Von Andreas Steinhardt 01.09.2026 um 12:53 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze am 1. September ein Gedicht von Hermann Hesse.
Meteorologisch gerechnet ist heute schon Herbstanfang. Sind Sie deswegen voller Wehmut - oder sogar - wie ich - durchaus froh, nach diesen Hitzewellen - dass der September seinen Einzug hält?
Mein Vater, nun wirklich kein Sommerfreund und ähnlich mir ein "Nachtschattengewächs" war sagte des öfteren mal den Satz: "Man muss durch den Sommer durch" - da ich diese Aussage öfter schon rezitiert habe, erntete ich schon Hohn und Spott - wie Franz einst.
Wie mein Vater und ich Sonnenanbeter nicht verstehen konnten und können - so verstanden Franz und heute auch mich Sommerjecken ebenfalls nicht. "Du bist doch verrückt" - gar Anfeindungen musste
ich schon ertragen, wenn ich mich als Herbst- und Winterkind outete.
Gut, dass ich mittlerweile gar nicht so wenig ähnlich empfindende Menschen kenne...
...und nach diesem "Jahrhundertsommer" sehnen sich viele, die sonst eigentlich ewigen Sommer bevorzugten, nach viel kühleren, auch durchwachseneren Tagen.
Es handelt sich hierbei nur um die Vorliebe für eine Jahreszeit - und den Herbst und Winter mehr zu lieben als den Sommer ist sicher keine Geisteskrankheit...
Für Franz. Für Axel.
Mittag im September
von Hermann Hesse
Es hält der blaue Tag
Für eine Stunde auf der Höhe Rast.
Sein Licht hält jedes Ding umfaßt,
Wie mans in Träumen sehen mag:
Daß schattenlos die Welt,
In Blau und Gold gewiegt,
In lauter Duft und reifem Frieden liegt.
- Wenn auf dies Bild ein Schatten fällt! -
Kaum hast du es gedacht,
So ist die goldene Stunde
Aus ihrem leichten Traum erwacht,
Und bleicher wird, indes sie stiller lacht,
Und kühler wird die Sonne in der Runde.
Hermann Hesse, (Pseudonym Emil Sinclair), *2. Juli 1877 in Calw, Württemberg, +9. August 1962 in Montagnola, Schweiz.
Hesse war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler.





