Theresia Remiorz

Theresia
Remiorz

16.06.1907
Neu-Wuttrienen
-
16.04.1997
Gladbeck

stimmungsbild
ZurückEine brennende Kerze: Kerze hellgrün rund
Maigedicht von Geibel

Von Andreas Steinhardt 06.05.2026 um 23:41 Uhr | melden

Zur heutigen Gedenkkerze ein Maigedicht von Emmanuel Geibel.

Heute regnete es sehr viel und anhaltend, bei Temperaturen bis zu 10° C - meiner Meinung nach ein schöner Maitag!

Theresia Theresia war es tatsächlich relativ egal, ob die Sonne schien oder es regnete. Im Prinzip nahm meine Großmutter das Wetter, wie
es kam, es gab nie mürrische Töne ihrerseits.

Die Natur freut sich (ebenfalls) über den Mairegen - war es doch im bisherigen Jahr (wieder) viel zu trocken.

Die meisten Menschen, denen ich begegnete äußerten in der letzten Zeit: "Bloß keinen Regen! Das wunderbare Wetter soll so bleiben!
Gerne das ganze Jahr" - ??? - ich lasse dies einfach einmal so stehen...


Der Mai ist gekommen

von Emmanuel Geibel


Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;

Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!

Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie′ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein da kehr′ ich durstig ein:
"Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!

Ergreife die Fiedel, du lust′ger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel sing′ ich dazu."
Und find′ ich keine Herberg′, so lieg′ ich zu Nacht
Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht:
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh′ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!


Franz Emanuel August Geibel, *17. Oktober 1815 in Lübeck, +6. April 1884 ebenda.

Geibel war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er der erfolgreichste Dichter seiner Zeit, dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte.