens jetzt einen schönen Spaziergang unternehmen - sich am Wind, dem Wolkenspiel und dem umherfliegenden Laub erfreuen. Sommer war nicht seine Lieblings- Jahreszeit - wie sie auch nicht meine ist...
In den folgenden Versen beschreibt Nikolaus Lenau in schönen, melancholischen Worten einen Herbsttag - mit durchaus prospektiv positiver Note...
Rings ein Verstummen, ein Entfärben ...
von Nikolaus Lenau
Rings ein Verstummen, ein Entfärben;
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.
Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.
Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.
In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir, als hör ich Kunde wehen,
dass alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.
Nikolaus Lenau, eigentl. Nikolaus Franz Niembach, Edler von Strehlenau, *13.08.1802 in Lenauheim (heutiges Rumänien),
+22.08. 1850 in Oberdöbling, heute zur Stadt Wien gehörend.




