Von Andreas Steinhardt 03.08.2026 um 14:57 Uhr | melden
Zur heutigen Gedenkkerze ein Gedicht von Wilhelm Weigand.
Meine Großmutter war der hitzeresistenteste Mensch, der mir vielleicht je begegnet ist. Aber auch tiefster Winter mit Minusgraden, Eis und Schnee konnten ihr nichts anhaben -
- "wetterunabhängig" - so würde ich Theresia heute umschreiben -
"sie nahms wie es kam" -
...und das ohne auch nur einmal über das Wetter
zu murren...
...an einem so heißen Tag wie heute würde sie wie gewohnt und wie fast jeden Werktag zur nachmittäglichen Stunde zu ins in den benachbarten Ortsteil laufen, etwas über zwei Kilometer, durch den glühenden Asphalt - und man würde kein Klagen hören - allenfalls die Bitte nach einem kalten Glas Sprudel...
Im folgenden Gedicht von Weigand ist von "Juliwochen" die Rede, ich denke es passt aber auch ganz gut in den August hinein...
Im Dorfe
von Wilhelm Weigand
Wie mir dieser Juliwochen
einsam schöne Zeit verrann! Schauend in den Schatten kühlen durft’ ich meine Seele fühlen, die des Glücks Gesichte sann.
Golden sah ich rings sich bräunen weich im Wind das Ährenfeld.
Blutrot glomm an allen Wegen wilder Mohn im Windesregen, lerchenselig ward die Welt.
Lerchenselig meine Seele, die auf Gottes Wegen gingund im Dufte jeder Blüte – eine Fülle, eine Güte! – stillsten Gruß der Welt empfing.
Wilhelm Weigand, gebürtig Wilhelm Schnarrenberger (Namensänderung 1888), *13. März 1862 in Gissigheim, Baden,
heute zu Königheim, Main-Tauber-Kreis, BW, +20. Dez. 1949 in München.
Weigand war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.




